Das harte Leben der Banker: Strafen in großem Stil und weniger Boni

Manager kriegen mehr Gehalt, sind aber trotzdem nicht zufriedener und suchen sich leher einen neuen Job, der mehr Geld verspricht.
Manager kriegen mehr Gehalt, sind aber trotzdem nicht zufriedener und suchen sich leher einen neuen Job, der mehr Geld verspricht.

Wenn schon keine hohen Boni, dann müssen sich Unternehmen intelligentere Anreize als bisher überlegen, um Manager zu halten.

Der Finanzcrash 2008 hat die Branche auf den Kopf gestellt. Strafen für Banker wurden eingeführt, Boni rapide gekürzt, dafür aber das Grundgehalt erhöht. Doch viele Topmanager pfeifen darauf.

Vor dem Finanzcrash konnten Führungskräfte in der Bankenszene an der Wall Street oder in London alleine durch Boni reich werden, hierzulande bestand zumindest die Chance auf ansehnlichen Wohlstand. Doch die strengen Regeln, die seither für variable Gehälter und Compliance Vorschriften eingeführt wurden, haben das Entlohnungssystem in der Branche grundlegend geändert. Als eine der Reaktionen drauf haben die Banken das Grundgehalt von Topmanagern vielfach angehoben, um die Elite der Branche weiter an ihr Unternehmen zu binden.

Doch die Rechnung geht, laut der aktuellen Mercer Global Financial Services Executive Compensation Survey 2016, vielfach nicht auf. Für die Studie wurden weltweit 68 große Finanzorganisationen in 20 Ländern befragt, 47 Prozent davon befinden sich in Europa.

Vor allem Asset Manager, bei denen es stark um die Performance der Produkte geht, sehen weltweit keine positiven Effekte durch ein höheres Basisgehalt und bewerten den Einfluss zu 100 Prozent als „neutral“ oder gar „negativ“. Bei Finanzdienstleistern sind es zumindest 22 Prozent, die positive oder sehr positive Erfahrungen mit höheren Grundgehältern gemacht haben. Bei Banken und Versicherern ist der positive Effekt höherer Grundgehälter wiederum etwas höher.

Dabei sind die Vorteile eines hohen Grundgehalts nicht zu unterschätzen. „Der Bonus erhöht sich über die Jahre, sofern dieser als Prozentsatz des Grundgehalts definiert ist, die Beiträge zur Betriebsrente steigen und die Absicherung im Todesfall verbessert sich“, argumentiert Raffaela Stutz, Vergütungsexpertin bei Mercer.

Im Extremfall: Keinen Boni bei Compliance-Verstößen

Das Leben ist für Banker aber nicht nur wegen der geringeren Boni härter geworden, auch weil Verstöße, die gegen den allgemeinen Anstand verstoßen (Compliance Regeln) seither strenger oder überhaupt erst bestraft werden. 62 Prozent der von Mercer befragten Unternehmen haben demnach solches Fehlverhalten „in großem Stil“ bestraft. Etwa durch Malus-Regelungen bei Boni - ein System, das bereits 90 Prozent der Banken und 72 Prozent der Versicherungen anwenden. Das heißt, etwa bei zu teuren Geschenken, Kindergeburtstagen auf Firmenkosten oder geschenkten Reisen, die in keinem Verhältnis stehen, gibt es zur Strafe weniger oder gar keinen Boni.

Doch darin sieht Mercer-Expertin Stutz nicht die Zukunft: „Effektiver ist es, positives Risikoverhalten zu belohnen.“ Das sei allerdings alles andere als einfach, weshalb diesen Schritt nur 11 Prozent der befragten Organisationen ernsthaft verfolgen. Aber immerhin die Hälfte der befragten Finanzinstitute in Europa wollen ihr Boni-System in Bezug auf Compliance-Verhalten überdenken.

Angebote, die über das Gehalt hinausgehen, werden wichtiger

Viele Unternehmen der Finanzbranche ziehen zudem neue Ansätze der Entlohnung in Erwägung, die über das fixe und variable Gehalt hinausgehen. Damit wollen sie gefragte Mitarbeiter am Markt für sich gewinnen und an ihr Unternehmen binden. Zu den wichtigsten geplanten oder bereits umgesetzten Maßnahmen in Europa gehören für 50 Prozent der Befragten in Europa die Möglichkeit von Zuhause aus zu arbeiten (weltweit: 43 Prozent), flexible Arbeitszeitgestaltung (41 Prozent; weltweit: 37 Prozent), Trainings- und Entwicklungsprogramme (41 Prozent; weltweit: 47 Prozent), und nicht- monetäre Belohnungs- und Anerkennungsprogramme. „Gehälter sind schon längst nicht mehr alles“, so Vergütungsexpertin Stutz. Neben einem ordentlichen Gehalt wünschen sich laut Mercer aber immer mehr Mitarbeiter auch andere Benefits von ihrem Arbeitgeber: Mehr und mehr geht es um Flexibilität bei der Arbeit, Unterstützung bei der Karriereentwicklung und Sinnfindung im Beruf.

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