"Geschönte Bewerbungen sind ein No-Go"

Lücken im Lebenslauf? Zum Abteilungsleiter hat es nie gereicht? Im Lebenslauf lassen sich fehlende Fachkenntnisse und Aufstiege einfach kaschieren. Was Personaler über getunte Bewerbungen denken und ob Sie es überhaupt merken.

"Geschönte Bewerbungen sind ein No-Go"

Gut aufgemotzt ist halb gewonnen - mögen sich so manche Bewerber beim Verfassen ihres Lebenslaufs denken und die eine oder andere unschöne berufliche Wendung elegant umschiffen und Brüche und zeitliche Lücken im so wichtigen Curriculum Vitae nicht aufscheinen lassen. Ein Kavaliersdelikt, der dem Personalchef ohnehin nicht auffällt?

Misstrauisch sind die Unternehmen bei der Dursicht der Bewerbungsunterlagen jedenfalls. Im Durchschnitt glauben die heimischen Arbeitnehmer, dass es vier von zehn Bewerbern in Österreich mit der Wahrheit nicht so genau nehmen und in ihrem Lebenslauf frisieren, also beschönigende Angaben machen oder Informationen auslassen. Bei knapp 40 Prozent der Bewerber fällt das sogar auf, glauben Österreichs Arbeitnehmer. Dass Beschönigungen oder falsche Darstellungen in einem Lebenslauf gar nicht auffliegen, glauben nur 0,4 Prozent. Das ergab die Studie "Pre-Employment Screening 2021" des Unternehmensberaters Ernst & Young. Dafür wurden 541 österreichische Arbeitnehmer im Alter zwischen 18 und 65 Jahren in Unternehmen ab 50 Mitarbeitern online befragt.


Beschönigen von Fachkenntnissen für fast 80 Prozent nicht vertretbar
"Beschönigte Bewerbungen sind speziell wenn es um Fachkenntnisse geht, ein No-Go", weiß Oliver Suchocki, Leiter HR-Consulting bei EY. Rund 80 Prozent der Befragten erachten denn eine übertriebene Darstellung bzw. das Erfinden von Kompetenzen als nicht vertretbar.

Schönfärben von Aufgaben und Verantwortung: Geht für viele auch gar nicht
Die Beschönigung von Aufgaben und Verantwortungen im Lebenslauf empfinden knapp zwei Drittel (64,3 %) der Befragten als nicht vertretbar. Sollte beim Eintritts- und Austrittsmonat „nachgebessert“ oder dieses nicht angeführt werden, ist das hingegen für fast 60 Prozent durchaus vorstellbar. Uneinig sind sich Österreichs Arbeitnehmer bei der Frage, ob ein Arbeitsverhältnis, das nicht über die Probezeit hinausgeht, im Lebenslauf angegeben werden muss. Die Hälfte empfindet das als vertretbar, die andere nicht.

Lücken kaschieren, gilt nur in bestimmten Fällen als vertretbar
Für fast die Hälfte der Befragten ist es vertretbar, wenn Lücken, die aufgrund von Pflegetätigkeiten nahestehender Personen (47,5 %) oder Kinderbetreuung (43,1 %) entstanden sind, kaschiert werden. Mehr als ein Drittel findet es jeweils gar nicht nötig, Lücken aus diesen Gründen zu vertuschen und plädiert für vollkommene Transparenz. Auch bei einer längeren Krankheit, die einen selbst betrifft, ist es aus Sicht von mehr als der Hälfte der befragten Arbeitnehmer (54,1 %) vertretbar, die Lücken im Lebenslauf zu kaschieren. Fehlzeiten oder Lücken im Lebenslauf wegen ausgedehnter Reisetätigkeiten (46,9 %) oder Arbeitslosigkeit (47,5 %) zu verheimlichen sieht hingegen jeweils rund jeder Zweite als nicht vertretbar an.


Falsche Angaben können massive negative Folgen haben

„Gerade bei der Besetzung von Führungspositionen können falsche Angaben im Lebenslauf sowohl für Bewerber als auch für den Arbeitgeber massiv negative Folgen haben", weiß Andreas Frohner, Leiter Forensic & Integrity Services bei EY Österreich. Daher sei es für Unternehmen unerlässlich, sich bereits im Bewerbungsverfahren intensiv mit den Kandidaten auseinanderzusetzen und Angaben zu überprüfen. "Das ist explizit keine Frage des Misstrauens, sondern ein Appell zu Sorgfalt und Risikoreduzierung“.

Vertrauenskultur wichtig für Zusammenarbeit
„Die vielfältigen Herausforderungen am Arbeitsmarkt lassen sich nur mit einer starken gegenseitigen Vertrauenskultur zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer bzw. Bewerber erfolgreich bewältigen. Arbeitnehmer sollten sich von dem Druck lösen, einen perfekten, durchgehend stringenten Lebenslauf vorlegen zu müssen. Lebensentwürfe und auch Berufslaufbahnen werden vielfältiger und Recruiter wissen das auch. Mit Ehrlichkeit und dem Mut zur Lücke fahren Bewerber in jedem Fall besser als mit Lebenslauf-Kosmetik. Sollte der Arbeitgeber später die Wahrheit erfahren, dann wird je nachdem, welche Angaben falsch waren, möglicherweise eine Kündigung, Entlassung oder sogar eine Anzeige die Konsequenz sein“, kommentiert Oliver Suchocki, Leiter HR-Consulting bei EY, die Ergebnisse.

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