Gedränge am Siegespodest

Das große Finale der trend-Aktion "SCHULE MACHT WIRTSCHAFT" fand zum ersten Mal via Internet statt. Und bringt ein Ergebnis, mit dem niemand gerechnet hat.

Gedränge am Siegespodest

Nicht ein, sondern gleich zwei Teams waren im Finale punktgleich und landeten als Sieger somit auf dem obersten Stockerplatz.

Das hat es in den vergangenen 25 Jahren noch nicht gegeben. Mit gleich zwei Premieren ist das Finale des Junior-Company-Programms, bei dem 15- bis 19-jährige Schülerinnen und Schüler ihr eigenes, real wirtschaftendes Unternehmen gründen und führen, Mitte Juni über die Bühne gegangen. Zum ersten Mal wurde die beste Junior Company des Landes aufgrund der Corona-Pandemie online über einen Livestream verkündet. Die wirklich große Überraschung verbirgt sich jedoch hinter der zweiten Premiere: Erstmals hat die Jury gleich zwei Teams auf das Siegerpodest gewählt - und das mit der exakt gleichen Punkteanzahl: das Team von Fragaria aus der Steiermark und die Wiener Gründerinnen und Gründer von Embracelet.


PLATZ EINS

FRAGERIA

Starke Message mit Online-Expertise

"Wir haben ein Produkt mit einer Message, die dem Zeitgeist entspricht." Das ist laut Agnes Swaton, Geschäftsführerin der Junior Company Fragaria, ein wesentliches Erfolgselement, das den Schülerinnen des Akademischen Gymnasiums in Graz zum Sieg verholfen hat.

Ihr Produkt sind handgemachte, auf Menstruationsprodukte spezialisierte Alltagstaschen. Auch für die Jury entscheidend ist aber der Mehrwert, den das Team mit ihrem Produkt liefert.

"Fragaria zeichnet sich durch ihre sehr starke Message aus. Sie haben sich auf die Fahne geschrieben, das Tabuthema Menstruation zu brechen, und sprechen vor allem die junge Generation an. Dafür haben sie eine Social- Media-Kampagne auf TikTok und einen Facebook-Auftritt ins Leben gerufen, was bei unseren Kollegen super ankam", meint dazu Lukas Herrmanns, Chief Executive Officer bei Marsh, einem globalen Anbieter von Beratungsleistungen in den Bereichen Risiko, Strategie und Humankapital.

Nicht verwunderlich daher, dass Fragaria aufgrund des engagierten Social-Media-Auftritts auch noch den Online- Marketing-Award verliehen bekommen hat.


PLATZ EINS

EMBRACELET

Mehr als ein einfaches Armband

Es ist weit mehr als ein Armband, das die Junior Company Embracelet vom Wiener Billrothgymnasium hier auf den Markt gebracht hat. Denn mit der Wahl des Armbandes entscheidet der Käufer, an welche Organisation er die Hälfte des Gewinns spenden will.

Aber nicht nur das karitative Engagement, auch der Teamgeist hat die Jury überzeugt. "Wir wollten bei unserem Präsentationsvideo vor allem zeigen, dass wir ein Team sind. Daher hat jeder von uns einen Satz im Video gesprochen, das ist sicher gut angekommen", meint Tobias Lahner, Verkaufsleiter des Gewinnerteams Embracelet. "Die Unternehmerinnen und Unternehmer hinter Embracelet konnten sowohl durch ihr ausgereiftes Produkt mit einer klaren Message als auch ihre unternehmerischen Fähigkeiten punkten", bestätigt auch Georg Houska, Managing Director und Corporate Citizenship Lead beim Unternehmens- und Strategieberater Accenture Österreich.

Die Challenge geht für das junge Team sogar noch weiter. Mit ihrem Sieg hat sich Embracelet für den Europawettbewerb der 40 besten Junior Companys im Juli qualifiziert.

Während die Siegerteams von ihrem Erfolg und dem Ergebnis sehr erstaunt waren - die Reaktionen reichen von "wir sind geflasht" bis zu "wir sind völlig baff" -, sieht Jürgen Roth, Vizepräsident der Wirtschaftskammer Österreich, darin ein positives Zeichen. "Die Qualität der Junior Companys steigt von Jahr zu Jahr. Vor allem im Bereich Marketing ergreifen die Jugendlichen die vielen Chancen, die sich durch digitale und soziale Medien erschließen. Deswegen wundert es mich nicht, dass wir dieses Jahr gleich zwei Gewinner feiern konnten", sagt Roth.

Der Start des Junior-Company-Programms zu Beginn des Schuljahrs verlief in seinem 25. Jubiläumsjahr noch wie gewohnt. Über 4.500 Schülerinnen und Schüler in ganz Österreich beteiligten sich daran und gründeten dabei mehr als 400 Unternehmen. Acht von ihnen, die Sieger der jeweiligen Bundesländer, stellten sich im Bundesfinale einer Expertenjury im Online-Interview. Dabei mussten die jungen Entrepreneure nicht nur mit ihrem Geschäftsbericht, sondern auch mit einer Videopräsentation überzeugen.

Weder Fragaria noch Embracelet haben hier etwas dem Zufall überlassen. "Wir haben das Jury-Interview per Zoom-Call untereinander geübt, unsere Lehrerin hat dabei die Jury gespielt", sagt Per Rabe, Marketingleiter von Embracelet. Das Team von Fragaria hat sich gleich zwei Absolventen des Junior-Company-Programms geschnappt und sich von diesen coachen lassen. "Am Pitch-Video haben wir mehrere Tage gefeilt", sagt Fragaria-Geschäftsführerin Agnes Swaton.

"Bei den beiden Siegern merkt man, dass Themen wie Nachhaltigkeit, Re-bzw. Upcycling, Umweltschutz und auch die Verfolgung von karitativen Zwecken im Vordergrund stehen; die beiden Unternehmen setzen wirklich wichtige Statements", erklärt Notarsubstitutin Andrea Bayer, die für die Österreichische Notariatskammer Mitglied der Jury im Bundeswettbewerb war.


"Die Jugendlichen begeistern vor allem mit ihrer tollen Umsetzung und Professionalität, womit sie auf Augenhöhe mit erfahrenen Unternehmerinnen und Unternehmern mithalten können."

Jürgen Roth
WKÖ

Beide Junior Companys überlegen angesichts ihres Erfolgs, ob und wie sie ihr Unternehmen weiter betreiben können. Während Fragaria gerade dabei ist, ein volljähriges Mitglied in das Team zu integrieren, um auch offiziell ein Unternehmen gründen zu können, hat Embracelet bereits Großaufträge für Firmenkunden. Wie auch immer die Zukunft der einzelnen Junior Companys aussieht - fix ist, dass die Schülerinnen und Schüler von dieser Aktion profitiert haben.

"Was bei den Junior Companys immer zum Ausdruck gebracht wird, ist die Persönlichkeitsentwicklung der Jugendlichen. Natürlich gab es heuer auch innovative Geschäftsideen, allerdings begeistern die Jugendlichen vor allem mit ihrer tollen Umsetzung und Professionalität, womit sie auf Augenhöhe mit erfahrenen Unternehmerinnen und Unternehmern mithalten können", sagt Roth.

Unterstützt wird die Aktion auch vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung. Sektionschef Klemens Riegler-Picker, Leiter der Sektion Allgemeinbildung und Berufsbildung, erklärt dazu: "Die Aktion unterstützt und fördert den 'Entrepreneurial Spirit' der Jugendlichen, die im Rahmen des Unterrichts ein Unternehmen gründen und führen. Hier wird jedenfalls das Interesse an einer späteren Gründung geweckt und gleichzeitig das Rüstzeug, eine solche umzusetzen, mitgegeben."

Und was raten die erfolgreichen Gründer ihren Nachfolgern, die im kommenden Schuljahr ein Unternehmen starten?"Wichtig ist, dass jeder im Team hinter dem Produkt steht, dann gibt auch jeder 100 Prozent", sagt Rabe von Embracelet. Und Fragaria-Chefin Swaton ergänzt: "Es ist eine unglaubliche Erfahrung, und man lernt, wie man mit Rückschlägen umgeht und improvisiert. Ich kann es jedem nur empfehlen, hier teilzunehmen."

Das meint auch Christiane Holzinger von der Jungen Wirtschaft: "Es war ein tolles Jahr mit vielen innovativen, kreativen, sehr engagierten Junior Companys. Junge Menschen, die schon einmal ins Unternehmertum hineinschnuppern konnten, werden diese Erfahrung bei ihrer Berufsentscheidung am Radar haben. Das Projekt Junior Company gilt - auch international - als Best-Practice-Beispiel, denn es schafft das richtige Mindset."

Und Klimaschutzministerin Leonore Gewessler ergänzt: "Die Klimakrise ist die große Frage unserer Zeit, und der Klimaschutz braucht unseren vollen Einsatz. Wenn junge Menschen im Rahmen von ,Schule macht Wirtschaft' Erfahrungen sammeln und sich miteinander austauschen, dann bin ich zuversichtlich, dass wir auch diese Krise meistern."




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