Gender Gap: "Strukturen müssen sich ändern"

Elke Holst, Forschungsdirektorin Gender Studies im Vorstandsbereich des DIW Berlin

Elke Holst, Forschungsdirektorin Gender Studies im Vorstandsbereich des DIW Berlin

Elke Holst, Forschungsdirektorin Gender Studies im Vorstandsbereich des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, fordert, dass geschlechterstereotype Denkmuster und Strukturen aufgebrochen werden müssen, um die Benachteiligung von Frauen im Berufsleben auszumerzen.

trend: Der Anteil von Frauen in Führungspositionen ist deutlich geringer als der der Männer. Haben sich die Chancen der Frauen, eine Führungsposition zu besetzen, gegenüber der Vergangenheit verbessert?
Elke Holst: Wir haben am DIW dazu eben eine neue Studie erstellt. Im Beobachtungszeitraum von 2001 bis 2014 haben sich die Chancen der Frauen im Vergleich zum Ausgangsjahr zumindest nicht statistisch signifikant verbessert. Bei den Männern waren sie, außer in den letzten beiden Jahren, stets besser als im Ausgangsjahr.

trend: In welchen Branchen ist das Missverhältnis am größten?
Holst: Der Gender Leadership Gap, also die Differenz zwischen dem Anteil von Frauen an allen abhängig Beschäftigten und dem Anteil von Frauen in hohen Führungspositionen, ist besonders hoch in der Finanzbranche und der im Bericht unter Öffentliche Verwaltung zusammengefassten Bereiche.

trend: Wodurch sticht dabei die Finanzbranche hervor?
Holst: In der Finanzbranche insgesamt sind die Chancen auf eine hohe Führungsposition besonders gut. Dieser Vorteil kommt aber vor allem Männern zugute. Das trifft für die unter dem Begriff Öffentliche Verwaltung zusammengefassten Bereiche weniger zu, wie unsere Schätzungen zeigen.

trend: Wie sieht es in den anderen Branchen aus?
Holst: Frauen haben in nahezu allen Branchen eine geringere Wahrscheinlichkeit in einer hohen Führungsposition zu sein. Am größten ist die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern aber in der Finanzbranche.


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trend: In welchen Branchen besteht die größte Wahrscheinlichkeit, dass Frauen hohe Führungspositionen besetzen?
Holst: Das ist im Bereich Handel, Verkehr und Lagerei der Fall. Männer haben hier allerdings immer noch eine höhere Wahrscheinlichkeit, eine Führungsposition zu besetzen, und die ist fast so hoch wie in der Finanzbranche.

trend: Welche Rolle spielt die Einschränkung der zeitlichen Verfügbarkeit durch Kinder und Familie?
Holst: Vollzeitarbeit spielt noch immer eine zentrale Rolle für den Aufstieg. Von hohen Führungskräften wird erwartet, dass sie sich ganz für den Betrieb einsetzen und Präsenz zeigen, sowie regional mobil sind. Besteht die Möglichkeit in Vollzeit zu arbeiten, tritt die Rolle von Kindern und Familie als Hemmnis für eine Karriere in den Hintergrund.

trend: Haben es auch die Frauen, die Vollzeit arbeiten können, schwerer eine Führungsposition einzunehmen?
Holst: Ja, das haben wir in weiteren Untersuchungen festgestellt. Auch unter den Vollzeitbeschäftigten ist unter Kontrolle der für den Aufstieg wichtigen Faktoren die Wahrscheinlichkeit von Frauen auf eine hohe Führungsposition im Vergleich zu Männern ähnlich gering wie in unserer Untersuchung dargestellt.

trend: Wie könnten die Karrierehemmnisse für Frauen abgebaut werden?
Holst: Immer wichtiger wird, dass sich geschlechterstereotype Denkmuster und Strukturen
ändern und auch blinde Flecken der Benachteiligung von Frauen aufgearbeitet werden. Das betrifft bestehende staatliche Regelungen genauso wie Regelungen und Praktiken in Unternehmen und anderen Organisationen. Auf diese Weise kann einer ständigen Reproduktion der Chancenungleichheit von Frauen und Männern entgegengewirkt werden.

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