Blockchain sowie die Herren Gschwandtner und Rogan

Blockchain sowie die Herren Gschwandtner und Rogan

Robin Lumsden, 42, ist Rechtsanwalt in Wien und auch in New York und Washington D.C. zugelassen. Der ehemalige Vizepräsident des österreichischen Tennisverbandes ist auch Integrationsbotschafter von Sebastian Kurz und Generalkonsul von Jamaika in Österreich.

Der Wiener Rechtsanwalt Robin Lumsden bleibt noch ein Jahr in Stanford. Jetzt will er alles über die Blockchain-Technologie wissen, die bekanntlich die Welt verändert. Wie in den vergangenen zwölf Monaten wird Lumsden regelmäßig aus Kalifornien berichten. Die Comeback-Kolumne beschäftigt sich mit den Motiven, der Heimat bis auf weiteres den Rücken zu kehren.

Meine vier Motive

Eine mir im Sommer häufig gestellte Frage war: Warum bleibst du nach dem erfolgreichen Abschluss des MBA-Programms an der Universität Stanford noch ein weiteres Jahr dort und absolvierst noch ein Masters-Programm neben dem Tagesgeschäft als Anwalt? Dafür gibt es -wie bei meinem ersten Aufenthalt -mehrere spannende Gründe.

Mein wichtigstes Motiv: Ich will mich als Rechts- und Wirtschaftsberater noch ein weiteres volles Jahr mit neuem Wissen über die neue, besonders zukunftsrelevante Technologie Blockchain "aufladen", und das kann man nur hier in Stanford. Blockchain - nicht gleichzusetzen mit Kryptowährungen - wird nicht nur das Internet, sondern unsere gesamte Welt verändern. Dies hat mir in meinem ersten Stanford-Jahr auch Eric Schmidt, der ehemalige CEO von Google, bestätigt. Ich möchte Themen wie Blockchain, Artificial Intelligence, Big Data und Machine Learning einfach noch besser im Detail auf einem hohen akademischen Level verstehen können und der "goto guy" in Europa - ausgebildet in mindestens zwei vollen Stanford-Jahren - sein. Ich will dazu einfach viel mehr wissen.

Zweites zentrales Motiv: Unser brandneuer Digital-Assets-Fonds "Evermont Digital Assets" wird bald aktiv, wir werden ihn mit Unterstützung der führenden Blockchain-Professoren der Universitäten Stanford und Berkeley (meiner alten Law School) in wenigen Wochen in den USA starten. Kurzfassung: Unser US-Fonds ermöglicht Investoren wie Banken, Vermögensverwaltern oder Pensionsfonds, hohe Beträge auf sichere Weise in moderne Wertanlagen wie digitale Anteile an Unternehmen und digitale Währungen (mit Ausnahme von Bitcoin) zu investieren.


Wien ist großartig, aber in Stanford am Campus lebt es sich auch nicht schlecht.

In Bitcoin selbst investiert unser Fonds nicht. Wir bewerten Bitcoin als "Glücksspiel" oder - wie ein Professor von mir behauptet - als "technologisches Pyramidenspiel". Viele weitere digitale Währungen/Anlageformen sind jedoch sehr interessant für professionelle Investoren. Wir glauben, dass unser Fonds, ähnlich wie BlackRock vor Jahren, nur diesmal im digitalen Bereich, Erfolg haben wird. Wenn beide Unis auch noch aktiv mitarbeiten, halte ich mein eigenes Risiko, zu investieren, für fair.

Die Vernetzung

Man braucht vor digitalen Anlageformen keine Angst zu haben: Aktuell hat eine Bank, bei der man sein Geld hinterlegt, ja auch keine Scheine oder Gold dafür im Safe herumliegen, auch dieser Prozess der Realisierung brauchte seine Zeit. Zu glauben, dass man digitale Anlageformen komplett ausblenden kann, wäre naiv. Die jeweiligen Gesetzgeber werden zwar durchaus noch mit übertrieben strengen Regulatorien zurückschlagen, sobald sie ihre "Macht" durch die neue Technologie, welche gegen Manipulationen eher immun ist als bisherige klassische Anlageformen, bedroht sehen.

Drittes Motiv für mein "Zweitjahr" in Stanford: der Aufbau meiner kleinen, aber feinen Kanzlei, eines "Outlets" in Palo Alto, ist noch nicht abgeschlossen und macht mir sehr viel Spaß. Die Vernetzung von österreichischen und US-amerikanischen Unternehmen geht gut voran, und ich freue mich auch weiter, als "Silicon-Valley-Reiseleiter" für heimische Delegationen zu fungieren.

TREFFEN IM VALLEY. Runtastic-Gründer Florian Gschwandtner besuchte den Autor knapp vor seinem Rücktritt als CEO.

Viertes Motiv, last, but not least: Meine Familie hat sich hier perfekt eingelebt, die Kinder haben schnell Anschluss gefunden und wir genießen das unglaublich vielfältige Freizeitangebot in nächster Umgebung. Wir alle sind der Meinung: Wien ist eine großartige Stadt, aber in Stanford am Campus lebt es sich eben auch nicht schlecht.

Aktueller Lagebericht nach dem Sommer in Österreich, wo ich mit vielen Mandanten und neuen Kontakten über deren künftige Herausforderungen in Zusammenhang mit neuen Technologien gesprochen und auch zu Blockchain-Anwendungen beraten habe: Der Alltag hier auf der Uni hat mich wieder voll eingeholt. Natürlich hat auch dieses Programm seinen nicht geringen Preis von circa 90.000 Euro. Aber wie bereits das MBA-Programm halte ich jedes Investment in Bildung für extrem befruchtend, für mich wie für alle anderen.

Querverbindung zu Österreich

Dass mein Blockchain-Programm interdisziplinär ist, merke ich gleich zu Beginn. In der Früh, nach ein paar Stunden Anwaltsarbeit, arbeiten wir in den technischen Klassen an einfachen Algorithmen und Programmierungen. Am Nachmittag wechsle ich auf die Law School, um mich den regulatorischen und rechtlichen Problemen zu widmen. Besonders spannend ist Susan Athey: Sie gilt als die "Blockchain-Professorin" der USA und sitzt so ziemlich auf jedem wichtigen Board amerikanischer Crypto-Unternehmen. Bei ihr schreibe ich auch meine Master-Thesis und beleuchte aus rechtlicher, wirtschaftlicher und technischer Sicht die künftige Entwicklung von Digital Assets.

Dazu gab es in den letzten Tagen noch zwei persönliche "Querverbindungen" zu Österreich, die sich künftig vielleicht stärker verknüpfen lassen: Florian Gschwandtner, Gründer von Runtastic und bis vor Kurzem CEO, besuchte mich hier im Valley. Wir diskutierten vor allem auch, wie er die Zukunft von Blockchain sieht - als jemand, der ein höchst erfolgreiches Technologieunternehmen aufgebaut hat und selbst Techniker ist, verkörpert Florian Gschwandtner das Idealbild des jungen Unternehmers: schnell, pragmatisch, sympathisch und ohne Limits.

Kurz davor traf ich den alten Stanford-Freund Markus Rogan, "unseren" ehemaligen Olympiamedaillen-Schwimmer. Er leitet in L.A. eine psychologische Praxis. Typisch "kalifornisch" brachten wir unsere Familien zusammen, gingen schwimmen und genossen einen Abend mit österreichischem Wein in Beverly Hills. Auch mit ihm wird eine nähere Zusammenarbeit spannend, berät er doch einige Weltklasse-Athleten und Wirtschaftsstars auf mentaler Ebene.

Ein neues Studien-, Arbeits- und Abenteuerjahr in nunmehr schon vertrauter Umgebung steht bevor. Ich freue mich darauf, wieder spannende Menschen kennenzulernen, mich mit innovativen Projekten zu beschäftigen und Ihnen, liebe trend-Leser, wieder monatlich davon berichten zu dürfen.

Zur Person

Robin Lumsden , 42, ist ist Rechtsanwalt in Wien und auch in New York und Washington D.C. zugelassen. Er ist Co-Founder des Stanford Digital Assets Fonds in Kalifornien und Generalkonsul von Jamaika.


Der Beitrag ist der trend.PREMIUM-Ausgabe 39/2018 vom 28. September 2018 entnommen.

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