Alois Czipin über Family & Business: Den Preis zahlen

Alois Czipin, Consulter mit Schwerpunkt Produktivität, teilt in der trend-Serie "BusinessCLASS" seine Erfahrungen. Aktuell: Die Vereinbarkeit von Karriere und Familie am eigenen Beispiel: Es ist leider für alles ein Preis zu zahlen - manchmal ein hoher.

Alois Czipin

Alois Czipin

Der April 1975 wird mir ewig in Erinnerung bleiben. Nach einem wilden Skiurlaub mit meiner Freundin und einigen Burschen meines Alters in Kitzbühel überrascht sie mich nach acht Wochen mit der Nachricht: "Ich bin schwanger!"

Ich wusste gar nicht, wie mir geschieht mit meinen knapp 19 Jahren. Ich war im zweiten Semester meines Wirtschaftsstudiums und lebte nach wie vor bei meinen Eltern. Aber es gab für mich gar nicht viel zu überlegen: Meine Freundin ist ohnehin die Frau, mit der ich mein Leben verbringen will, von zuhause weg will ich auch, und möglichst schnell selbstständig werden ist die Vision, die in mir schlummert und ganz plötzlich zum Leben erwacht.

Meine Freundin ist sich zunächst nicht so sicher, ob sie ihr Leben mit mir verbringen will. Nach einigen alkoholischen Eskapaden will sie sich eigentlich von mir trennen. Es erfordert schon einige Überredungskünste meinerseits, um hier die Zustimmung zu einem zukünftigen Familienleben zu bekommen. Und mir ist von diesem Zeitpunkt klar, dass ich große Verantwortung übernommen habe.

Kind und Karriere

Am 10.11.1975 ist es soweit: Meine Tochter kommt zur Welt. Ich bin ein richtig stolzer junger Vater. Ich verbringe neben meinem Studium sehr viel Zeit mit meiner jungen Familie. Ich spiele viel mit ihr, helfe ihr, gehen zu lernen, lese jeden Abend Geschichten vor, ich sehe also meine Tochter Heidi aufwachsen.

1976 heiraten wir, und im Oktober 1978 schließe ich mein Studium nach acht Semestern ab und beginne meine Karriere als Unternehmensberater. Plötzlich bekommt mein Leben einen ganz neuen Rhythmus: Sonntagnachmittag geht es ab Richtung Flughafen, und erst am Freitag Abend kehre ich nach Hause zurück. Das hat natürlich große Auswirkungen auf unser Familienleben, denn es reduziert sich auf das Wochenende. Es kommt noch schlimmer: Bereits im Jänner 1979 werde ich für sechs Monate auf Projekte in die USA und nach Mexiko geschickt. In dieser Zeit bin ich nur wenige Tag zu Hause, und das Familienleben kommt bis auf intensiven Briefverkehr völlig zum Erliegen.


,Papa, spielst Du mit uns?' - ,Es tut mir leid, ich muss noch arbeiten.'

Ich selbst erlebe diese "Trennung" mit gemischten Gefühlen: Einerseits bin ich fasziniert von der "Neuen Welt", andererseits fehlt mir meine Familie natürlich sehr. Wie meine Tochter diese Trennung verkraftet, darüber verliere ich keinen Gedanken: Denn jedes Mal, wenn ich nach Hause komme, fällt sie mir glücklich in die Arme. Nach einem halben Jahr arbeite ich wieder in Europa und bin somit zumindest jedes Wochenende bei der Familie. Bald darauf kommen unser Sohn und 1984 unsere zweite Tochter, Veronika, zur Welt.

Ab 1985 bin ich selbstständig, was die Situation nicht verbessert, sondern sogar noch verschlimmert, denn nun beginnt ein Hochseilakt ohne Netz: der Überlebenskampf am freien Markt. Diese neue Situation nimmt meine gesamte Konzentration in Anspruch. Auch am Wochenende bin ich oft geistesabwesend und denke darüber nach, wie ich Firmenprobleme lösen kann. Oft fragen mich meine Kinder: "Papa, spielst du mit uns?" Und oft hören sie den Satz: "Es tut mir leid, aber ich muss noch arbeiten!" Der Hochseilakt ohne Netz gelingt ohne Absturz. 2001 verkaufe ich die Firma, um bald darauf eine weitere zu gründen.

Rechnung der Familie

Ab 2012 wird mir eine Rechnung präsentiert, von deren Existenz ich gar nichts wusste. Im Zuge des Ablebens meines Schwiegersohnes bricht meine älteste Tochter den Kontakt mit mir ab und wirft mir vor, ich hätte sie mit drei Jahren "verlassen". Ich bin wie vom Schlag gerührt und beginne, zu argumentieren, dass ich doch "nur" arbeiten war, etc.

Einige Jahre später geht dann mein Sohn mit mir hart ins Gericht: Ich hätte nie Zeit für ihn gehabt, immer habe ich nur die Firma und das Geld im Sinn, und mich hätte nichts anderes wirklich interessiert. Und wieder bin ich wie vom Schlag gerührt und beginne, zu argumentieren, was jedoch auf kein Verständnis stößt.

Und so bin ich gezwungen, für mich zu überlegen, ob es das alles wert war - die vielen Kilometer, die viele Zeit und die vielen Meetings. Zunächst gebe ich meinen beiden Kindern recht und beginne, mir vorzustellen, was denn die Alternative gewesen wäre: ein Acht-Stunden-Job irgendwo, der mich sicherlich nicht glücklich gemacht hätte und mit dem ich wahrscheinlich auch nicht der lustige Papa gewesen wäre, der sich Stunden um Stunden mit seinen Kindern beschäftigt.

Nach und nach setzt sich bei mir die Einsicht durch, dass für alles ein Preis zu zahlen ist. Und je erfüllender die Karriere auf der einen Seite - desto höher ist der Preis auf einer anderen.


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