Familienbetriebe: Wettbewerbsdruck und Arbeitskräftemangel

Familienbetriebe: Wettbewerbsdruck und Arbeitskräftemangel

Wie der Vater, so der Sohn? Der Nachwuchs hat leider oft andere Pläne.

Österreichs Familienunternehmen haben mit zahlreichen Problemen zu kämpfen. Vor allem die Suche nach qualifizierten Arbeitskräften und der zunehmende Konkurrenzdruck machen ihnen das Leben schwer. Dennoch sind die meisten für die Zukunft gut aufgestellt.

Was bewegt die österreichischen Familienunternehmen? Wie ist ihre aktuelle Lage? Welche Ziele haben sie und mit welchen Herausforderungen sind sie konfrontiert? Diesen und weiteren Fragen widmet sich die Beratungsgesellschaft KPMG im jährlichen Family Business Barometer.

Das soeben neu veröffentlichte Family Business Barometer 2016 stellt den heimischen Familienunternehmen tendenziell ein gutes Zeugnis aus. Diese bereiten sich professionell auf ihre Zukunft vor, konzentrieren sich auf solide Führungsstrukturen und arbeiten an der Konfliktvermeidung zwischen Familienmitgliedern. Zusehends öffnen sich Familienunternehmen außerdem externen Führungskräften und holen sie an Bord, um neues Wissen und Erfahrungen von Außenstehenden in den Betrieb einzubringen.

Zu den Problemen der Familienbetriebe zählen neben dem Klassiker, dass es der Gründergeneration schwer fällt, von ihr aufgebaute Unternehmen an einen Nachfolger zu übergeben und der nächsten Generation auch das Ruder völlig zu überlassen, vor allem auch der zunehmend harte Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter.

Wettbewerb am Arbeitsmarkt

Trotz der anhaltend hohen Arbeitslosigkeit im Land haben mehr als die Hälfte (57 Prozent) der heimischen Familienunternehmen Probleme, qualifizierte Arbeitskräfte zu finden. Das Problem hat sich in den vergangenen Jahren weiter verschärft. Vor drei Jahren war das Anwerben neuer Arbeitskräfte noch nicht einmal unter den Top-5-Herausforderungen der Betriebe zu finden.

Den Hauptgrund für die schwerer gewordene Suche nach Arbeitskräften sieht der Großteil der Unternehmer (86 Prozent), dass es aufgrund der angespannten Lage weniger qualifizierte Kräfte gibt. Jeder Dritte glaubt außerdem, dass der heimische Arbeitsmarkt an Attraktivität eingebüßt hat und Fachkräfte deswegen schwer zu finden sind. Als positiv geben die Familienunternehmen an, dass es ihnen zumindest relativ gut gelingt, die Fluktuation niedriger zu halten als andere Unternehmen

Das am zweitwichtigsten erachtete Problem der österreichischen Familienunternehmen ist der zunehmende Konkurrenzdruck. Mehr als ein Drittel der Betriebe beklagt außerdem die sinkende Rentabilität, die steigenden Lohnnebenkosten sowie die neue gesetzliche Vorschriften, wie zum Beispiel die Registrierkasse.

Wesentliche Herausforderungen der Familienunternehmen.

Wesentliche Herausforderungen der Familienunternehmen.

Erfolgsfaktoren

Erfolg kommt selten von alleine, dessen sind sich die österreichischen Familienbetriebe durchaus bewusst. Sie setzen daher auf ihre strukturellen und kulturellen Stärken: Langfristige Strategien, schnelle und flexible Entscheidungen und als besonders wichtigen Faktor auf die Mitarbeiter, deren Loyalität und Engagement.

Als wesentliche Hilfe und Unterstützung für den weiteren Erfolg würden sich knapp zwei Drittel der Unternehmer niedrigere Lohnnebenkosten wünschen. Weitere Punkte, die ihnen unter den Nägeln brennen, sind flexiblere Arbeitsmodelle und die Bürokratie im Land. Der Verwaltungsaufwand wird von 26 Prozent als zu hoch eingeschätzt.

Ein ganz wesentlicher Erfolgsfaktor für die Unternehmen ist die Steigerung der Rentabilität und des Umsatzes. Um das zu erreichen setzen die Betriebe einerseits auf die Erschließung neuer Märkte - jedes vierte Unternehmen will dieses Thema in den nächsten zwei Jahren angehen.

Veränderungen, die Chancen von Familienunternehmen verbessen würden.

Veränderungen, die Chancen von Familienunternehmen verbessen würden.

Investieren in die Zukunft

Als wichtiges Kriterium für den Erfolg sehen die heimischen Familienunternehmen Investitionen. Fast alle Unternehmen, nämlich 93 Prozent wollen im kommenden Jahr investieren. KMPG liest daraus einen gestiegenen Optimismus, denn 2014 hatten das nur 80 Prozent der Betriebe vor. Österreichs Familienunternehmen sind damit auch investitionsfreudiger als der Durchschnitt der europäischen Betriebe.

Prioritäten der Familienunternehmen in den nächsten zwei Jahren.

Prioritäten der Familienunternehmen in den nächsten zwei Jahren.

Die finanziellen Mittel fließen dabei in verschiedene Richtungen. Top-Priorität hat die Steigerung der eigenen Innovationskraft. Zu den Top vier Investitionsbereichen gehören Innovationen und Technologie sowie die Aus- und Weiterbildung.

Investitionspläne von Familienbetrieben

Investitionspläne von Familienbetrieben

Nachfolge und Übergabe

Eines der wichtigsten Themen ist für Familienunternehmen seit eh und je die Nachfolgeregelung. Das zeigt auch die Aufstellung der wichtigsten strategischen Entscheidungen der nächsten zwölf bis vierzehn Monate. 14 Prozent der Familienunternehmen sollen in dieser Zeit an einen Nachfolger außerhalb der Familie übergeben werden. Das sind etwas mehr als Unternehmen, die innerhalb der eigenen Familie an die nächste Generation übergeben werden sollen (zehn Prozent).

Unternehmen, die ein Wachstum anstreben, entwickeln zu diesem Zweck neue Führungsstrukturen, verbessern die Kommunikation zwischen den Generationen und bereiten ebenfalls Nachfolger vor. Dabei gibt es jedoch allenorts Probleme. Angespannte Familienverhältnisse und ein von der älteren Generation auferlegter Zwang zur Übernahme bereiten den jungen Familienmitgliedern Sorgen. Der älteren Generation fällt es wiederum oft schwer, das Steuer aus der Hand zu geben.

In der Praxis zeige sich, so KPMG, dass der Übergang in einer Familie oder extern sorgfältig geplant werden müsse. Grundsätzlich gelte, dass sich Unternehmen möglichst frühzeitig Gedanken über die Nachfolge machen sollten. Unter bestimmten Umständen sei auch die Anstellung einer externen Führungskraft zu überlegen, etwa wenn innerhalb der Familie keine Nachfolger bereit stünden. Auch wenn es für manche heimische Familienbetriebe vielleicht noch ungewohnt ist, externe Führungskräfte in den Betrieb zu holen ist das inzwischen längst Usus. 88 Prozent der Familienbetriebe hätten das bereits getan, weiß man bei KPMG, wobei die Familie aber zumeist immer noch ein gewisse Maß an Kontrolle über das Unternehmen und relevante Entscheidungen habe.

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