Geteilte Macht als Überlebensstrategie

Geteilte Macht als Überlebensstrategie

Isabella Mader: „In Netzwerken nimmt die Macht der Vielen zu – aber nur, wenn diese strategisch geführt wird, sonst verpufft sie.“

Die Wiener Beraterin und CEO des Excellence Institute Isabella Mader über die Kraft der Partizipation.

Massen von Menschen verlieren ihre Jobs an Maschinen. Viele arbeiten 80+ Stunden pro Woche, um gerade so über die Runden zu kommen. „Von welchem Zeitalter reden wir?“, fragt Isabella Mader provokant – und schiebt die überraschende Antwort gleich hinterher: „Die letzte Disruption in politischer Hinsicht war die französische Revolution. Macht zu verlieren, war für die Herrscher undenkbar.“ Unbequeme Wahrheiten anzuerkennen und Macht zu teilen – das sind auch heute die Herausforderungen, die sie mit ihren Kunden aus der Wirtschaft und Politik erarbeitet.

Die Wiener Beraterin ist überzeugt, dass den gegenwärtigen Disruptionen nur mit Collaboration im organisatorischen Sinne zu begegnen ist. „Der Vertrauensmangel hat ein kritisches Level erreicht,“ findet sie, „viele Menschen erleben ihn als Staatsbürger, in ihrer Rolle als Verbraucher oder als Arbeitnehmer.“ Die Netzwerkgesellschaft ist dabei, die letzten Bastionen der Industriegesellschaft einzunehmen und zu gewaltigen Verschiebungen der Macht- und damit Gestaltungsmonopole zu führen. Wer in seiner individuellen Rolle in der Gesellschaft und im Unternehmen ernst genommen wird, trägt Veränderungen eher mit, anstatt sich ihnen zu verweigern.

Wie funktioniert Partizipation in der Praxis? Wie erarbeitet man in großen Strukturen mit Tausenden Teilnehmern eine Linie? Schiere Größe ist für Mader kein Ausschlusskriterium. „Die klassische Führungsspanne liegt bei zwölf Personen,“ sagt sie, „wenn hier die Schlüsselressorts abgebildet werden, funktioniert das auch im großen Maßstab.“ Die Angst vieler Manager oder politischer Entscheider ist, dass solche partizipativen Prozesse chaotisch oder ergebnislos bleiben, wenn „alle da Draußen mittun dürfen“.

Diese Sorge sei nicht berechtigt, gründe wohl auch darauf, dass zeitgemäße Formate für solche Partizipationsprozesse noch nicht breit bekannt sind. „Wird der Prozess kompetent gut moderiert, sehen alle Beteiligten, dass etwas passiert, dann entsteht, was wir eigentlich wollen: Gemeinsam Entwickeltes wird mitgetragen,“ spricht sie aus der Praxis.

Konzerne oder die öffentliche Hand, für die das Netzwerk an sich die natürliche Organisationsform ist, tun sich oft sogar leichter mit partizipativen Modellen. Sie sind es gewohnt, mit vielen, auch außenstehenden Strukturen zu kommunizieren. „Wer bei den herausfordernden Prozessen mitgenommen wird, erlebt ein vertrauensvolles Umfeld und das wirkt sich auf die Produktivität und den Erfolg aus,“ sagt sie. Inklusive, partizipative Modelle legitimieren und verteilen eben nicht nur Macht, sie schaffen idealerweise auch Wohlstand und Werte.


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