Gerüstet für die Digitalisierung

Gerüstet für die Digitalisierung

Michael Strebl, Geschäftsführer Wien Energie, und Gabriela Herrele, Abteilungsvorständin Informationstechnologie sowie Fachschule für Informationstechnik, zu Besuch bei der HTL Rennweg mit dem Junior-Company-Team JuSec.

Serie "Schule macht Wirtschaft". Hacker sind chancenlos, wenn die Jungunternehmer von JuSec das Schulnetzwerk sichern. Sie beweisen dabei nicht nur technische Expertise, sondern auch wirtschaftliche Kompetenz.

Was passiert, wenn plötzlich das gesamte Netzwerk einer Schule ausfällt? Wenn sensible Daten von Schülern verloren gehen oder Schüler selbst Passwörter ihrer Lehrer abfangen, um an Tests und Schularbeiten zu kommen? „Die Schulen sind auf ihre IT-Struktur angewiesen, und Bedrohungspotenziale wie diese nehmen zu“, weiß Philipp von der Thannen. Er ist Geschäftsführer der Junior Company JuSec, die er gemeinsam mit anderen Schülern der HTL Rennweg gegründet hat. Das Ziel der jungen Unternehmer ist klar: Sie wollen die IT-Sicherheit an den Schulen verbessern. Und dabei neben ihren technischen Fähigkeiten auch ihre wirtschaftlichen Kompetenzen unter Beweis stellen.

Wie leicht Angreifer in ein Netzwerk eingreifen können, haben die Schüler bei ihren Roadshows – zum Beispiel an der University of Education Upper Austria – eindrucksvoll vorgeführt. Und sie ernteten dabei nicht nur erstaunte, sondern teilweise sogar auch ängstliche Gesichter. Grund dafür war der sogenannte Rubberducky: ein kleines Gerät, das von außen wie ein gewöhnlicher USB-Stick aussieht. Wird er an den Computer angesteckt, überträgt sich Schadsoftware auf den Rechner. „Danach hatten wir volle Kontrolle über die Maschine und zeigten diverse Möglichkeiten, die Nutzer auszuspionieren und sensible Daten zu manipulieren. Der Angriff an sich dauerte nur fünf Sekunden – und schon hatten wir die volle Kontrolle über die Maschine“, so Philipp von der Thannen.

Damit Schreckensszenarien wie diese nicht eintreten, bietet JuSec IT-Workshops, evaluiert Schulnetzwerke und gibt Empfehlungen für sichere EDV-Systeme ab.

Dass die Maturanten mit ihrem Thema am richtigen Weg sind, bestätigt Michael Strebl, Geschäftsführer bei Wien Energie: „Wenn bei uns Kraftwerke aufgrund von IT-Angriffen heruntergefahren werden müssten, würde das einen Millionenschaden verursachen. Daher nutzen wir nicht das Internet, sondern haben ein eigenes Netz.“

Wien Energie engagiert sich als Partnerunternehmen von „Schule macht Wirtschaft“, weil die Schüler damit laut Strebl einen wichtigen Einblick ins Unternehmertum bekommen. „Was muss man für die Selbstständigkeit alles mitbringen?“, wollten die Schüler vom Geschäftsführer wissen. „Einen Masterplan für das Unternehmertum gibt es leider nicht“, so Strebl. Eine gute Idee sei jedoch eine Grundvoraussetzung, um erfolgreich zu starten. „Vor allem für Techniker sind auch die Social Skills entscheidend: Projektmanagement, die richtige Kommunikation mit den Stakeholdern und die Frage, wie ich mich als Team gut organisiere“, sagt Strebl.

Eine grundsätzliche Frage sollte sich laut dem Manager jedoch jeder stellen – unabhängig davon, ob sich die Maturanten künftig selbstständig machen oder in ein Unternehmen einsteigen: „Wir stehen vor einem große Digitalisierungsschritt. Daher sollte sich bei der Berufswahl jeder fragen: Was kann ich als Mensch besser als eine Maschine?“


Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Oberösterreich Angelika Sery-Froschauer (M.), mit den Lehrkräften und dem Direktor der Modeschule Ebensee Eva Huemer (l.), Herbert Mittendorfer und Manfred Birgel (r.) sowie dem Team von Clockwork und Schnopsidee

Gesunde Konkurrenzsituation


An der Modeschule Ebensee haben die Junior Companies Clockwork und Schnopsidee einander angespornt.

Clockwork und Schnopsidee, die JCs der Modeschule Ebensee, veranstalteten gemeinsam die Eröffnungsfeier des oberösterreichischen Landeswettbewerbs. Schnopsidee-Betreuungslehrer Manfred Birgel: „Es gab eine leichte, aber gesunde Konkurrenzsituation. Die Teams haben sich gegenseitig angespornt.“

Schnopsidee ließ Flachmänner gravieren und verkaufte rund 300 Stück. Nervenkitzel gab es vor der Eröffnungsfeier: Erst eine halbe Stunde vor Beginn wurden die Flachmänner geliefert. Aus Birgels Sicht haben die Schülerinnen viel über Organisation, Problemlösung und Kalkulation gelernt. Um die Reichweite zu vergrößern, wurden via Social Media Flachmänner verlost.

Clockwork macht Uhren aus Gegenständen wie Büchern und Schallplatten. Bald stellte man aber fest, dass der Produktionsaufwand höher war als gedacht. Doch solche Erfahrungen haben den größten Lerneffekt, etwa, wie wichtig Zuverlässigkeit, Ordnung und strukturiertes Arbeiten sind. Betreuungslehrerin Eva Huemer: „Sie mussten lernen, sich aufeinander zu verlassen.“

Angelika Sery-Froschauer, Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Oberösterreich, war von den Teams angetan: „Die Mädchen und Burschen haben nicht nur auf wirtschaftlicher Ebene viel gelernt, sondern vor allem ihre persönlichen und sozialen Kompetenzen weiterentwickelt. Das konnte man bei der gelungenen Präsentation sehen, hören und spüren. Alle waren mit vollem Eifer bei der Sache und haben gezeigt, was Unternehmergeist bedeutet.“ Das Junior-Projekt eröffne den Jugendlichen die einmalige Chance, „ein Unternehmen zu gründen und Unternehmerluft zu schnuppern – und das quasi ohne Risiko“.


Zu Besuch bei der NMS Weissenbach war Sonja Zwazl, Präsidentin der Wirtschaftskammer Niederösterreich.

Kein Saftladen


Die Basic Junior Company Triastingtola Saftlmocha der NMS Weissenbach holte den Preis für Sustainable Business nach Niederösterreich.

Die Apfelbäume in der Nähe waren für die Basic Junior Company Triastingtola Saftlmocha Bezugsquellen für ihren Apfelstrudelsirup „Almuth“. Regionalität hatte auch beim Waldbeersirup „Waldemar“ Priorität. Nur beim Ingwer-Zitrone-Sirup „Ignaz“ griff man auf importierte Zutaten zurück.

Zur Produktion trafen sich die Schüler in der Schulküche, verkauft wurden die Sirupe bei Schulfesten, Weihnachtsmärkten und im Ort. „Wir haben Teamgeist gelernt, das war ziemlich cool“, erzählt Anna Fendler, stellvertretende Geschäftsführerin und zuständig für Finanzen. Sie nimmt aus dieser Erfahrung mit, „dass man sich was trauen muss, zum Beispiel die Leute am Standl anzusprechen“.

Dennoch kann sie sich nicht vorstellen, ein Unternehmen zu gründen: „Ich hab die Organisation und die Einteilung ziemlich stressig gefunden.“ Für Joseph Partl, zuständig für Marketing, war das Highlight die Handelsmesse in Wien, wo die Triastingtola Saftlmocha den Preis für Sustainable Business gewonnen haben. Er hat gelernt, „dass man sehr viel Englisch braucht im Berufsleben“.

Sonja Zwazl, Präsidentin der Wirtschaftskammer Niederösterreich, war vom Eifer des Teams begeistert und davon, dass es den Preis für Sustainable Business nach Niederösterreich geholt hat: „Dazu gratuliere ich herzlich. Dieser Erfolg zeigt einmal mehr, welch großer Unternehmergeist in unserer Jugend steckt.“ Die Initiative „Junior Company“ bringe diesen zum Vorschein, ermögliche erste praktische Erfahrungen mit unternehmerischem Denken und Wirken und mache Lust aufs Unternehmertum.


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