Chancenreich: Wiens erste Jobmesse für Flüchtlinge

Akteure der Wiener Start-up-Szene schließen sich zusammen, um am 29. Juni Wiens erste Jobmesse zu veranstalten, die sich explizit an Flüchtlinge richtet. Damit rennen sie offene Türen ein - nicht nur bei den Arbeitssuchenden, sondern auch bei den Unternehmen, die auf der Suche nach Fachkräften sind.

Chancenreich: Wiens erste Jobmesse für Flüchtlinge

Leo Widrich und Stephanie Cox (re.) beim Austausch mit der Zielgruppe.

„Wir wollen unseren Kindern später nicht sagen müssen, dass wir von den Problemen gewusst, aber nichts daran geändert haben“, sagt Stephanie Cox: „Bei der Lösung der Aufgaben hilft uns unsere unternehmerische Denkweise.“ Die gelernte Anthropologin ist beruflich als Consulterin für Start-ups aktiv. Im Dezember vergangenen Jahres traf sie gemeinsam mit Leo Widrich, dem Co-Gründer des Social-Media-Managementtools Buffer, die Entscheidung, eine Jobmesse für Flüchtlinge zu veranstalten. Das Projekt ist Beiden so wichtig, dass sie ihre Auslandsaufenthalte – Cox hatte ein Projekt in den USA geplant, Widrich lebte in Hawaii – dafür absagten.

Später stieß Michael Ströck, Sohn der bekannten Bäckerfamilie und Seriengründer von Unternehmen wie KochAbo.at oder der Jobplattform Beavr, zum Team hinzu – und nach nur drei Monaten Arbeitszeit wurde ein Event aus der Wiege gehoben, das arbeitssuchende Flüchtlinge und Unternehmen miteinander vernetzt: Die Flüchtlingsmesse „Chancenreich“ wird am 29. Juni im Wiener Museumsquartier stattfinden. Bisher haben sich über 1800 Flüchtlinge registriert, mehr als 70 Organisationen werden sich beteiligen – teils als Arbeitgeber, teils als Berater zu Finanzthemen, wie bei der Erste Group, oder zu arbeitsrechtlichen Themen.

Für die teilnehmenden Großunternehmen ist die Messe und die Auseinandersetzung mit der Thematik nicht bloß ein soziales Engagement, sie sind auch auf der Suche nach Fachkräften.

Klicken Sie sich durch diese Slideshow, um mehr über die Beweggründe der teilnehmenden Arbeitgeber zu erfahren.

Georg Pölzl, Generaldirektor Post AG

"Wir haben in der Österreichisches Post AG laufend Bedarf an neuen MitarbeiterInnen. Daher nehmen wir an den unterschiedlichsten Jobmessen teil und haben uns entschlossen, auch an der Flüchtlings-Jobmesse „Chancenreich“ teilzunehmen, um auch dort geeignete Kandidaten für unsere offenen Positionen zu finden. Wir sind davon überzeugt, dass es darüber hinaus wichtig ist, den Menschen eine Chance zu geben. Derzeit bieten wir offene Stellen in der Vorsortierung, Zustellung bis zum IT Spezialisten, Controller und vieles mehr an."

Alois Huber, Geschäftsführer Spar Wien und Niederösterreich

"Wir sind ein Unternehmen, das keine Berührungsängste hat und aktiv beim Integrationsprozess junger Menschen helfen möchte. Richtig umgesetzt, bietet die Zuwanderung eine Chance, den Fachkräftemangel im Land auszugleichen."

Wichtig ist den Organisatoren, dass nur jene Menschen auf die Messe kommen, die ein Recht auf einen Arbeitsplatz haben – also anerkannte Flüchtlinge und subsidiär Schutzberechtigte. Auf der Website wird daher mehrsprachig explizit auf die Anforderungen hingewiesen, die Flüchtlinge müssen sich vorab schriftlich anmelden. „Wir wollen eine professionelle Anlaufstelle schaffen und Jobs in echten Gesprächen vermitteln“, sagt Ströck. Gesellschaftsrechtlich steht das Projekt auf den Füßen eines Vereins, mit einer von Fördergeldern abhängigen Charity-Organisation will man sich aber nicht vergleichen: „Die Fixkosten für die Messe sind gedeckt“, sagt Cox. Vor Ort werden rund 200 freiwillige Helfer das Projekt unterstützen.

Laut Ströck gibt es allein in Wien derzeit knapp 18.000 Flüchtlinge und subsidiär Schutzberechtigte, die eine Arbeitserlaubnis haben. Für diese hat der Nationalrat vergangene Woche beschlossen, den Zugang zum Arbeitsmarkt zu erleichtern, indem unter anderem die Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse erleichtert wird. „Die Bewerber aus Syrien haben teils gleiche Qualifikationen wie Inländer, allerdings ist die Sprache oft noch eine Barriere“, sagt Cox: Im Tourismus und der Gastronomie werden etwa bewusst auch Mitarbeiter gesucht, die kulturell bewandert sind. Ströck winkt auch den Kritikpunkt ab, dass von den Unternehmen oft Jobs ausgeschrieben sind, die viele Österreicher nicht machen wollen – wie etwa in der Pflege: „Solche Jobs sind per se nicht unattraktiv, stattdessen ist die demographische Entwicklung an der Ausbildung vorbeigegangen“, sagt er: „Warum soll es attraktiver sein, acht Stunden vor dem Computer zu sitzen als in der Pflege mit Menschen zu arbeiten?“.

Die Reaktionen aus der Wirtschaft auf ihre Anfragen waren durchwegs positiv, sagen Cox und Ströck unisono. Gewaltdrohungen, wie sie öfters von Rechtsradikalen gegenüber engagierten Bürgern ausgesprochen werden, haben sie keine erlebt. „Die Menschen mögen unseren pragmatischen, nicht zu ideologischen Ansatz“, sagt Ströck: „Ich kenne das vom Betrieb meiner Eltern, wo über 50 Nationen zusammen arbeiten.“ Ähnlich, so der Sohn der erfolgreichen Bäckerfamilie, könnte Integration auch im gesamten Land gelingen.

Download: Aktuelle Asylstatistik des Innenministeriums

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