Die besten der Jüngsten

Die besten der Jüngsten

Beim Finale der JUNIOR-COMPANY-SAISON trafen die besten neun Schüler-Firmen aus den Bundesländern aufeinander. Der Champion wird Österreich in Brüssel vertreten.

Lautlos bewegt Moritz Hütteneder die Lippen. Er übt seinen Text. Noch steht er in einem dunklen Winkel der Bühne, doch in etwa zehn Sekunden wird er ins Scheinwerferlicht treten, um die Produkte seiner Junior Company (JC) WineLine beim JUNIOR Österreichwettbewerb zu präsentieren -Weinständer, gefertigt aus wiederverwerteten Weinfässern. Hütteneder ist zugleich Schüler und Unternehmer, WineLine gründete er gemeinsam mit anderen Schülern der HTL Mödling im Rahmen der Aktion "Schule macht Wirtschaft", unterstützt von der Wirtschafskammer Österreich (WKO), JUNIOR Austria und dem Medienpartner trend. Für Niederösterreich-Landessieger WineLine reichte es an diesem Montag, den 29. Mai leider nicht zum Sieg, obwohl Hütteneder den Text schlussendlich fehlerfrei aufsagte.

Aber der Bühnen-Pitch ist eben nur eine von vier Komponenten des Wettstreits. Die jungen Gründer mussten außerdem einen Geschäftsbericht einreichen, Verkaufsgespräche am Verkaufsstand führen und ein individuelles Interview mit der Jury absolvieren. Dabei schauten die Jurymitglieder, u. a. Friederike Sözen von der WKO und Sabine Leitzinger von der Verlagsgruppe News, besonders auf Originalität, USP und Professionalität der Schüler -und kürten schlussendlich 5pm aus der Steiermark zum Sieger. Die JC produziert Tee in Form von Teatabs, die wie Beutel funktionieren, aber besonders schnell ziehen, sowie Schlecker mit Teegeschmack, sogenannte Teapops. Den Pitch gestalteten die fünf Gründer als kurzen Sketch: Vier Damen saßen bei einer Tea-Party, Produktionsleiter Jakob Peckl (verkleidet als Butler) servierte die Produkte. Ein Sessel bleib dabei leer, reserviert für "unser Geschäftsgeheimnis, das leider nicht kommen konnte", scherzte Geschäftsführerin Tanja Zeiringer.

Den zweiten und dritten Platz, und damit einen Sommervorrat an Getränken von Coca-Cola, gewannen Silva aus Wien und Bierkischtazüg aus Vorarlberg. Die Upcycling-Firma Silva produziert Möbelstücke und Accessoires aus Altholz.

Einen Großauftrag zogen die Wiener bereits an Land, sie werden einen Eissalon komplett einrichten. Bierkischtazüg produzieren ebenfalls Möbel aus wiederverwertetem Material, allerdings nicht aus Holz, sondern aus Bierkisten. Die Vorarlberger konstruierten eine Holzplatte mit Scharnieren, die auf gestapelte Bierkisten passt -so entstehen Tische und Sitzgelegenheiten, daher der Name des Produkts: "Bierkischtasitztisch."

Die anderen sechs JCs -beekissed aus Kärnten, WineLine aus Niederösterreich, kernstueck aus Tirol, UPCO aus Oberösterreich, Dosengück aus Salzburg sowie Lightart aus dem Burgenland -gewannen symbolisch alle gemeinsam den vierten Platz. "Das Klischee, jeder gewinne hierbei, wollen wir nicht überstrapazieren. In diesem Fall stimmt es aber einfach", sagte JUNIOR Wettbewerbs-Organisator Ewald Hötzl. Der Präsident von JUNIOR, Gerhard Wildmoser, lobte die Innovationskraft der Schüler: "Ich bin nun schon seit zwölf Jahren dabei und sehe trotzdem immer noch etwas Neues."

Auch WKO-Präsident Christoph Leitl zeigte sich beeindruckt. Er bezeichnete die jungen Gründer als "Blut, das durch das wirtschaftliche Herz des Landes fließt." Ob 5pm auch die Herzen der Jury in Brüssel mit ihrem Tee erwärmen können, wird sich zeigen. Die Company of the Year Competition findet vom 11. bis 13. Juli statt.

Platz 1: 5pm

SCHULE: BG/BRG Stainach BUSINESS: Tee

Champions: 5pm wurde beste Junior Company Österreichs. Damit qualifizierten sich die Steirer für die europaweite Company of the Year Competition in Brüssel.

Platz 2: SILVA

SCHULE: w@alz LernZentrum BUSINESS: Altholz-Upcycling

Holzwachstum. Silva überzeugte die Jury mit konsequenter Brand Identity und rascher Expansion - bislang sind zwei Großaufträge im Gespräch.

Den zweiten Platz sicherten sich Silva. Die Wiener, beim Pitch allesamt im Karohemd, verwerten Altholz und stellen daraus Accessoires und Möbel her. Die Corporate Social Responsibility endet nicht beim Umweltschutz: Silva kooperiert mit der wohltätigen Emmausgemeinschaft St. Pölten. Dort arbeiten Haftentlassene mit Holz zu therapeutischen Zwecken. So entstehen einige Produkte von Silva. Auch einen Großauftrag konnte Silva schon verbuchen: Sie liefern die Einrichtung eines Eissalons.

Platz 3: BIERKISCHTAZÜG

SCHULE: HAK Feldkirch BUSINESS: Upcycling-Möbel

Bühnenpräsenz: Die Vorarlberger hielten ihre Präsentation teilweise auf Englisch und nutzten ihr eigenes Produkt als Podium.

Die Vorarlberger konstruierten eine Holzplatte mit Scharnieren, die auf gestapelten Bierkisten fixiert wird. So entstehen Tische, Bänke - und sogar Geschäftsberichte: Für den Pitch hatten die Schüler ihre Zahlen (Umsatz, Personalkosten etc.) auf Bierkisten geschrieben, zwei Schüler stapelten die beschrifteten Kisten während der Präsentation. Nicht zuletzt die kreative Präsentation brachte Bierkischtazüg den dritten Platz ein.

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