Boreout: Unterforderung und Langeweile belasten Arbeitnehmer

Boreout: Unterforderung und Langeweile belasten Arbeitnehmer

Boreout: Unterforderung und Langeweile stressen nicht wenige Arbeitnehmer.

Überstunden, Stress, Burnout. Die Wirtschaft beklagt einen Fachkräftemangel und wer einen Job hat, arbeitet gefühlt immer mehr in weniger Zeit. Ein anderes Phänomen macht aber die Runde: Boreout. Also das Ausbrennen vor lauter Langeweile. Denn wer sich chronisch unterfordert fühlt, ist auch im Stress. Und das sind nicht wenige.

Zu viel Routine, zu wenig Verantwortung und festgefahrene Aufgaben führen zu einem eintönigen und langweiligen Arbeitsalltag, der auch stresst. Denn schließlich muss nach außen vermittelt werden, dass man geschäftig Leistung bringt. Versinken viele Führungskräfte in Arbeit und Verantwortung, haben Mitarbeiter oft nur wenig oder kaum Mitspracherecht und eigene Verantwortungsbereiche, die sie selbst gestalten können. Die Folgen: Das Interesse an der Arbeit nimmt zunehmend ab. Enttäuschte Erwartungen, brach liegende Qualifikationen und Talente kehren anfängliche Motivation ins Gegenteil. Eine steigende Lernkurve bleibt aus und die Leistung sinkt. Das kann zu Unachtsamkeit, Fehlern und Unfällen führen.

Burnout versus Boreout: Die goldene Mitte gibt es selten

41 Prozent der Arbeitnehmer in Österreich ist im Job unterfordert. Also ist fast jedem Zweiten in der Arbeit fad. Das ergab eine Umfrage des Jobportals Karriere.at, zu der knapp 500 User befragt wurden. Ein Viertel der Befragten gibt allerdings auch an, mit ihren anfallenden Aufgaben überfordert zu sein und würden gerne mehr Zeit zur Verfügung haben. Jeder Fünfte befindet zwar, dass die fachliche Qualifikation zur Stelle passt, wünscht sich aber mehr Abwechslung. Gerade einmal 16 Prozent sind zufrieden mit ihrem Stresslevel und finden ihre Situation weder über- noch unterfordernd.

Unterforderung toppt Überforderung im Job.

Arbeitgeber wissen Bescheid

Dass dieser Gemütszustand unbemerkt bleibt, ist unwahrscheinlich. Von 155 befragten Arbeitgebern gab mehr als die Hälfte an, Stress und Langeweile ihren Mitarbeitern ansehen zu können. 16 Prozent geben an, nur Einblick in den Stresspegel zu gewinnen, wenn die Mitarbeiter selbst explizit darauf zu sprechen kommen. 13 Prozent der Unternehmer schieben das Thema prinzipiell den direkten Führungspersonen zu und fühlen sich dafür nicht zuständig.

Phänomen ernst nehmen

„Der Stresspegel ist eine relative Größe: Was für den einen fast nicht zu bewältigen ist, kann für den anderen eine Leichtigkeit sein. Das wird von Arbeitgeberseite nicht immer sofort erkannt. Die Tatsache, dass sich beinahe die Hälfte der Befragten unterfordert fühlt, sollte sehr ernst genommen werden“, meint karriere.at-Geschäftsführer Jürgen Smid. Immerhin ist es ein gutes Zeichen, dass nur eine Minderheit der Unternehmensvertreter angibt, nicht am Stresslevel der Mitarbeiter interessiert zu sein. Smid: „Vor allem ist es wichtig, ein offenes Ohr für die Bedürfnisse der Mitarbeiter zu haben. Über- und Unterforderung führen gleichermaßen zu Unzufriedenheit und können somit die Fluktuation im Unternehmen massiv beeinflussen.“

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