Robin Lumsden: Hohe Politik und Sport am Campus

Robin Lumsden: Hohe Politik und Sport am Campus

Der Autor Robin Lumsden und Ex-US-Außenministerin Condoleezza Rice: Kommt es nach der Aufhebung des Shutdowns zu einem nachhaltigen Kompromiss?

Der Wiener Rechtsanwalt Robin Lumsden meldet sich wieder von seinem MBA-Programm in Stanford. Diesmal hat er mit Ex-Außenministerin Condoleezza Rice über den Shutdown in den USA diskutiert. Und mit Nike-Gründer Phil Knight über die lebenden Sportlegenden Tiger Woods, Lance Armstrong und John McEnroe gefachsimpelt.

Das öffentliche Leben in den USA ist seit Weihnachten durch den Budgetstreit, die Einfrierung der Mittel für öffentliche Einrichtungen, stark beeinträchtigt: etwa ein Viertel der Bundesbehörden waren 35 lange Tage geschlossen, 800.000 Bundesbeamte waren ohne Arbeit und Gehalt, die Verlängerung meines US-Führerscheines musste ich verschieben. Dieser "Shutdown", der längste der Geschichte, hat die Regierung quasi "geschlossen". Alle staatlichen Leistungen wurden auf ein Minimum reduziert. Für Touristen spürbar: Museen und Nationalparks waren fast alle geschlossen, auch die Müllabfuhr funktionierte nur stark beeinträchtigt.

Selbst die meisten FBI-Agenten mussten ohne Gehalt weiterarbeiten, ebenso viele für Grenzschutz und Zoll verantwortliche Beamte. Das alles sei bereits bedrohlich für die innere Sicherheit der USA, warnen die Sicherheitsbehörden. Auch die dem Heimatschutzministerium unterstellte, für die Checks auf den Flughäfen zuständige TSA (Transportation and Security Administration) klagt über den Zustand. Bereits zehn Prozent ihrer Angehörigen, die zum Dienst ohne Gehalt zwangsverpflichtet wurden, haben verärgert ihre Pflicht verweigert. Trump lenkte nun geknickt ein und stimmte einer dreiwöchigen Aufhebung des Shutdowns zu, de facto weil die Gefahr für Katastrophen etwa im Flugverkehr zu groß wurde.

Ausgelöst wurde die Sperre durch den Streit zwischen Präsident Trump und den oppositionellen Demokraten um das Projekt einer Mauer an der Grenze zu Mexiko. Die Demokraten verweigern ihm die Milliarden dafür. Hinter den Kulissen laufen hektische Verhandlungen über einen nachhaltigen Kompromiss, kurzfristig gibt es dafür aber wenig Chancen.

Wer trägt die Schuld an diesem Dilemma? Ich treffe mich hierzu mit Condoleezza Rice, der Ex-US-Außenministerin, einer meiner Lehrenden in Stanford. Auf die Frage nach der Verantwortung für die Lähmung antwortet die ehemalige Spitzenpolitikerin diplomatisch, sie will sich nicht festlegen. Nicht überraschend: Rice gilt zwar als eine republikanische Architektin der Post-9/11-Ära, ihr wird aber auch Distanz zu Trump nachgesagt. Welche Lösung würde sie zur Beseitigung der Blockade vorschlagen? Da kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen: "Beide Seiten müssen offiziell an den Verhandlungstisch zurück." In den USA ist die tägliche politische Auseinandersetzung tatsächlich viel härter als bei uns, da wird der Stillstand des Landes ohne Weiteres in Kauf genommen.

Ein anderer prominenter Lehrender kommt nun wieder an den Campus: Phil Knight, Gründer von Nike. Er hat der Uni den Business-School-Campus (für 250 Millionen Dollar) geschenkt und 1962 das gleiche MBA-Programm wie ich 55 Jahre später absolviert. Knight gilt in den USA als Legende, besonders hier in Stanford, wenn "er nach Hause kommt". Die damalige Uni-Arbeit in der "Entrepreneur-Klasse" hat er über seine Idee geschrieben, leichte Sportschuhe in Japan produzieren zu lassen. Sein Professor hat den Studenten ermutigt, dieses Projekt auch zu realisieren, Phil "gehorchte", wie er heute halb im Ernst meint, auch mangels anderer Jobperspektiven.

Am Ende kam Nike heraus, derzeit mit einem Umsatz von mehr als 36 Milliarden Dollar und einem Gewinn von mehreren Milliarden Dollar vor adidas der größte Sportartikelkonzern der Welt.


Der Nike-Gründer rät: Bleibt nicht zu lange im gleichen Job, verfolgt die eine oder andere von vielen als dumm bezeichnete Idee!

Als 80-Jähriger nimmt sich Knight kein Blatt vor den Mund. Er screent die Studenten hier gerne nach deren außeruniversitären Lebensläufen, da könne er am meisten herauslesen. Ich verstehe mich sehr gut mit ihm. Da er auch Sportler war (Mittelstreckenläufer) und auch bei der Army (ein Jahr aktiv, sieben Jahre Miliz), habe ich als ehemaliger Tennisspieler und Angehöriger des Jagdkommandos auch privaten Gesprächsstoff, nicht nur über unsere Stanford-MBA-Gemeinsamkeit.

Besonders gerne plaudere ich mit ihm über Tennis, er ist derselbe Jahrgang wie mein Vater, Lance Lumsden, und kennt viele Spieler, mit denen dieser spielte. Warum Nike als Sponsor Golfprofi Tiger Woods nach dessen privaten Problemen nicht fallen ließ, Radprofi Lance Armstrong nach dessen Dopingaffäre aber sehr wohl? "Lance hat uns betrogen, so wie die 20 Besten seines Sportes auch", sagt Knight. Und Tiger Woods? Knight: "Als 80-Jähriger habe ich die Lebenserfahrung, sein Verhalten nicht zu streng zu bewerten. Ich sehe etwa auch, wie nach jedem NBA-Spiel Models vor den Kabinen der Basketballstars stehen. Wenn du jung bist, musst du dem eben widerstehen können. Tiger hat seine Frau und Familie verloren, warum sollten wir ihn auch noch hängen lassen? Jetzt sind wir froh, dass wir zu ihm gestanden sind."

Ähnlich emotional wird Knight beim Thema Colin Kaepernick, jenem Football-Star, der sich aus Protest gegen Polizeigewalt gegen Farbige regelmäßig vor NFL-Spielen bei der US-Hymne niederkniete und dann auf Druck von Trump arbeitslos wurde. Phil Knight entschloss sich, eine spektakuläre Werbung mit Kaepernick zu machen. Nike musste kurzfristig einen Einbruch seines Börsenkurses in Kauf nehmen, wurde aber später für den Mut belohnt und erntet jetzt viele mediale Lorbeeren. War das aufgrund von Umfragen geplant? Knight verneint das: Wie vieles in seinem Leben sei dies eine reine Bauchentscheidung gewesen. Wirtschaftlich habe er seinem Board gepredigt, es sei egal, wie viele Leute Nike nicht mögen, "Hauptsache, ein paar mögen uns noch".

Ähnlich väterlich war er auch mit Tennislegende John McEnroe: Er sah ihn als Junior spielen, mochte zwar sein Verhalten am Platz nicht, fand aber, "der hat keine Angst", und sponserte ihn. "Es entwickelte sich bis heute eine tolle Freundschaft."

Phil Knights Empfehlung an uns Studierende: "Bleibt nicht zu lange im gleichen Job, bildet euch permanent weiter und verfolgt die eine oder andere von vielen als dumm bezeichnete Idee, später gratulieren sie euch!" Das kommt mir bekannt vor.


Zum Autor

Robin Lumsden , 42, ist Anwalt in Wien und auch in New York und Washington, D.C. zugelassen. Er ist Co-Founder eines Stanford-Fonds, Generalkonsul von Jamaika und Absolvent der Eliteunis Stanford und Berkeley.



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