Bildung statt Sparbuch

Der Wiener Wirtschaftsanwalt Robin Lumsden hat zwei Jahre für den TREND von seinen Studien in Stanford berichtet. Diesmal beschreibt er, warum Florian Gschwandtner, der unseren Autor an der US-Eliteuni besucht hat, die verstärkte Lehre von Financial Literacy an heimischen Schulen für so wichtig hält.

Bildung statt Sparbuch

VEREINT IN STANFORD. Der Autor Robin Lumsden mit Runtastic-Gründer Florian Gschwandtner, der gerade ein Krypto-Start-up hochzieht.

ES STIMMT : Die USA bleiben - mit allen Vor- und Nachteilen - das Zentrum der finanziellen Risikokultur. Sichtbar unter anderem an fundamentalen Unterschieden der Start-up-Finanzierung zwischen den USA und Europa. Doch in "Good old Europe" gibt es vor allem in der Start-up-Szene immer mehr Unternehmer, die riskieren, und das noch dazu höchst erfolgreich. Einer von ihnen ist mein gern gesehener Stanford-Gast Florian Gschwandtner.

Gschwandtners riskante Entscheidung, einen gut bezahlten IT-Job gegen sein Start-up Runtastic einzutauschen, hat sich spätestens im August 2015 nach der Übernahme durch Adidas um 220 Millionen Euro bezahlt gemacht. Ein Deal, der längst zentraler Teil europäischer Erfolgsgeschichte geworden ist. Florian ist mittlerweile eine beliebte Koryphäe des österreichischen Start-up-Universums, nicht zufällig war er auch für die österreichische Regierung als Berater für Digitalisierung und Innovation tätig.

Ein leicht übertriebener, aber in der "Szene" verbreiteter Mythos: Alles, was Florian berührt, wird zu Gold. Eine Metapher, die sich wohl auch bei seinem aktuellen Einstieg in das Krypto-Start-up Coinpanion bewahrheiten könnte. Der energetische Florian steht aber nicht nur als Investor und Buchautor auf der Bühne, sondern ist seit Kurzem mit der digitalen Leadership-Plattform Leaders21 auch wieder selbst als Gründer aktiv: Dort unterstützt er Unternehmen mit Training, Coaching, Mentoring und weiteren digitalen Bildungsangeboten. Sein zentraler Fokus: das große Thema Leadership. Mindestens genauso "brennt" Florian für das Thema finanzielle Bildung, immer wieder in Stanford als "Financial Literacy" bezeichnet, eine enorm wichtige Säule der Allgemeinbildung, die sowohl für den Einzelnen als auch für die gesamte Volkswirtschaft von zentraler Relevanz ist.

Gschwandtners Klage gilt dem fast völligen Fehlen dieses Themas. In den heimischen Schulen werde dies leider kaum gelernt: "Daher ist die beliebteste Sparform der Österreicher immer noch das Sparbuch, in Nullzinsperioden bei steigender Inflation eben eine ziemlich sichere Geldverbrennungsmaschine." Aber auch der private Konsum auf Pump vom Leasingauto bis zum vermeintlich kostenlosen Smartphone sei oftmals ein vermeidbarer Schritt in Richtung Überschuldung. Das könnte durch ausreichende Financial Literacy vermieden werden. "Oft werden Finanzwissen und der richtige Umgang mit Geld erst auf den einschlägigen Universitäten gelehrt, da ist es aber meistens schon zu spät."

Letztendlich könne die traditionelle österreichische Liebe fürs Sparbuch nicht nur für den Einzelnen nachteilig sein, sondern auch für die gesamte Volkswirtschaft. "Der österreichische Kapitalmarkt gilt insgesamt als sehr klein und wenig entwickelt, auch weil private Investments eben viel seltener sind."

Die Folge: Für junge Unternehmen in Österreich ist es ungleich schwieriger, an Kapital zu kommen, denn diese sind auf Banken angewiesen, die ebenfalls kein Risiko eingehen möchten. Dabei sind in vielen Staaten die Investitionen von Privatpersonen eine wichtige Säule der Finanzierungskultur. Sowohl die Start-up-Branche als auch die gesamte Volkswirtschaft würden davon profitieren, wenn mehr Menschen mit ihrem Geld bewusst umgehen und dieses erfolgversprechend investieren würden.

Dass ein Investment auch ein Risiko darstellt, bestreitet niemand, aber noch schlechter ist es, einfach nichts zu tun und den jährlichen realen Wertverlust einfach hinzunehmen. Florian ist sich sicher: "Geld darf nicht ungenutzt herumliegen."

Mein Stanford-Professor und nobelpreisverdächtiger Ökonom Ilya Strebulaev ist ebenfalls überzeugt, dass der Grundstein für einen gesunden Kapitalmarkt bereits in den Schulen gelegt wird. Wenn dort nicht bereits gelehrt wird, Geld zu investieren, passiert das oft später nicht mehr. "Eine gesunder Kapitalmarkt profitiert davon, dass nicht nur Menschen die Wirtschaft studiert haben, ihr Geld anlegen, sondern breite Bevölkerungsgruppen", sind sich sowohl der Stanford-Professor Strebulaev als auch Gschwandtner einig.

In den USA liegen viele Aspekte der Altersvorsorge in den Händen des Einzelnen, dementsprechend wird eben dort auch gelehrt, Geld bereits in jungen Jahren vernünftig an der Börse anzulegen. Ergebnis: Fast zwei Drittel der Amerikaner haben ihr Kapital an den Aktienmärkten angelegt, um ihre Pension abzusichern. Das US-Sozialsystem kann sonst sicherlich kein Vorbild sein, aber es ist wohl nicht von Schaden, mit Eigenverantwortung sein -auch geringes -Kapital investieren zu können.

Das Wissen darüber könnte auch in Österreich mit einigen Reformen im Bildungssystem gefördert werden. Auch Fehlinvestitionen und unüberlegte Ausgaben könnten so besser vermieden werden. Vergleichbare europäische Länder wie die Schweiz schneiden in dieser Hinsicht mit einer höheren privaten Investitionsquote deutlich besser ab. Wichtig: Private sollten ihr Geld mündig und informiert anlegen und nicht auf vermeintliche Experten (derer Zahl es zu viele gibt) hereinfallen und in Produkte mit hohen Gebühren investieren.

Florian plant weitere tolle Projekte. Aktuell arbeitet er auch an einer "Special Purpose Acquisition Company" (SPAC). Hier geht es darum, Geld bereits an der Börse einzusammeln, um damit später ein bestehendes Unternehmen aufzukaufen. Dadurch kann der oft sehr langwierige und komplexe Wege eines Börsengangs beschleunigt werden. Weiterer Vorteil: Man ist in der Bewertung der Aktien weniger abhängig von den großen Investmentbanken. So, wie ich Florian kenne, wird er auch nicht lange brauchen, um Investoren von seinem Projekt zu überzeugen.

In Stanford sagt man oft: "Erfolg steckt an, und nichts hat mehr Erfolg als Erfolg." Ein Credo, das Florian verkörpert. Wir sehen uns bald wieder am schönen Stanford-Campus.


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Zum Autor

Robin Lumsden ist Anwalt in Wien, New York und Washington. Zwei Jahre verbrachte er an der US-Eliteuniversität Stanford. Seine Arbeit als Anwalt und die dort gewonnenen Erfahrungen verarbeitet er jetzt dieser Kolumne.



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