Finanzbranche bietet Frauen kaum Chancen auf Top-Jobs

Finanzbranche bietet Frauen kaum Chancen auf Top-Jobs

Frauen haben einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zufolge in der Finanzbranche besonders schlechte Chancen auf eine Führungsposition. Obwohl rund die Hälfte aller Beschäftigten weiblich ist liegt der Frauenanteil in den Top-Jobs bei nur 19 Prozent.

Keine guten Aussichten auf eine große Karriere gibt es für Frauen in der Finanzbranche. das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat in einer Studie herausgefunden, dass die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern im Finanzsektor am größten ist.

Obwohl es in der Finanzbranche vergleichsweise viele hohe Führungspositionen gibt, profitierten hiervon hauptsächlich Männer. Eine der größten Karrierehemmnisse für Frauen ist Forschungsdirektorin Elke Holst zufolge die Teilzeitarbeit. „Unternehmen präferieren nach wie vor Vollzeitkräfte in Führungspositionen“, so Holst und führt fort, „wenn flexible Arbeitszeitmodelle in der Rushhour des Lebens nicht als Karrierekiller enden sollen, ist ein Umdenken notwendig“.

Gender Leadership Gap

Für die Studie wurden hohe Führungskräfte entsprechend der Internationalen Standardklassifikation der Berufe untersucht. Holst und ihr Co-Autor Martin Friedrich berechneten zunächst den Gender Leadership Gap, also die Differenz zwischen dem Anteil der berufstätigen Frauen an den Gesamtbeschäftigten und an den hohen Führungspositionen, wie etwa GeschäftsleiterInnen, ProduktionsleiterInnen oder PersonalmanagerInnen.


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Deutschlandweit lag der Gap im Untersuchungszeitraum bei durchschnittlich 17 Prozent. Obwohl 48 Prozent der Beschäftigten Frauen waren, lag ihr Anteil an hohen Führungspositionen durchschnittlich nur bei 31 Prozent. Zwischen den verschiedenen Branchen variiert der Gap erheblich. Vergleichsweise niedrig lag er mit zehn Prozentpunkten in den Sektoren Information und Kommunikation, am höchsten war er mit 31 Prozent in der Finanzbranche und in den unter Öffentliche Verwaltung. In der Finanzbranche war rund die Hälfte aller Beschäftigten weiblich, der Frauenanteil in den hohen Führungspositionen lag bei 19 Prozent. In der Öffentlichen Verwaltung stellten Frauen mehr als zwei Drittel der Beschäftigten, aber nur etwas mehr als ein Drittel der hohen Führungskräfte.

Viele Chefs, fast nur Männer

Unter Berücksichtigung der für eine Karriere bedeutsamen Einflussfaktoren - wie etwa Bildung, Berufserfahrung und andere Größen – stellte sich heraus, dass Frauen in der Finanzbranche mit knapp vier Prozent eine nur mittelmäßige Wahrscheinlichkeit hatten, in einer hohen Führungsposition zu sein. Für die Männer war sie mit knapp zwölf Prozent dreimal so hoch.

Im Branchenvergleich sind damit im Finanzsektor die größten Nachteile von Frauen gegenüber Männern zu finden. Die höchste Wahrscheinlichkeit, eine hohe Führungsposition einzunehmen, hatten Frauen im Bereich Handel, Verkehr und Lagerei (6,4 Prozent). Keine statistisch signifikanten Nachteile gegenüber Männern fanden sich im Baugewerbe und in der Branche Information und Kommunikation.

Untersucht wurden die Einflüsse ausgewählter Merkmale auf die Chance von Frauen, hohe Führungspositionen zu erreichen. Auf einen ersten Blick scheinen Kinder die Karrierechancen deutlich zu schmälern. Betrachtet man nur diese Größe, so ergibt sich ein negativer Zusammenhang: Frauen in hohen Führungspositionen hatten seltener Kinder als ihre männlichen Kollegen. Wird jedoch auch der Erwerbsumfang der Frauen hinzugenommen, tritt der Einfluss der Kinder in den Hintergrund und wird statistisch insignifikant „Es zeigt sich, dass vor allem die Vollzeiterwerbstätigkeit den Karrierechancen der Frauen hilft “, erläutert Holst.

Die Politik sollte deshalb weiter an der besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie arbeiten. Unternehmen sollten bestehende Praktiken und Organisationsprozesse überprüfen und Hemmnisse für den Aufstieg von Frauen in Führungspositionen überwinden. „Der geringe Anteil von Frauen in Führungspositionen ist eine der wichtigsten Ursachen für die Verdienstlücke zwischen Frauen und Männern. Mehr Frauen in hohen Führungspositionen, und damit auch mit hohen Einkommen, dürften zu einem Abschmelzen des Gender Pay Gap beitragen.“

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