Home Office: 6 Fakten zum Thema Teleworking

Home Office: 6 Fakten zum Thema Teleworking

Teleworking und Home Office gewinnen immer mehr an Bedeutung und Beliebtheit. Doch kann die neue gewonnene Freiheit den Mitarbeitern auch schaden? Die wichtigsten Fakten im Überblick. Plus: Eine interaktive Karte, wo Sie in Wiens am produktivsten sein können.

Zwischendurch das Kind zum Kindergarten bringen, eine Ladung Wäsche in die Waschmaschine legen oder nach dem Mittagessen dem Nachmittagstief vorbeugen, indem man eine Runde jogged: Teleworking, also die Arbeit außerhalb der Bürowände, bringt vor allem für Arbeitnehmer etliche Vorteile mit sich, von denen aber auch der Arbeitgeber profitiert: Jenseits des Großraumbüros kann sich der Mitarbeiter besser auf seine Projekte konzentrieren und zu jenen Tageszeiten arbeiten, die für ihn am Besten passen.

Möglich ist dies freilich nur in Jobs, die keine persönliche Präsenz vor Ort erfordern: Für den Portier ist die Anwesenheit im Büro ebenso notwendig wie für Ärzte, die ihre Patienten vor Ort beraten - doch gerade in der Informations- und Kommunikationsbranche brauchen Mitarbeiter meist nur noch ein Smartphone, einen Laptop und einen Internetzugang, um ihrer Arbeit nachzugehen.

Interaktive Karte für Teleworker

Für diese Menschen hat trend.at im Sommer 2015 in einem Datenjournalismus-Projekt eine interaktive Karte für Wien erstellt, welche die besten Orte zum Teleworken zeigt. Mit wenigen Klicks kann man hier eruieren, wo es WiFi-Hotspots der Stadt Wien und des WLAN-Anbieters Freewave gibt. Zudem finden Sie Lokalempfehlungen aus unserer Kategorie "Business Lunch" - für den Fall, dass sie ein nahegelegenes Etablissement für das nächste Ad-hoc-Meeting suchen.

In Deutschland bieten 40 Prozent der Unternehmen ihren Mitarbeitern die Möglichkeit zum Teleworken. Ganz unumstritten ist das Thema allerdings nicht: So ist es für den Arbeitgeber zum Beispiel nicht immer leicht, die Arbeitsleistung des Mitarbeiters zu kontrollieren - benötigt wird also entweder eine entsprechende IT-Monitoring-Lösung oder eine gute Portion Vertrauen. Gleichzeitig klagen telerworkende Mitarbeiter und die Gewerkschaften, dass die ständige Erreichbarkeit ein nicht zu unterschätzendes Gesundheitsrisiko darstellt. Nachfolgend die wichtigsten Pro- und Contra-Punkte zu Heimarbeit und Teleworking.

1. Beruf und Familie lassen sich dank Home Office besser vereinbaren.

Dafür spricht, dass die Beschäftigten den Arbeitsort wählen und sich ihre Zeit flexibler einteilen können und dass der Weg zum und vom Job entfällt. Erfahrene Heimarbeiter aber wissen: Wirklich gut lässt sich beides nicht immer unter einen Hut bringen. Ein kleines Kind zu Hause betreuen und nebenbei Telefonkonferenzen mit dem Chef absolvieren kann ein ebenso schwieriger Spagat sein wie das Beantworten dienstlicher Mails auf dem eiligen Weg in den Kindergarten. "Man ist im Zweifel im doppelten Stress", sagt Oliver Suchy, Leiter des Projektes "Arbeit der Zukunft" beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB).

2. Wer im Home Office arbeitet, arbeitet effizienter.

Das kann stimmen - ist aber ein zweischneidiges Schwert. Kein Small Talk mit den Kollegen in der Teeküche, kein störendes Telefonklingeln im Großraumbüro - viele schätzen am Home Office das konzentrierte und effiziente Arbeiten. Wenn ein Projekt schnell vorangehen muss, kann das ein Vorteil sein. Schön, wenn dann auch noch die Waschmaschine nebenher laufen und die Mittagspause für einen kurzen Einkauf genutzt werden kann. Solche privaten Erledigungen können allerdings auch von der Arbeit ablenken - und nicht jeder Beschäftigte geht verantwortungsbewusst mit der längeren Leine um. Umgekehrt braucht es eine gewisse Selbstdisziplin, damit vor lauter Effizienz etwa Pausenzeiten nicht zu kurz kommen.

3. Arbeit und Privatleben verschwimmen zusehends.

Das gilt als Kernproblem der neuen Arbeitswelt - vor allem dort, wo es keine Regeln für das mobile Arbeiten gibt. Erst kürzlich ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur etwa, dass fast jeder zweite Erwerbstätige in Deutschland nach Feierabend seine beruflichen E-Mails checkt. Einige Unternehmen wie Volkswagen oder BMW räumen ihren Mitarbeitern zwar ein Recht auf Nichterreichbarkeit ein. Doch allgemein herrsche eher Wildwuchs, meint DGB-Experte Suchy.

4. Wer im Home Office arbeitet, arbeitet mehr und macht so auch mehr unbezahlte Mehrarbeit.

Ein Indiz dafür ist der große Berg an unbezahlten Überstunden - fast eine Milliarde waren es laut dem deutschen Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) jeweils in den vergangenen beiden Jahren. Dahinter stecke nicht nur der Druck, den sich manche Beschäftigte selbst machen, sondern oft auch zu hoch gesteckte Ziele, sagt Suchy. Für ihn ist klar: "Arbeit muss erfasst und vergütet werden."

Die deutschen Gewerkschafter pochen deshalb auf einen Ordnungsrahmen für die neue Arbeitswelt - und die Arbeitgeber im Gegenzug auf mehr Flexibilität. Statt einer täglichen wollen sie auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit umstellen und mehr Öffnungsklauseln erreichen. "Dies unterstützt betriebliche Abläufe und ermöglicht Beschäftigten eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben", sagt ein Sprecher der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände.

5. Immer auf Abruf zu sein, macht krank.

Dafür spricht eine kürzlich veröffentlichte Studie der Initiative Gesundheit und Arbeit (iga). Selbst wer sich aus freien Stücken dafür entscheidet, auch außerhalb der eigentlichen Arbeitszeiten erreichbar zu sein, erholt sich demnach tendenziell schlechter, leidet häufiger unter Schlafstörungen und kann im wahrsten Sinne des Wortes schlechter abschalten.

6. Die Bindung zum Unternehmen kann durch Heim- und Telearbeit verloren gehen.

Das sehen vor allem die Arbeitgeber als potenzielles Problem. Gerade für das Arbeiten im Team, für die Mitarbeiterführung und für die Unternehmenskultur insgesamt sei das Home Office eine Herausforderung, sagt der BDA-Sprecher. Siemens beispielsweise sorgt dafür, dass selbst Beschäftigte mit Telearbeitsplätzen höchstens 80 Prozent ihrer wöchentlichen Arbeitszeit von zu Hause aus absolvieren - aber nicht aus Misstrauen, sondern um einen guten Austausch zwischen den Kollegen zu gewährleisten, wie es vom Unternehmen heißt.

Anders ist das bei Microsoft: Die Mitarbeiter treffen je nach Projekt-Erfordernissen im Team zusammen, feste Präsenzpflichten gibt es nicht. Die Führungskräfte sind dafür verantwortlich, dass das Miteinander der Kollegen dabei nicht zu kurz kommt, wie eine Microsoft-Sprecherin sagt. Ein passendes Umfeld für Arbeit und Begegnung sollen die Mitarbeiter mit der neuen Deutschland-Zentrale in München bekommen, die am 11. Oktober offiziell eröffnet wird.

Richtig abschalten: Lesen Sie mehr dazu in trend Nr. 29 / 2016. Klicken Sie auf das Bild, um das E-Paper herunterzuladen.

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