5 Gründe, warum Manager korrupt werden

5 Gründe, warum Manager korrupt werden

Gaunereien sind Managern nicht zwangsläufig in die Wiege gelegt.

Ob Menschen in Führungspositionen korrupt werden oder nicht, kann von verschiedenen Faktoren abhängen. Forscher der WU Wien haben die Gründe dafür untersucht.

Nur die eigene persönliche Disposition reicht nicht aus, um Manager korrupt werden zu lassen beziehungsweise verantwortungsloses Verhalten zu erklären. Vielmehr ist es eine Folge von Wechselwirkungen zwischen individuellen, organisationalen und gesellschaftlichen Faktoren, zeigt eine Studienreihe von Günter Stahl, Professor an der Wirtschaftsuniversität Wien.

1. Je weniger man sich mit seiner Firma identifiziert, umso größer das Risiko verantwortungslos zu handeln

Je weniger man sich mit seinem Unternehmen identifiziert und den Job etwa nur des Geldes wegen macht, umso größer das Risiko, korrupt und verantwortungslos zu handeln. Das bedeutet umgekehrt: Je mehr sich eine Führungskraft mit Teilen seiner Firma identifiziert, je mehr Empathie er aufbringt, desto eher wird er verantwortlich handeln. Psychologische oder kulturelle Distanz gegenüber Gruppen, etwa Personen mit Migrationshintergrund, führe zu verminderter Empathiefähigkeit und erhöhe die Tendenz, sich verantwortungslos gegenüber diesen Gruppen zu verhalten.

2. Wenn der Gewinn der Aktionäre zu sehr im Fokus steht, steigt die Gefahr, dass Manager alles dafür tun - auch was nicht rechtmäßig ist

Teams mit hoher Diversität, also mit Menschen unterschiedlichen Geschlechts, Ausbildungshintergrund sowie unterschiedlicher Nationalität, können flexibler auf die Anforderungen von diversen Stakeholdern eingehen und auch für das Unternehmen eine bessere Leistung (Corporate Social Performance) erbringen, so das Ergebnis der Studie. Problematisch ist es dagegen, wenn die Interessen völlig auf eine Teil im Unternehmen, etwa die Anteilseigner, ausgerichtet ist. Das gilt für Länder mit einer ausgeprägten Shareholdervalue-Philosophie, wenn also der Gewinn der Aktionäre ein überwiegendes Unternehmensziel ist wie in den USA.

3. Selbstverliebte Führungskräfte als tickende Zeitbombe

Aber auch die persönliche Disposition spielt eine nicht unwesentliche Rolle, ob am anfällig für Korruption ist oder nicht. Neben Persönlichkeitsmerkmalen der Führungskräfte wie ausgeprägte narzisstische Tendenzen.

4. Immun gegen Kritik

Manager, die aufgrund ihrer Überzeugung der beste zu sein, gegenüber Kritik immun sind, sind nicht selten auch selbstherrlich genug zu glauben, dass ihnen mehr zusteht als sie ohnehin bereits am Gehaltszettel stehen haben. Bei diesen besteht auch die Gefahr, dass sie etwa direkt oder indirekt in die Kasse greifen, um sich zu bereichern oder anderwertig Firmenwerte in den Windschlagen oder sogar Gesetze brechen.

5. Eine ausgeprägte hierarchische Unternehmenskultur


Wenn in einer Firma der Geschäftsführer zu sehr als Sonnengott sieht und das übrige Management neben sich nicht aufkommen lässt, steigt der Frust unter den anderen Führungspersönlichkeiten im Unternehmen und auch die Gefahr einer Schieflage des Unternehmens. Aus Frust kann da Betrug werden.

WU-Professor Strahl rät daher zu einer konsequente Ausrichtung an einer Shareholdervalue-Philosophie. "Hier liegen auch mögliche Ansatzpunkte für verantwortungsvolles Führungshandeln", so, Der Chef könne der Werte wie Integrität, soziale Verantwortung, und Nachhaltigkeit vorleben. Das Top-Management solle vielfältig sein und die Bedürfnisse einer Vielzahl von Stakeholdergruppen berücksichtigen.

Karrieren

Frauen im Aufsichtsrat: Wahrheit oder Pflicht?

Interview
Iris Bohnet

Karrieren

Harvard-Ökonomin Iris Bohnet: "Wir müssen uns selbst austricksen"

Karrieren

Den Stärken-Code knacken