Frauen im Aufsichtsrat: Wahrheit oder Pflicht?

Frauen im Aufsichtsrat: Wahrheit oder Pflicht?

Mit dem Jahreswechsel wird auch in Österreich die Frauenquote in Aufsichtsräten verpflichtend. Doch wie sinnvoll und notwendig ist eine solche Quote? Auf Einladung der Anwaltssozietät Wolf Theiss diskutierten Frauen- und Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner, Vienna Insurance Group CEO Elisabeth Stadler, Salzburger Aluminium AG CEO Karin Exner-Wöhrer und Wienerberger CEO Heimo Scheuch das Thema.

Frauenquote, ein bisschen aber doch nicht ganz. So in etwa könnte man die im Juni beschlossene gesetzliche Regelung für eine verpflichtende Frauenquote von 30 Prozent in Aufsichtsräten beschreiben. Schon bei etwas näherem Hinschauen zeigt sich nämlich, dass die Quote alles Andere als ein großer Schritt für die Gleichstellung der Frauen ist. So gilt sie etwa nur für börsennotierte Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern, mindestens sechs Kapitalvertretern und einem Frauenanteil von mehr als 20 Prozent in der gesamten Belegschaft.

Die Sanktion gegen die Erfüllung der Quote ist der sogenannte "leere Stuhl", das heißt die Wahl oder Entsendung ist nichtig, wenn sie gegen die Quote verstößt.

"Dass eine Frauenquote an die Größe des Unternehmens geknüpft ist, ist nachvollziehbar", erklärt dazu Rechtsanwältin Eva Fischer, Partner Wolf Theiss, Corporate. "Warum aber etwa ein Aufsichtsrat mit nur 5 Kapitalvertretern rein männlich besetzt sein darf und nicht der Quote unterliegen soll, erschließt sich mir nicht."

In ganz Österreich sind von der Regelung nur rund 150 Unternehmen betroffen, und auch bei denen besteht kein akuter Handlungsbedarf. Die verpflichtende Quote gilt nämlich nicht mit Stichtag 1. Jänner 2018, sondern ist erst bei Um- oder Neubesetzungen des Aufsichtsrats anzuwenden. Sie wird daher von den Unternehmen auch erst in den nächsten Jahren angewandt werden.

Quote ja oder nein?

Auf Einladung der Anwaltssozietät Wolf Theiss diskutierte Rendi-Wagner mit, Elisabeth Stadler, CEO der Vienna Insurance Group, Karin Exner-Wöhrer, Chefin der Salzburger Aluminium AG, und Wienerberger CEO Heimo Scheuch, ob die Quote tatsächlich Sinn macht.

Elisabeth Stadler, CEO der Vienna Insurance Group; Rechtsanwältin Eva Fischer (Partner Wolf Theiss); Frauenministerin Pamela Rendi-Wagner; Wienerberger CEO Heimo Scheuch und Karin Exner-Wöhrer, CEO Salzburger Aluminium AG.

Elisabeth Stadler, CEO der Vienna Insurance Group; Rechtsanwältin Eva Fischer (Partner Wolf Theiss); Frauenministerin Pamela Rendi-Wagner; Wienerberger CEO Heimo Scheuch und Karin Exner-Wöhrer, CEO Salzburger Aluminium AG.

"Mehr qualifizierte Frauen heißt weniger nicht qualifizierte Männer", erklärte die Ministerin eingangs kämpferisch und betonte die Bedeutung der Quote für das Frauen-Empowerment in Unternehmen: "Der Bund entsendet mit seiner selbst gesetzten Quote mittlerweile über 40 Prozent Frauen in Aufsichtsräte. In der Privatwirtschaft gibt es aktuell nur 18 Prozent Frauen in Aufsichtsräten. Mit einer Frauenquote von 30 Prozent werde ein Stück mehr Gerechtigkeit geschaffen und der Weg für Frauen an die Spitze freigemacht. Außerdem wirke eine Frauenquote für den Aufsichtsrat in den Unternehmen positiv nach unten.

Mit ihrer Einschätzung war Rendi-Wagner allerdings am Podium alleine auf weiter Flur. Die Vertreter der Wirtschaft deklarierten sich nämlich unisono als Gegner der Quote. Allerdings nicht, weil sie Frauen im Aufsichtsrat skeptisch sehen, sondern weil die vom Gesetzgeber vorgeschriebene Quote bei Wienerberger und bei der Vienna Insurance Group bereits übererfüllt ist und sie bei der Salzburger Aluminium aufgrund des hohen Männeranteils in der Belegschaft gar nicht erfüllt werden muss.

"Man soll nichts überregulieren", waren sich die CEOs einig. Winerberger-Chef Heimo Scheuch argumentierte, dass Wettbewerb und Talente auch im Aufsichtsrat wichtig seien. "Wir müssen von einer Sozialpartnerschaft zu einem Wettbewerb der Talente kommen", sagte er er und betonte, dass bei Wienerberger Männer und Frauen gleichermaßen gefördert würden: "Dafür brauchen wir keine vom Gesetzgeber auferlegten Forderungen. Das muss von innen kommen. Ich finde es abscheulich, wenn ein Aufsichtsrat ein reiner Männerclub ist. Wir brauchen Diversity, man darf sich ihr nicht verschließen. Jedes Unternehmen, das nicht auf Diversity setzt, wird früher oder später einen Wettbewerbsnachteil haben"

"Quote eine Frechheit"

Schärfer argumentierte die Salzburger Aluminium-Chefin Karin Exner-Wöhrer. "Man muss mit mir als Unternehmerin die Frauenquote nicht diskutieren. Bei uns werden Männer und Frauen gleichermaßen ernst genommen. Als Eigentümerin kann ich nicht für eine Quote sein", sagte sie. Um Frauen zu fördern müsse man außerdem an ganz anderen Stellen ansetzen als beim Aufsichtsrat. Der wäre ihre allerletzte Sorge. "Außerdem ist die Quote eine Frechheit. So wie die Regelung auf dem Papier steht gibt es viele Schlupflöcher."

"Die Politik soll nicht alles reglementieren", stimmte Vienna Insurance Group Chefin Elisabeth Stadler in die vorherrschende Meinung ein. Stattdessen sollten die Rahmenbedingungen verbessert werden, etwa bei der Kinderbetreuung, um den Frauen nach einer Geburt den schnellen Wiedereinstieg in das Berufsleben zu ermöglichen. Oder auch, um das Selbstbewusstsein von Frauen, die sich für einen Job bewerben zu stärken. "Eine Frau will wegen ihrer Kompetenz und ihren Fähigkeiten einen Job bekommen und nicht wegen ihres Geschlechts. Ich bin persönlich kein Fan von Quotenregelungen, allerdings erscheinen sie notwendig, da sich auf dem üblichen Weg zu viele Hürden und zu wenig Chancen für Frauen ergeben."

Einig waren sich die Diskutanten jedenfalls bei der Hoffnung, in fünf Jahren nicht mehr über die Gleichstellung von Frauen im Beruf und in Führungspositionen debattieren zu müssen und Ministerin Rendi-Wagner erklärte: "Ich bin die erste, die auch wieder für die Abschaffung der Quote ist, wenn sie erfüllt ist."

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