CEO-Studie: Wann es Zeit für einen Wechsel ist

Wann ist der optimale Zeitpunkt, um als CEO aus dem Amt zu scheiden? Wann lassen die Leistungsbereitschaft, die Lernfähigkeit und der Wille sich anzupassen nach? Ein Team der Schweizer Universität St. Gallen hat dazu Daten aus 26 Jahren und 1.500 börsennotierten Unternehmen ausgewertet.

CEO-Studie: Wann es Zeit für einen Wechsel ist

Wie lange sollte ein Firmenchef im Amt sein, damit er bestmöglich zum Erfolg der Firma beitragen kann? Wann ist seine Lernkurve ausgereizt und wann lässt die Leistungsbereitschaft nach? Diesen Frage sind vier Professoren vom Institut für Banken und Finanzen von der Schweizer Universität St. Gallen nachgegangen.

Sie haben dafür die Leistung von CEOs von 1.500 Unternehmen aus dem US-Aktienindex S&P 500 über einen Zeitraum von 26 Jahren untersucht (Datenbasis: 1992 bis 2017). Ebenfalls wurden Gehaltsdaten für Führungskräfte und Parameter von ExecuComp herangezogen, das die Performance von Unternehmen im S&P 500 misst. Das Durchschnittsalter der CEOs lag bei 56 Jahren.

Das Ergebnis: Die Studie ergab einen signifikanten Zusammenhang zwischen der Amtszeit eines CEOs und dem Wert den er für das Unternehmen schaffte. Das Leistungsplateau liegt im Schnitt zwischen zehn und maximal 16 Jahren. Der Schluss daraus: Im Idealfall bleibt ein CEO 14 Jahre lang im Amt. „Das war statistisch signifikant“, so der St. Gallener Professor und Mitstudienmitautor Markus Schmid. In der Praxis wird dieser Wert allerdings kaum noch erreicht. Im Schnitt behalten CEOs nur noch fünf Jahre ihren Job, wobei ein zu häufiger Führungswechsel für die Unternehmen ebenfalls nachteilig ist.

Leistungskurven von Vorständen

Die Leistungskurve von CEOs verläuft bei CEOs ähnlich wie bei vielen anderen Menschen. Sie ist zu Beginn der Amtszeit am höchsten und nimmt gegen hin ab. Dazwischen entwickelt sich die Leistung der Führungskräfte in Wellen. "Mit der Zeit nehmen die Lernfähigkeit und das Engagement ab“, so die Erkenntnis der Studienautoren. Die Wille sich anzupassen und Neues zu lernen sinkt. "Es kommt zu Abnützungserscheinungen", bemerkt Schmid.

Der Wert eines Vorstandes für sein Unternehmen kann sich auch verringern, wenn der CEO nicht mehr in der Lage oder willens ist, seine Fähigkeiten zu steigern. "Einige CEOs sind aber im Laufe der Zeit aber sehr wohl in der Lage sich weiterzuentwickeln und besser zu werden, bis sie ihre Leistungsspitze abschwächt", so die Erkenntnis der Untersuchung.

Wie lernwillig Vorstände während ihrer Amtszeit sind und bleiben, hängt laut der Untersuchung nicht nur von der Amtszeit ab, sondern auch ob es sich um Spezialisten oder Generalisten handelt. Spezialisten sind laut der Auswertung der Entwicklung der S&P-Vorstände in den vergangenen knapp drei Jahrzehnten nach knapp 13 Jahren an der Firmenspitze im Schnitt nicht mehr ausreichend bereit oder willens ihre Fähigkeiten auszubauen, bei Generalisten ist das erst nach rund 16 Jahren der Fall.

Generalisten, die von einem anderen Unternehmen in die Führungsrolle kamen sowie vergleichsweise junge CEOs haben sich in der Untersuchung als anpassungsfähiger und lernwilliger herausgestellt.

Die Last der Veränderung

Die Forscher untersuchten auch, wie sich die Leistung von CEOs bei einer eher dynamischen oder eher stabilen Firmenentwicklung über die Jahre entwickelt. Es zeigte sich, dass Vorstände von Unternehmen die stärkeren Veränderungen unterliegen ihren Zenit früher erreichen als Vorstände von Firmen, die sich in einem stabilen Umfeld befinden.

Ein besonders dynamisches Umfeld fordert dabei seinen Tribut. Die Studienergebnisse legen nahe, dass CEOs, die auf ökonomische Schocks reagieren müssen und überdurchschnittlich starken Veränderungen ausgesetzt sind, im Schnitt schon nach elf Jahren ihr Leistungspotenzial ausgeschöpft haben. Wenn das Unternehmen viel in Forschung und Entwicklung investiert und entsprechend dynamisch wächst, ist der Höhepunkt des Engagements und der Anpassungsfähigkeit von CEOs im Schnitt nach 12,4 Jahren erreicht.

Eine weitere Erkenntnis: CEOs können sich in einer späteren Amtszeit schwerer einem dynamischen Umfeld anpassen - wenn auch mit den Jahren die Erfahrung der Manager wächst und sie damit die Fähigkeit steigern, in einem sich verändernden Umfeld weiter zum Erfolg des Unternehmens beizutragen.

Der Machtfaktor

Gleichzeitig nimmt mit den Amtsjahren aber auch die Macht des obersten Lenkers zu, was ebenfalls negativ auf die Firma auswirken kann, denn "umso mehr sind Aufsichtsräte gefordert der steigenden Macht des CEOs entgegenzuwirken", betont Schmid.

Der Schluss daraus: Chefs, die zu lange im Amt sind, können Unternehmen schaden und deren Entwicklung beeinträchtigen.

Take Aways
  • Im Idealfall bleiben CEOs 14 Jahre lang im Amt.
  • Generalisten halten länger durch als Spezialisten.
  • Ein dynamisches Umfeld steigert die Belastung und fordert ihren Tribut.
  • Eine zunehmende Machtfülle des CEO kann das Unternehmen bremsen.

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