Equal Pay: Digitalisierung als Wegbereiter der Gleichberechtigung

Equal Pay: Digitalisierung als Wegbereiter der Gleichberechtigung
Equal Pay: Digitalisierung als Wegbereiter der Gleichberechtigung

Anlässlich des Weltfrauentags hat das Beratungsunternehmen Accenture in einer Studie die Gleichberechtigung am Arbeitsplatz untersucht. Österreich liegt demnach im globalen Vergleich im Mittelfeld. Einmal mehr zeigt sich, dass Digitale Skills den Zugang zu Bildung, Arbeitsplätzen und Karrieremöglichkeiten von Frauen verbessern.

Gender Equality, die Gleichberechtigung am Arbeitsplatz, ist eine der Grundprinzipien der Europäischen Union. Schon 1957 wurde im Vertrag von Rom das Prinzip des gleichen Lohns für gleiche Arbeit festgehalten. Anlässlich des Weltfrauentags am 8. März wird traditionell Bilanz gezogen, und diese ist nach wie vor ernüchternd. In sechs Jahrzehnten wurden zwar deutliche Fortschritte erzielt, von einer echten Gleichberechtigung kann jedoch in der EU noch lange keine Rede sein.

Diskrepanzen gibt es jedoch nicht nur bei der Entlohnung für gleichwertige Arbeit. Vor allem für Führungspositionen gilt nach wie vor, dass diese für Frauen unerreichbar sind. Top-Jobs mit Top Bezahlung sind tendenziell immer noch eine Männerdomäne. EU-weit den höchsten Anteil an Frauen in Führungsetagen gibt es einer am 7. März vom deutschen Statistischen Bundesamt veröffentlichten Analyse zufolge mit 44 Prozent in Lettland. Ungarn (40 Prozent), Polen und Litauen (jeweils 39 Prozent) haben demnach ebenfalls relativ hohe Quoten. Europas Schlusslicht ist Zypern, wo nur sieben Prozent der Führungspositionen weiblich besetzt sind. Der EU-Schnitt liegt bei 33 Prozent. Österreich liegt mit einem Anteil von 30 Prozent noch unter dem EU-Schnitt.

Frauen in Führungspositionen: Österreich liegt unter dem EU-Schnitt.

Der Gender-Gap am Arbeitsmarkt besteht nach wie vor, bestätigt auch die Europäische Kommission. Frauen sind immer noch in Niedriglohn-Sektoren überrepräsentiert und in Entscheidungspositionen unterrepräsentiert. Im Dezember 2015 hat die EU-Kommission das neue Strategiepaier "Strategic Engagement for Gender Equality 2016-2019" verfasst, das den Rahmen für die weitere Arbeit der Kommission zur Verbesserung der Gleichheit in der Union absteckt.

EU-Strategiepapier zur Gender Gap Reduktion. Zum Download klicken.

Download: EU-Strategiepapier zur Gender Gap Reduktion.

Die Gleichstellung von Frauen am Arbeitsplatz ist jedoch nicht nur von politischen Entscheidungen abhängig. Die nun wiederholt zum Weltfrauentag durchgeführte "Getting Equal" Studie des Beratungsunternehmens Accenture zeigt, dass die unaufhaltsam fortschreitende Digitalisierung ein entscheidender Wegbereiter zu einer tatsächlichen Gleichstellung der Frauen am Arbeitsmarkt ist. Das die Digitalisierung ein entscheidender Faktor ist, um nicht nur die alte Forderung "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit", sonder auch die wesentlich jüngere "Gleiche Chancen auf gleiche Jobs" Realität werden zu lassen.

Digitale Skills verbessern demnach den Zugang zu Bildung, Arbeitsplätzen und Karrieremöglichkeiten von Frauen. Laut dem von Accenture erstellten Berechnungsmodell könnte das Ziel der Gender Equality am Arbeitsplatz um ganze 25 Jahre früher erreicht werden, wenn Regierungen und Unternehmen die Geschwindigkeit verdoppeln, mit der Frauen digital kompetent werden. In entwickelten Ländern, also auch der Europäischen Union, wäre dieses Ziel demnach bis 2040 erreichbar (statt 2065). Für Entwicklungs- und Schwellenländer wäre Gender Equality bis 2055 möglich.

Digitalisierung als Motor der Gleichberechtigung am Arbeitsplatz.

Die digitalen Kompetenzen (in der Accenture-Studie als Digital Fluency bezeichnet), sind demnach ein entscheidender Faktor, um die Karriereaussichten von Frauen zu verbessern und die notwendigen Voraussetzungen für den beruflichen Aufstieg zu schaffen. Konkret versteht Accenture darunter, wie sehr jemand mit digitalen Technologien vertraut ist und diese in Beruf und Alltag nutzt, und wie die Digitalisierung neue berufliche Möglichkeiten für den Einzelnen eröffnet. Dazu gehören etwa flexiblere Arbeitszeitmodelle oder neue Berufsbilder, von denen vermehrt Frauen profitieren können, sowie E-Learning-Angebote, digitale Tools zur Zusammenarbeit mit Kollegen, soziale Medien oder die Nutzung von Smartphones und anderen digitalen Endgeräten.

„Auf dem beruflichen Weg nach oben gehen noch zu viele Frauen verloren, obwohl sie immer besser qualifiziert sind und die Chancen der Digitalisierung zu ihrem Vorteil zu nutzen wissen“, sagt Sandra Babylon, Financial Services Geschäftsführerin bei Accenture. „Die Unternehmen müssen mehr tun, um qualifizierten Frauen den beruflichen Aufstieg zu ermöglichen und dabei ihre digitalen Kompetenzen voll auszuspielen.“ Diese Fähigkeiten würden im Arbeitsalltag immer wichtiger und böten Frauen somit eine Möglichkeit, bei Karriere und Bezahlung zu ihren männlichen Kollegen aufzuschließen.

Digitale Kompetenzen: Österreich im Mittelfeld

Im internationalen Vergleich gibt es in Österreich der Accenture-Studie zufolge noch erheblichen Aufholbedarf bei den digitalen Kompetenzen von Frauen. Mit einem Score von 41 liegt Österreich unter den 31 untersuchten Staaten an 14. Stelle, noch hinter den Arabischen Emiraten, Singapur und Argentinien. Am besten bestellt ist es um die digitalen Kompetenzen der Frauen der Studie zufolge in den USA, den Niederlanden und in Australien.

Accenture-Report "Getting Equal". Zum Download klicken.

Download: Accenture-Report "Getting Equal".

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