Was Aufsichtsräte wissen sollten: 5 Erfolgs-Tipps

Was Aufsichtsräte wissen sollten: 5 Erfolgs-Tipps

Als Kontrollorgane nehmen Aufsichtsräte Schlüsselfunktionen in Unternehmen ein. Werner Hoffmann, Lehrgangsleiter des Governance Excellence Programms der WU Executive Academy, nennt die fünf größten Herausforderungen und gibt Erfolgs-Tipps für Aufsichtsräte.

Ein Aufsichtsratsmandat in einem Unternehmen ist kein Kinderspiel. Als Kontrollorgane sind die Aufsichtsräte Schlüsselfaktoren bei kritischen und tiefgreifenden Unternehmensentscheidungen und tragen so dazu bei, fahrlässig verursachte Unternehmenspleiten, die sogar Wirtschaftskrisen auslösen können, zu vermeiden.

Das erfordert Weitblick, fachliche Expertise und vor allem auch soziale Kompetenzen. Strategie- und Managementberater Werner Hoffmann, Lehrgangsleiter des Governance Excellence Programms der WU Executive Academy und Leiter des Instituts für Strategisches Management an der WU Wien, analysiert die größten Herausforderungen, denen sich Aufsichtsräte stellen müssen, und gibt persönliche Erfolgs-Tipps für diese Funktion.


Die 5 größten Herausforderungen und Erfolgs-Tipps für Aufsichtsräte

1. Ein zukunftsträchtiges Geschäftsmodell sicherstellen, das die Chancen und Risiken der Digitalisierung berücksichtigt

Viele angestammte Geschäftsmodelle werden derzeit durch den technologischen Wandel in Frage gestellt (Disruption). Für manche Unternehmen stellt sich sogar die Herausforderung, ihren Unternehmenszweck (Purpose, Mission, Vision) neu definieren zu müssen. Dabei sollte die Digitalisierung vielmehr als Chance begriffen und genützt werden, um Kundenprobleme besser und billiger zu lösen, als das bisher der Fall war.

Erfolgs-Tipp: Beauftragen Sie den Vorstand, bei der nächsten Strategierevision umfassend auf die Auswirkungen der Digitalisierung auf das Geschäftsmodell/die Geschäftsmodelle des Unternehmens einzugehen und Vorschläge zur Geschäftsmodellinnovation zu unterbreiten.


2. Das Top-Managementteam richtig zusammenstellen und in geeigneter Form incentivieren

„Strategy follows people“ – über keine andere Aufgabe, für die der Aufsichtsrat unmittelbar operativ zuständig ist, bestimmt er die Zukunft und den künftigen Erfolg eines Unternehmens so stark wie über die Auswahl und Incentivierung des Vorstandes. Dabei kommt es nicht nur darauf an, die richtige Person für eine freiwerdende Vorstandsposition zu finden, sondern vor allem auch darauf, den richtigen Mix an Qualifikationen, Erfahrungen und persönliche Eigenschaften im Gesamtvorstand im Auge zu haben. Letztlich geht es darum, wie gut das Gespann bzw. Team an der Spitze des Unternehmens funktioniert – nicht um eine einzelne Person. Die richtige, d.h. strategiekonforme und den nachhaltigen Unternehmenserfolg belohnende Incentivierung spielt dabei ebenfalls eine zunehmend wichtige Rolle.

Erfolgs-Tipp: Planen Sie die Nachfolge für Spitzenführungskräfte systematisch, damit sie neben den individuellen Qualifikationen und Anforderungen auch dem richtigen Mix (komplementäre Zusammensetzung) des Top-Managementteams Rechnung trägt.


3. Für ein systematisches Corporate Risk Management sorgen, das unternehmerische Chancen und Risiken ausgewogen abbildet

Dem Aufsichtsrat wird häufig vor allem die Verantwortung zugeordnet, Unternehmenskrisen und Pleiten zu verhindern. Um dieser Rolle auch gerecht werden zu können, hat der Aufsichtsrat dafür zu sorgen, dass im Unternehmen ein Corporate Risk Management System etabliert wird, das die unternehmerischen Risiken und Chancen erfasst, bewertet, verknüpft und entsprechende Managementhandlungen anstößt und verfolgt. Wichtig ist dabei, eine einseitige Fixierung auf Risiken zu vermeiden und einen angemessenen „Risikoappetit“ festzulegen – und dabei nicht zu vergessen, dass Unternehmertum immer bedeutet, Risiken wohl überlegt einzugehen.

Erfolgs-Tipp: Stellen Sie sicher, dass das Unternehmen über ein systematisches, institutionalisiertes Corporate Risk Management-System verfügt, das nicht nur Risiken, sondern auch unternehmerische Chancen berücksichtigt (Achtung: Risk Management richtig verstanden, ist weit mehr als ein internes Kontrollsystem).


4. Die Arbeit im AR-Gremium effektiv organisieren – „Einzelkämpfer“ zu einem vertrauensvoll und eng zusammenarbeitenden Team verbinden

Nicht nur der Vorstand, sondern auch der Aufsichtsrat ist zunehmend als Team zu begreifen, ein Aufsichtsrats-Gremium funktioniert dann besonders effektiv und effizient, wenn eine Vertrauensbasis zwischen den handelnden Personen vorhanden ist und die Arbeit im Gremium effizient organisiert (verteilt und koordiniert) ist. Dies zu gewährleisten, ist sicherlich eine der wichtigsten Aufgaben des/r AR-Vorsitzenden.

Erfolgs-Tipp: Der/die AR-Vorsitzende soll ein besonderes Augenmerk auf die Zusammensetzung und das Teambuilding im AR-Gremium legen.


5. Durch Eigen- und Fremdevaluierung und gezielte Weiterbildung die Wirksamkeit der Gremienarbeit systematisch verbessern

Die regelmäßige AR-Evaluierung sollte nicht als bürokratische Pflichtübung, sondern als Möglichkeit zur systematischen Reflexion der Effizienz und Effektivität der Gremienarbeit verstanden und genützt werden. Durch Einbeziehung externer Experten als Moderatoren und Know-how Geber auf Augenhöhe („Peers“), können die Qualität und der Nutzen der AR-Evaluierung wesentlich gesteigert werden. Außerdem empfiehlt sich die gezielte laufende Weiterbildung der AR-Mitglieder, um sicherzustellen, dass alle Mitglieder am neuesten Stand der rechtlichen Rahmenbedingungen und des Standes des Wissens auf allen für die Unternehmensaufsicht wesentlichen Themengebieten sind.

Erfolgs-Tipp: Zumindest alle drei Jahre sollte eine professionelle Fremdevaluierung der Aufsichtsratsarbeit durch externe Experten bzw. Peers durchgeführt werden, um daraus wesentliche Ansatzpunkte zur Weiterentwicklung der Gremienarbeit zu gewinnen.


Zur Person

Werner H. Hoffmann hat sich als Vordenker und Vorreiter („Thought Leader“) auf dem Gebiet des Strategischen Managements etabliert. Er ist Vorstand des Instituts für Strategisches Management der Wirtschaftsuniversität Wien und akademischer Direktor des Masterprogramms „Strategy, Innovation and Management Control“ der WU Executive Academy. Er war Gründer und von 1991 bis 2015 Vorsitzender der Geschäftsführung von Contrast Management-Consulting und ist seit 2016 Partner von Contrast EY Management-Consulting, wo er im Bereich Advisory Services die Strategieberatung für Deutschland, Schweiz und Österreich leitet. Weiters ist Hoffmann Mitglied in mehreren Aufsichtsräten und Beiräten.

Werner Hoffmann

Werner Hoffmann


WU Executive Academy

Die WU Wien bündelt in ihrer Executive Academy ihr Programmportfolio im Bereich „Executive Education“. Dazu zählen MBA und Master of Laws Programme, das Universitätsstudium Diplom BetriebswirtIn, Universitätslehrgänge, Custom Programs und Kurzprogramme. Durchschnittlich 800 Graduate Students und ca. 1.200 Führungskräfte, Fachleute und High-Potentials aus über 75 Ländern werden jedes Jahr in den Programmen aus- und weitergebildet.

executiveacademy.at

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