"Ich bin gegen Quoten in operativen Managementfunktionen"

Eva Dichand

Eva Dichand als Aufsichtsrätin? Sie werde bei Anfragen weiterhin absagen. Ein Netzwerk habe sie auch so, und die Bezahlung sei vergleichsweise schlecht.

Verlegerin Eva Dichand über ihre Rolle als frischgekürte Unirätin und den Aufsichtsratspool der neuen Regierung. Und warum sie gegen Frauenquoten in Unternehmen ist.

trend: Kam die Idee, Sie zur Unirätin der MedUni Wien zu machen, von Kanzler Sebastian Kurz?
Eva Dichand: Nein, die kam schon von der Vorgängerregierung Kern-Mitterlehner, und ich wurde dann quasi auf die Liste der neuen Regierung übernommen. Gesucht wurde wohl jemand, der öffentlichkeitswirksam ist und Bilanzen lesen kann.

trend: Ist es für Sie vereinbar, als Herausgeberin eines unabhängigen Mediums auf einem ÖVP-Ticket nominiert zu werden?

Eva Dichand: Die MedUni Wien ist ja kein Wirtschaftsunternehmen, sondern in erster Linie ein Forschungsbetrieb. Ich bin in den letzten zehn Jahren sicher zwanzig mal gefragt worden, ob ich in einen Aufsichtsrat gehe, der Großteil der Anfragen kam von privaten, börsennotierten Unternehmen. Aber ich habe immer abgesagt, und werde es weiterhin tun. Ein Netzwerk habe ich auch so, und die Bezahlung ist im Vergleich zum Ausland schlecht.

trend: Der Pool an verfügbaren Aufsichtsrätinnen scheint nicht größer geworden zu sein.
Eva Dichand: Der "Economist" hat, bezogen auf die internationale Situation, vom "OId Girl Network" geschrieben. Ich finde schon, dass genügend qualifizierte Frauen da sind, etwa in den Wirtschaftskanzleien und bei Beraterfirmen wie KPMG, Deloitte usw. Aber zweifelsohne werden die, die schon sichtbar sind, auch am öftesten gefragt.

trend: Macht die neue Regierung mehr neue Frauen sichtbar?
Eva Dichand: Sie bemüht sich jedenfalls. Nur dass die Generalsekretäre in den Ministerien bisher nur Männer sind, ist seltsam.

trend: Dass kompetente Frauen wie Gertrude Tumpel-Gugerell jetzt viele Aufsichtsratsfunktionen verlieren, stört Sie nicht?
Eva Dichand: Das ist in der Politik halt so. Wenn jemand sehr stark politisch besetzt ist, dann wird die Position bei neuer Regierungskonstellation halt umbesetzt. Ich halte ohnehin nichts von politisch besetzten Posten.

trend: Fördern Sie selbst in Ihrem Verlag Frauenkarrieren?
Eva Dichand: Ich habe noch nie in meinem Leben als Arbeitgeberin einen Job nach dem Kriterium Mann-Frau vergeben. Ich bin gegen Quoten in operativen Managementfunktionen. Im Bereich der Aufsichtsräte ist Quotendruck allerdings sinnvoll. Eine OMV oder ein Verbund, deren Kunden zu 50 Prozent Frauen sind, sollten Frauen auch in den Kontrollgremien entsprechend berücksichtigen. Gender sollte allerdings nur ein Kriterium von vielen sein, um ein möglichst diversifiziertes Board zu gewährleisten.

trend: Worauf werden Sie als neue Unirätin besonders achtgeben?
Eva Dichand: Ich werde mich natürlich für die zwei neuen Vorzeigeprojekte -das Zentrum für Präzisionsmedizin und den Vorklinik-Campus -einsetzen. Für sehr wichtig halte ich auch, den Bereich der Drittmittel, etwa private, nicht zweckgebundene Spenden, auszubauen. Weiters den Anliegen der MedUni mehr Gehör in der Öffentlichkeit und Politik zu geben. Und natürlich auf die Digitalisierung, die ja auch im medizinischen Bereich rasant voranschreitet.

Werner H. Hoffmann (li.) und Alfred Taudes

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