Führung für drei Generationen

Führung für drei Generationen

Tamara J. Erickson

Tamara J. Erickson ist die weltweit führende Expertin für Generationenzusammenarbeit am Arbeitsplatz.

Anfangs habe ich mich auf die Produktivität im Bereich Forschung und Entwicklung konzentriert“, erzählt Tammy Erickson, über die Ausrichtung der Forschung in ihrem eigenen Unternehmen, in dem sie, die auch an der London Business School unterrichtet, gemeinsam mit namhaften Wirtschaftsdenkern und Führungskräften Antworten auf die Herausforderungen der Zukunft, sucht: „Ich wollte verstehen, weshalb gewisse Personen innovativer und engagierter sind als andere und warum nicht alle gleich viel Wert auf Zusammenarbeit legen.“

Mit der Zeit realisierte sie, dass es verschiedenste Sichtweisen auf die Arbeit gibt und Engagement von unterschiedlichsten Motiven angetrieben wird. Diese Beobachtung führte schließlich dazu, dass sie sich intensiv mit den Unterschieden zwischen den Generationen beschäftigte.

An English version of the article is available in the trend special issue accompanying the Global Peter Drucker Forum 2017.
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Als Gründerin und CEO von Tammy Erickson Associates hilft sie Unternehmen, ihre organisatorischen Praktiken neu zu gestalten. Sie geht heute davon aus, dass drei Generationen die Arbeitswelt der Zukunft dominieren werden: die Generationen X, Y und Z, Letztere nennt sie Re-Generation. „Die Ansichten und Bestrebungen jeder dieser Generationen hängen von Erfahrungen ab, die sie während ihrer wichtigsten prägenden Jahre gemacht haben, also im Alter zwischen elf und fünfzehn“, ist Erickson überzeugt.

Untersuchungen des Entwicklungspsychologen Jean Piaget zeigen, dass Kinder in den frühen Teenagerjahren damit beschäftigt sind, den Ereignissen und den Ideen, die sie in ihrer Umwelt vorfinden, einen Sinn abzuringen. Schlussfolgerungen, die sie aus diesen Erfahrungen ziehen, beeinflussen, was sie im weiteren Verlauf ihres Lebens wertschätzen, mit welchen Maßstäben sie Erfolg messen, wem sie vertrauen, welche Prioritäten sie in ihrem Leben setzen – und auch die Rolle, welche die Arbeit in ihrem Leben spielt. Um aus ihren Erfahrungen Sinn gewinnen zu können, bauen Heranwachsende kognitive Strukturen auf, mentale Landkarten. Weil in diesen prägenden Jahren jede Generation andere Ereignisse miterlebt, ist es logisch, dass jede Generation unterschiedliche Eindrücke der Welt gewinnt und deshalb bis zu einem gewissen Grad auch nach anderen Regeln funktioniert.

Organisationen werden derzeit von Mitgliedern der Generation X geleitet. „Die Annahme, dass man in erster Linie für sich selbst und nicht für eine Institution sorgen muss, ist tief in dieser Generation verankert“, sagt Erickson. Denn in den späten 70er- und in den frühen 80er-Jahren, also in der für diese Generation prägenden Zeit, haben sich die Beziehungen zwischen Institutionen und Individuen stark verändert. Selbstständig und allgemein misstrauisch gegenüber Institutionen, schätzen Mitglieder der Generation X daher Möglichkeiten und Alternativpläne.

Die Generation Y hat das Bedürfnis, jeden Tag bis zum Letzten auszukosten. Ihre Vertreter gehören zu den sogenannten Digital Natives. Sie haben großes Selbstbewusstsein, aber auch ausgeprägtes soziales Bewusstsein und sind sehr tolerant. „Ihre Vertreter sind sehr zielstrebig und messen dem Lernen einen hohen Stellenwert bei. Einkommen und der soziale Status haben in ihrem Leben keine Priorität. Wichtiger sind ihnen ihr soziales Umfeld, ihr Land und der Planet, auf dem sie leben – kurz: die Qualität des Lebens, für das sie sich entscheiden.“

Die „Re-Generation“ der nach 1995 Geborenen steht auf dem Boden der Tatsachen, kennt die Grenzen des Wachstums und hat mobile Technologien mit der Muttermilch aufgesogen. Eine Generation von Realisten und Pragmatikern. Wahrheit, Erhaltung, Ausgleich und Balance sind ihre Themen. Im Umgang mit Ressourcen üben sie sich in Zurückhaltung. Sie sparen, leihen, teilen und recyceln.

Damit diese drei Generationen gedeihlich zusammenarbeiten können, braucht es eine neue Form der Führung, die fähig ist, verschiedenste Ansichten willkommen zu heißen. Ihr Anforderungsprofil dafür sieht so aus: „Führungskräfte, die gute Fragen stellen, andere dazu inspirieren, neue ­Lösungen zu finden, Voraussetzungen schaffen, um Ideen zu teilen, und eine Umgebung, die Individuen anregt, ihr Bestes zu geben.“

Das Programm des Global Peter Drucker Forums 2017 (#GPDF17) zum Download

Werner H. Hoffmann (li.) und Alfred Taudes

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