Die jungen Gründer wollen mehr

Die trend-Aktion "SCHULE MACHT WIRTSCHAFT" geht ins Finale. Tatsächlich ein Unternehmen zu gründen ist für viele Schüler nicht nur ein entfernter Traum.

Die jungen Gründer wollen mehr

Unternehmerischer Erfolg spornt an. Und zwar so sehr, dass aus manchen Projekten, die im Rahmen der Aktion "Schule macht Wirtschaft" entstanden sind, echte Unternehmen werden könnten. "Bei uns hat sich eine Gruppe geformt, welche die Junior Company weiterbetreiben will. Wir informieren uns gerade, was zur Unternehmensgründung notwendig ist", erklärt Agnes Swaton, Geschäftsführerin von Fragaria.

Mit ihrem Team des Akademischen Gymnasiums in Graz hat sie Kosmetiktaschen entwickelt, in denen Menstruationsartikel leicht und praktisch aufbewahrt werden können - mit dem besonderen Ansporn, das Tabuthema Menstruation öffentlich zu diskutieren. "Wir sehen definitiv Potenzial, Fragaria auch nächstes Jahr weiterzuführen", sind die Schülerinnen überzeugt. Die unterschiedlichen Rückmeldungen geben ihnen recht. So haben die jungen Gründerinnen auf der Handelsmesse in Wien nicht nur einen Preis für das innovativste Angebot gewonnen, sondern auch den Landeswettbewerb der Junior Companys in der Steiermark.

Wie auch die anderen hier präsentierten Landessieger rittert Fragaria nun um den Sieg im Bundeswettbewerb. So auch die Kärntner WNW Juice Corporation: "Sogar Firmen haben uns Flaschen unseres Eisteesirups Nicetea abgekauft", freut sich deren Finanzmanager Luca Weissenberger, ".wenn es in Zukunft größere Bestellmengen gibt, werden wir auf jeden Fall weiterproduzieren."

Auch die Workshops, die das Team von Bee@Home in Schulen durchgeführt hat, um den Kindern den Umweltschutz und das Zusammenbauen von Insektenhotels näherzubringen, könnten in den Ferien weiterlaufen. "Wir müssten nur einen Raum dafür mieten, wo wir die Workshops abhalten können", sagt Michael Tutsch.

Verständlich ist, dass viele Schüler erst einmal der Matura Vorrang vor ihren wirtschaftlichen Träumen gegeben haben. So ist für das Tiroler Team von blick.faenger noch offen, ob es seine künstlerischen Magnete auch in Zukunft produzieren wird. "Die gute Resonanz auf unsere Produkte ist auf jeden Fall da", erklärt Geschäftsführerin Eva Siller. Ihr theoretisches Konzept für den Weiterbetrieb: ein kleineres Team als bisher, das auf eine erweiterte Produktpalette baut.


GEWINNER Burgenland

Regionalität sogar im Namen


Vor allem Bauern sprechen im Burgenland noch einen alten bairischen Dialekt, nämlich das Hianzische. „Wir stehen für Regionalität, auch in unserem Namen. Wir entschieden uns daher dazu, unsere Junior Company ‚foafal‘ zu nennen, das hianzische Wort für Nudeln“, erklärt Anna Unger von der Höheren Bundeslehranstalt und Fachschule für wirtschaftliche Berufe ecole in Güssing.

Riecher für Marketing. Seinen Riecher für gutes Marketing hat das 14-köpfige Team damit schon einmal bewiesen. Die Schülerinnen und Schüler haben aber auch Geschmack. „Wir essen selbst gerne Teigwaren und haben daher Nudeln und Pesto selbst produziert“, sagt die 17-Jährige. Die Geschmacksrichtungen reichen dabei von Chili bis Spinat und Rote Rüben.

„Es ist nicht selbstverständlich, dass Schülerinnen und Schüler neben ihrer anstrengenden Schullaufbahn unternehmerisch tätig werden“, meint der Präsident der Wirtschaftskammer Burgenland, Peter Nemeth: „Bei der Aktion ,Schule macht Wirtschaft‘ lernen sie in der Gruppe, welche Aufgaben notwendig sind, um ein Unternehmen zu gründen und zu führen.“

Was das Team sonst noch gelernt hat? „Wir haben unsere Teamfähigkeit weiterentwickelt und gemerkt, dass im wirtschaftlichen Leben sowohl genaue Planung als auch Spontanität wichtig sind“, resümiert Unger.


GEWINNER Kärnten

KLEINES TEAM mit großer Wirkung


Mit nur drei Schülern ist die WNW Juice Corporation von der Kärntner Tourismusschule in Villach wohl die kleinste aller Junior Companys. Was kein Nachteil sein muss, wie Finanzmanager Luca Weissenberger erklärt: "Wir können uns kurzfristig abstimmen und müssen nicht lange diskutieren, wer welche Aufgaben übernimmt.

Länger diskutiert hat das Team allerdings, als es noch um die Produktidee selbst ging. "Wir hatten viele Ideen, von einem Deo bis hin zu einer Schuluniform", sagt der 18-Jährige. Geeinigt haben sich die Kärntner dann auf ein Produkt, das es in dieser Form noch nicht am Markt gibt. "Eisteearten gibt es schon viele. Aber es hat noch keinen Eistee als Sirup gegeben. Mit unserem Produkt 'Nicetea' füllen wir eine Marktlücke", so der Jungunternehmer.

ERFRISCHEND UND BEGEISTERND. Das überzeugt auch den Präsidenten der Kärntner Wirtschaftskammer, Jürgen Mandl: "Die Junior Company WNW Juice Corporation ist erfrischend und absolut begeisternd! Die drei jungen Burschen haben neben einem coolen Produkt auch eine elegante Marketinglinie entworfen und sprechen somit neben Erfüllung des Grundnutzens und des Zusatznutzens eines geschmackvollen Getränkes auch die psychologische Komponente eines trendigen Getränkes an."


GEWINNER Salzburg

IM GLAS macht Lust auf Süßes


Die besten Ideen entstehen oft, wenn man auf die eigenen Bedürfnisse hört. "Wir sind im Internat, und zwischen dem Lernen bekommen wir meist Lust auf etwas Süßes", erzählt Lisa Georgi von der Junior Company imGlas: "Im Schulalltag haben wir aber keine Zeit, Kuchen zu backen. Fertige Kuchen oder Backmischungen haben für unseren Geschmack zu viele künstliche Zusatzstoffe."

KUCHEN ZUM LÖFFELN. Die Schülerinnen der HBLA Ursprung haben daher Backmischungen produziert, die in runden Löffelgläsern verkauft werden. "Die Konsumenten müssen nur Milch, Öl und Ei hinzufügen. Alles wird im Glas verrührt und gebacken. Und schon hat man einen leckeren kleinen Kuchen zum Löffeln", erklärt die Schülerin. Bei den Rezepten hat sich das Team nicht nur auf den eigenen Geschmack verlassen, sondern auch Marktforschung betrieben. "Wir haben potenzielle Kunden gefragt und Verkostungen durchgeführt", sagt die Jungunternehmerin.

Überrascht waren die Schülerinnen davon, wie viel Aufwand hinter einem Unternehmen steckt. Aber auch, wie viel Erfolg man haben kann, wenn man hinter seinem Produkt steht. "Das ist eine vielversprechende Geschäftsidee, die ganz im Trend der Nachhaltigkeit und gesunden Ernährung liegt", meint dazu Peter Buchmüller, Präsident der Wirtschaftskammer Salzburg. ,"Für die Schülerinnen und Schüler ist es in ihrem späteren Arbeitsleben mehr als vorteilhaft, wenn sie wissen, wie Unternehmen funktionieren und wie man ein Start-up hochzieht."


GEWINNER Oberösterreich

MEHRWERT wird zum Erfolgsfaktor


"Ein Mehrwert für unsere Kunden muss her!" Das dachte sich die Junior Company der HTL in Freistadt, nachdem sie sich auf ihr Produkt, die selbst hergestellten Insektenhotels, geeinigt hatte. Denn Insektenhotels gibt es schon viele am Markt. Wie soll man sich also vom Mitbewerber unterscheiden?"Wir haben daher auch Workshops für Schulen angeboten, um mit den Kindern auch über Klimawandel und Umweltschutz zu sprechen und gleichzeitig mit ihnen unsere Insektenhotels zusammenzubauen", so Michael Tutsch, Geschäftsführer der Junior Company Bee@Home.

UNBESCHREIBLI-CHES GEFÜHL "Ich finde es toll, dass sich eine Gruppe junger Burschen so intensiv mit dem Thema Umweltschutz auseinandersetzt", ist Doris Hummer, Präsidentin der Wirtschaftskammer Oberösterreich, begeistert. "Mit dem Schwerpunkt auf nachhaltige und ökologische Sensibilität punkten sie nicht nur bei den jungen Schülerinnen und Schülern."

Aufgrund des Erfolgs überlegt das zehnköpfige Gründerteam sogar, ob es die Workshops auch in den Ferien weiter anbieten will. Profitiert haben die jungen Entrepreneure von ihren ersten Erfahrungen im Wirtschaftsleben auf jeden Fall. "Es ist ein gutes Gefühl, zu sehen, wie etwas von klein auf wächst, und wenn man merkt, dass den Leuten das Produkt gefällt. Das ist unbeschreiblich", freut sich Tutsch.


GEWINNER Tirol

Blickfänger für Magnete


Die Erinnerung an eine verzweifelte Suche nach einem schönen Mitbringsel im Urlaub hat die Schüler der HTL Bau und Design aus Innsbruck auf ihre gewinnbringende Idee gebracht. "Wir bieten kunstvoll gestaltete Magnete aus Keramik oder Holz an. Damit füllen wir eine Marktlücke in der Souvenirbranche, wo sonst meist Massenproduktion vorherrscht", sagt Anne Sausgruber von der Junior Company blick.faenger.

Zusätzlich bietet das Unternehmen die Gestaltung von individuellen Magneten an -als Werbemöglichkeit für Betriebe oder als persönliches Geschenk.

HANDWERK TRIFFT WIRTSCHAFT. Ein Moment im Unternehmerleben war dabei ganz besonders: "Als wir gesehen haben, dass Bedarf nach unserem Produkt besteht und die Leute danach fragen. Wir konnten unsere handwerkliche Kreativität ausleben und hatten gleichzeitig einen wirtschaftlichen Nutzen."

"Das Besondere an blick.faenger ist, dass sich ihre Begeisterung für ihr Handwerk und ihre Leidenschaft für Kunst in ihren Magneten widerspiegelt und den Schülern sehr am Herzen liegt, einen Beitrag zur Tiroler Kunstszene zu leisten", sagt dazu der Präsident der Wirtschaftskammer Tirol, Christoph Walser. "Sie treffen mit ihrer Geschäftsidee zudem den Zeitgeist, indem sie in ihrer Produktion auf Nachhaltigkeit und Regionalität setzen."


GEWINNER Steiermark

DAS GESCHÄFT mit dem Tabu


Echte Tabuthemen gibt es wohl kaum mehr. Die Junior Company Fragaria des Akademischen Gymnasiums in Graz hat sich eines Themas angenommen, das bei den meisten immer noch als Tabu gilt: der Menstruation. "Wir bieten unseren Kunden handgemachte, auf Menstruationsprodukte spezialisierte Alltagstaschen. Diese werden aus alten, sich noch in gutem Zustand befindenden Stoffen hergestellt. So wird jedes Produkt ein echtes Unikat", erklärt Geschäftsführerin Agnes Swaton.

ZIELGRUPPE ERREICHT. Gleich wichtig wie das Produkt selbst ist den Schülerinnen aber auch, das Thema öffentlich zu diskutieren. Genutzt wurden dafür Social-Media-Kanäle wie Instagram und TikTok. "Dort hatten wir bei einem Beitrag sogar 54.000 Views und konnten unsere Zielgruppe der Zwölf-bis 15-Jährigen gut erreichen", sagt die Schülerin. Sogar einen eigenen Podcast hat das Team gestartet, wo es nicht nur um Aufklärungsarbeit rund um die Menstruation, sondern auch um allgemeine feministische Themen geht.

Josef Herk, Präsident der Wirtschaftskammer Steiermark, unterstützt die Aktion "Schule macht Wirtschaft":"Man kann vieles in der Theorie lernen, wirkliche Erfahrung sammelt man aber nur in der Praxis. Darum ist es aus meiner Sicht auch besonders wichtig, dass Jugendliche schon während ihrer Schulausbildung das wirkliche Unternehmerleben kennenlernen."




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