Mitarbeiter geben schlechte Noten für Vergütungssyteme

Mitarbeiter geben schlechte Noten für Vergütungssyteme

Nach einer Umfrage von Bersin by Deloitte werden die Vergütungsangebote der Unternehmen den Ansprüchen ihrer Mitarbeiter nicht gerecht. In Zeiten von Fachkräftemangel kann dies für Unternehmen zum Bumerang werden, gelten attraktive Leistungspakete als wichtiges Alleinstellungsmerkmal.

Wien. Das Jahresende ist auch eine Zeit der Besinnung und Bilanz zu ziehen, was die Vergütung samt Boni und Gehaltserhöhung anbetrifft. Und viel mehr: Was wurde von den Versprechen des Arbeitgebers bei der Einstellung eingehalten, was die Vergütung anbetrifft und wie weit sind die Versprechungen eingehalten worden. Und: Würden Mitarbeiter unter den aktuellen Bedingungen den Arbeitgeber weiter empfehlen?

Das Ergebnis einer Umfrage von Bersin by Deloitte ist mehr als ernüchternd. „In Hinblick auf den Entwicklungsgrad ihrer Vergütungssysteme haben es lediglich 4 Prozent der Unternehmen auf die höchste Stufe der Bewertungsskala geschafft", sagt Georg Jurceka, Senior Manager bei Deloitte Österreich. Nur diese kleine Gruppe würde demnach über "eine klar formulierte Vergütungsphilosophie als Marke nach außen" verfügen. Meistens würden die auf unterschiedliche Zielgruppen zugeschnittenen Vergütungssysteme fehlen. Die Beurteilung seitens de Mitarbeiter ist wenig schmeichelnd. Denn der Großteil der Mitarbeiter würde daher ihre Arbeitgeber nicht auf Basis der Vergütungsangebote weiterempfehlen.

Die Umfrage „High-Impact Total Rewards“ von Bersin by Deloitte wurde in weltweit knapp 1.200 Unternehmen durchgeführt, davon 39 % in Europa. Dabei wurden die Vergütungssysteme miteinander verglichen.

Abgrenzung von der Konkurrenz

In Zeiten des Wettbewerbs um die besten Köpfe, der gerade in Zeiten von Fachkräftemangel umso bedeutender ist, könnte dies den Unternehmen auf den Kopf fallen. "Attraktive Arbeitgeber unterscheiden sich mit ihren Vergütungspaketen bewusst von der Konkurrenz", analysiert Deloitte Manager Jurceka. „Dabei profitieren nicht nur Mitarbeiter von einem attraktiven Entlohnungsmix. Auch Arbeitgeber sind mit zufriedenen Arbeitnehmern langfristig erfolgreicher.“

Erfolgreiche Unternehmen würden demnach etwa zwölf Mal häufiger auf maßgeschneiderte, unternehmensspezifische Vergütungsangebote setzen als weniger erfolgreiche.

Die drei Kernpunkte

Die Bedürfnisse der Mitarbeiter sind der wichtigste Ansatzpunkt für die maßgeschneiderten Vergütungspakete. „Um individuelle Vergütungspakete zu schnüren, muss man die Bedürfnisse der Mitarbeiter kennen. Viele Unternehmen haben gerade da noch Aufholbedarf“, betont Jurceka.

Eine besondere Rolle spielen dabei Lebensphasen, Bedürfnisse und Vorlieben der wichtigsten Mitarbeitergruppen. Diese drei Parameter bilden zusammen mit betriebswirtschaftlichen Anforderungen die Grundlage für ein modernes Vergütungsmanagement. Laut Deloitte-Studie sind jene Unternehmen erfolgreicher, die ihre Mitarbeiter als Kunden betrachten und das Vergütungsangebot im Sinne einer „Customer Experience“ gestalten.

Der ganzheitliche Ansatz

Um Vergütungspakete nachhaltig zu optimieren, muss das Thema ganzheitlich angegangen werden. „Werden Mitarbeiter danach befragt, ob die Gehaltshöhe das einzige Motiv für ihren letzten Jobwechsel war, ist die überwiegende Antwort nein. Arbeitsinhalte, Karriereperspektiven sowie flexible Arbeitszeiten spielten jedoch eine wichtigere Rolle. "Genau diese Punkte werden bei einem ganzheitlichen Vergütungsansatz berücksichtigt“, so Jurceka.

Dafür ist die Verknüpfung mit anderen Unternehmensbereichen – wie etwa Prozessen aus dem Personalmanagement – für die Unternehmen doch bedeutend. Immerhin mehr als die Hälfte der Unternehmen (51%) beziehen bereits erweiterte Personalentwicklungsaspekte wie Lernen, Entwicklung und Karrierepfade in ihre Vergütungsstrategie mit ein. Mehr als ein Drittel (37%) inkludiert außerdem emotionales und finanzielles Wohlbefinden sowie sinnstiftende Aspekte.

Die Besten

Die Verknüpfung der Themen Vergütung und Corporate Social Responsibility (CSR) ist keine Illusion oder gar nur blanke Theorie. In den erfolgreichsten Unternehmen kommt die optimale Verknüpfung fast sechs Mal häufiger vor als in den weniger erfolgreichen. Und eines sei laut Deloitte-Experte Jurceka gewiss: "Mitarbeiter wünschen sich mehr als rein materielle und finanzielle Vergütungsformen."

Kommentar
Christoph Kopp, Principal und Big Data-Experte bei Horváth & Partners

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