Burnout stoppen!

Burnout stoppen!

Beruflich sehr geforderte und engagierte Menschen wie Führungskräfte und Unternehmer sind anfällig für Burnout. Sie können die Abwärtsspirale aber durch Selbsterkenntnis und Verhaltensänderung präventiv stoppen und Lebenszufriedenheit sowie Freude an der Arbeit zurückgewinnen.

Epidemie und Modediagnose, witzeln einige darüber, lebensbedrohlicher medizinischer Notfall, warnen die anderen. Am Thema Burnout scheiden sich die Geister. Fest steht: Burnout betrifft gerade besonders Leistungsfähige und Leistungswillige am heftigsten. So wie Ralf Rangnick, heute umjubelter Sportdirektor des Champions-League-Teilnehmers RB Leipzig, doch vor wenigen Jahren als Trainer von Schalke 04 mit Erschöpfung und Burnout für Monate weg vom Fenster. Oder Hupert Neuper, der prominenteste österreichische Betroffene.

Beide brannten für ihre Arbeit -und dabei selbst fast aus. Sie beweisen aber auch, dass es Wege gibt, aus dem Burnout wieder herauszufinden. Beispiele für Burnout bei beruflichen Engagement und trotz ansehnlicher Erfolge sind auch Thorsten Thews und Axel Berger. Auch sie zwei Leistungsträger: Wirtschaftsingenieur mit Führungsverantwortung der eine, Agenturchef der andere. Beide erlebten, dass Erfolge zwar durch ein hohes Niveau an Druck und Stress erkauft waren, aber nicht unbedingt Befriedigung und schon gar nicht Zufriedenheit verschafften. Ganz im Gegenteil. Die Erkenntnisse aus ihrer Zeit im Hamsterrad - und ihren Weg zurück -beschreiben die Norddeutschen in ihrem Buch "Brennende Hamster".


Burnout-Check

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"Als Unternehmer nimmt man oft nicht wahr, mit wie viel Arschlochaufgaben von Steuer bis Bürokratie eine Sache verknüpft ist, die man gerne macht, und wegen der man selbstständig geworden ist", nennt Berger einen der großen Stressfaktoren. Humorvoll, aber hochseriös zeigen die Hamster, wie man Burnout erkennt, daraus herauskommt und ihm vorbeugt, indem man Stress besser verarbeitet und so Frust vermeidet. Ein kurzer Selbstcheck zeigt, ob man sich noch selbst helfen kann oder schon professionelle Unterstützung braucht. Ein Knackpunkt ist, dass es nicht nur Leidensdruck gibt, etwas verändern zu müssen, sondern auch die Freiheit, etwas verändern zu können. "Oft fehlt nur Raum, wo man ungestraft denken kann, um das zu erkennen", sagt Thews. Doch so werden konkrete Einstellungs- und Verhaltensänderungen möglich:

  • Der Raum zwischen Reiz und Reaktion ist frei. Wie man auf Anrufe, SMS, Mails, Kritik, aber auch auf Arbeitsaufträge reagiert, kann man ändern.
  • Innere Antreiber (Sätze wie: "Sei perfekt!","Streng dich an!","Beherrsch dich!","Nimm dich nicht so wichtig!" oder auch "Ich muss!") lassen sich durch Erlauber ersetzen ("Du hast dein Bestes gegeben. Das reicht","Du darfst dir die nötige Zeit nehmen").
  • Selbstführung statt Zeitmanagement: Nur wichtige Dinge tun, statt Unwichtiges effi zient erledigen. Und die Multitasking-Illusion gleich entsorgen. Nicht jedes Mail muss beantwortet, nicht jedes Meeting besucht werden.
  • Sind Antreiber eliminiert, werden Pausen, Sabbaticals, Downshifting (Arbeitszeit verringern) und Downsizing (Gesundschrumpfen für Unternehmer) möglich. Dazu ein ganz konkreter Tipp aus dem Buch: "Machen Sie Ihr Unternehmen zur arschlochfreien Zone. Dazu zählen übrigens auch Arschloch-Kunden. Entscheiden Sie sich dafür, nur noch mit und für nette Menschen zu arbeiten."
  • Wert auf Anerkennung von anderen zu legen, macht unfrei. Loben Sie sich lieber selbst und nach eigenen Maßstäben.
  • Fehler sind erlaubt, Fehler schönreden, auch beschönigende Sprachregelungen hingegen auf keinen Fall.
  • Pausen sind essenziell, regelmäßiges Essen, und sei es eine Banane am Schreibtisch, genügend Wasser trinken sowie Powernapping halten die Leistungsfähigkeit hoch und Erschöpfung hintan.

Achtsamkeit und Arbeitsfreude

Dass solche Achtsamkeit der Gesundheit und dem Leistungsvermögen ihrer Mitarbeiter gut tut, wissen auch modern geführte Unternehmen. 24 von ihnen errangen soeben den Preis für betriebliches Gesundheitsmanagement (BGF) des Österreichischen Netzwerks BGF. Die nationalen Gesamtsieger, Leinenweberei Vieböck und Sappi, beweisen, dass das Thema vom Handwerksbetrieb bis zum Multi relevant ist (siehe Kasten unten).


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Für Arbeitszufriedenheit ist man aber letztlich selbst verantwortlich, betont der Wiener Wirtschaftstrainer und -coach Gerhard J. Vater. Auch in seinem Buch "Wie aus Arbeit Freude wird"(siehe oben) geht es um Arbeitsfreude. "Freude ist im Job nicht zwingend vorgeschrieben, aber die Chance gibt es", sagt Vater und plädiert dafür, der materiellen (Geld, Arbeitsmittel) und der intrinsischen Motivation (Liebe zur Tätigkeit an sich) eine weitere Motivationsdimension hinzuzufügen: den Blick darauf, was man mit seiner Arbeit bewirkt.

Für den Barpianisten ist das der schöne Abend der Gäste, für den Straßenkehrer der Beitrag zu Hygiene, Gesundheit und Tourismus, für die Supermarktkassiererin vielleicht, zu erkennen, dass ein Kunde ein Grillfest plant und noch einen Artikel dafür zu empfehlen. Vater: "Mitarbeiter, die sich daran freuen, was sie mit ihrer Arbeit für den Kunden bewirken, schützen sich damit am besten vor einem Burnout."


Buchtipps

Die brennenden Hamster

Eine (Geschäfts-)reise in den Burnout - und wieder hinaus!

Autoren: Thorsten Thews und Axel Berger

Gefangen im Hamsterrad: Burnout - Der Preis für den Erfolg? Menschen, die Dinge voranbringen und sich engagieren, die für ein Projekt, die eigene Firma oder den ganz eigenen Traum brennen, sind „Unternehmer“ im besten Wortsinne.

Sie werfen sich mit Elan und Enthusiasmus ins tägliche Hamsterrad und lassen sich nicht von ihrem Weg abbringen. Erfolgreiche Menschen, könnte man meinen. Jedoch geht dieses Engagement oft zu Lasten der seelischen oder körperlichen Verfassung. Nicht sofort. Eher schleichend, zunächst oft unbemerkt. Was nicht selten folgt: „Mein Herzstechen, mein Tinnitus – mein Burnout … “

Wie schnell aus Brennen Verbrennen werden kann, mussten und müssen in den letzten Jahren immer mehr Menschen erfahren. Dieses Buch ist als Erlebnisbericht und Ratgeber konzipiert und wurde mit Blickrichtung auf diese Unternehmer geschrieben: Egal ob Einzelkämpfer, Klein- oder Kleinstunternehmer, Mittelständler, Führungskräfte, Manager oder Mitarbeiter großer Firmen.

Taschenbuch, 272 Seiten
Schardt Verlag, November 2016
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3898419851


Wie aus Arbeit Freude wird

Die Vater-Methode – Wechseln Sie die Perspektive, nicht den Job

Autor: Gerhard J. Vater

Viele Führungskräfte und Arbeitnehmer haben ein akutes Problem mit dem Job: Sie haben eigentlich die Nase voll davon. Deshalb empfehlen viele Ratgeber im Feld Selbstverantwortung/Selbstfindung zur Kündigung und Neuorientierung, zumindest aber zur Änderung der Arbeitssituation. Aber wie realistisch ist das angesichts der Aussicht auf einen neuerlich angespannten Arbeitsmarkt, in Zeiten steigender Lebenskosten und Wirtschaftskrisen? Wie viele haben diese Freiheit wirklich? Die Gefahr ist groß, der eigenen Opfer-Mentalität in die Falle zu laufen, ohne sich dessen bewusst zu sein. Viele Arbeitnehmer erwarten dann vom Chef, den Kollegen und sogar den Kunden glücklich gemacht zu werden. Bleibt diese Unterstützung der Anderen aus, steigt der Frust. Das Buch „Wie aus Arbeit Freude wird“ verfolgt keinen rein theoretischen oder abstrakten Ansatz, sondern widmet sich konkret den ganz alltäglichen Problemen frustrierter Arbeitnehmer.

Taschenbuch, 160 Seiten
Morawa Lesezirkel GmbH, November 2016
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3990572318


Der Artikel ist der trend-Ausgabe 19/2017 entnommen.
Die komplette Ausgabe mit dem Burnout-Check finden Sie hier als E-Paper zum Download

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