"Arnies" Kabinettschef als Professor

"Arnies" Kabinettschef als Professor

"Arnies" Kabinettchef David Crane (li.) lehrt seinen Wiener MBA-Student Robin Lumsden am Campus in Stanford.

Der Wiener Rechtsanwalt Robin Lumsden absolviert in Stanford gerade ein MBA-Studium. Einmal im Monat schreibt er an dieser Stelle über seine Erlebnisse und Erfahrungen. Diesmal: Der frühere Kabinettschef von Gouverneur Arnold Schwarzenegger, David Crane, lehrt den Umgang mit politischen Krisen, inklusive medialer Bewältigung bei CNN und Fox.

DAVID CRANE ist in Kalifornien eine Legende. Von 2004 bis 2010 war der Unternehmer der Vordenker von Arnold Schwarzenegger, der als 38. Gouverneur Kalifornien regierte, die siebtgrößte Volkswirtschaft der Welt. Nun ist Crane Professor an der Stanford University und zählt zu jenen Lehrkräften, die mich am meisten beeindrucken.

Natürlich kann ich Schwarzeneggers aktuelle politische Aktivitäten wie seinen jüngsten Auftritt in Wien bei der von ihm initiierten Umweltkonferenz Austrian World Summit nur aus der Ferne verfolgen. Umso spannender waren die Schilderungen von David Crane in Stanford. Seine zusammenfassende Einschätzung von "Arnies" siebenjähriger Amtszeit: Schwarzenegger wäre noch erfolgreicher in die Geschichte eingegangen, wären die USA nicht zu Ende seiner Amtszeit in eine Rezession gestürzt.

Tatsächlich hatte er zuvor seit seiner Wahl am 17. November 2003 mehrere Projekte erfolgreich verwirklichen können. Vor allem dank seiner Fähigkeit, über traditionelle Parteigrenzen hinweg auch Gegner einzubinden. Schwarzenegger war nie ein konservativer Republikaner. Die "Tea Party" kritisiert ihn bis heute scharf. Als liberaler Republikaner verstand er es, auch die Demokraten zu integrieren, ein Must angesichts der stabilen demokratischen Mehrheiten im kalifornischen Parlament von Sacramento.

Zu seiner großen Popularität trug nicht nur sein Image als Schauspieler bei - wichtig im Hollywood- Staat. Das hatte bereits Ronald Reagan als Gouverneur 30 Jahre zuvor zu nutzen gewusst. Auch Schwarzeneggers demonstrativ volksnahe Amtsführung trug zur Beliebtheit bei. So verzichtete er auf sein politisches Gehalt.

Wenig liberal war freilich seine unnachgiebige Haltung zur Todesstrafe. Dass das Grazer Fußballstadion heute deswegen nicht mehr nach ihm benannt ist, sondern nach der Merkur Versicherung, wird er inzwischen wohl auch verwunden haben.

IN HEUTIGEN KALIFORNIEN ist die Politik Schwarzeneggers hingegen eher wegen seiner damaligen Budgetpolitik umstritten. Dazu kamen ab 2007 die Auswirkungen der Finanzkrise. Ein Kürzungspaket in der Höhe von 12,4 Milliarden Dollar beinhaltete starke Einschränkungen im Sozial-, Bildungs- und Gesundheitsbereich und steigerte nicht gerade seine Beliebtheitswerte.

Popularität wiedererlangte die Ära Schwarzenegger mit seiner international vorbildhaften Umweltpolitik: so unterzeichnete der Gouverneur gegen die Linie "seines" Präsidenten George W. Bush, der das Kyoto-Abkommen nicht ratifiziert hatte, ein Abkommen zur drastischen Reduzierung der Treibhausgase, gegen das die Automobilindustrie vergeblich Sturm lief. Völlig unbestritten sind seine Bemühungen zur Förderung der erneuerbaren Energie, für die Schwarzenegger auch international wirbt - etwa mit solchen Konferenzen wie dem Austrian World Summit. 2006 wurde Schwarzenegger noch einmal gewählt, 2010 durfte er gemäß der kalifornischen Verfassung nicht mehr antreten.

David Crane fungierte diese sechs Jahre lang als Schwarzeneggers Kabinettschef, als politischer Stratege und Ideengeber, vor allem als personifizierter Brückenbauer. Der heute 64-jährige Jurist hatte sich als Demokrat bereit erklärt, den politisch damals noch unerfahreneren Schwarzenegger zu führen. In Kalifornien ist es - auch aufgrund der täglich gelebten Unternehmenskultur - üblich, dass die klügsten Köpfe politische Entscheidungsträger beraten. Ungewöhnlich für Europa, wo meist Parteisoldaten "unbequemen" Persönlichkeiten, die mitunter eigene Meinungen vertreten, vorgezogen werden. Crane ist eine solche unabhängige Persönlichkeit. Ich hatte das Glück, von ihm drei Monate lernen zu dürfen, wie das politische System der USA und hier im Silicon Valley im Detail funktioniert.

VOR SEINER ZEIT mit Schwarzenegger war David ein erfolgreicher Unternehmer im Silicon Valley. Und er war auch am Board meiner alten Law School in Berkeley, wo er über ein Milliardenbudget verfügte. Jetzt unterrichtet er hier in Stanford und fordert uns in einer Policy-Class mit Wirtschaftsschwerpunkt. Wir müssen - ähnlich wie beim Militär - auf eine "Krise" kurzfristig reagieren, sie sowohl medial als auch inhaltlich "managen", müssen in CNN und Fox nachgebildeten Fernsehstudios und gegenüber prominenten TV-Moderatoren im Livestream bestehen, während die Klassenkollegen das Interview nebenan verfolgen und weitere Strategien ausarbeiten.

Zum Abschluss müssen wir uns auch in einer "republikanischen" Wahlentscheidung beweisen. Damit der Druck dabei noch weiter steigt, kommt auch der Dean der Business School vorbei und bewertet unsere Leistungen mit einigen Journalisten.

Viel lockerer und cooler, als David Crane unterrichtet, geht es nicht mehr. Er erinnert mich an einen meiner Lieblingsfilme und erscheint mir als eine Art intellektueller Matthew McConaughey: jener Schauspieler, der seinen großen Durchbruch als Rechtsanwalt Jake Brigance in "Die Jury" feierte, basierend auf dem gleichnamigen Roman von John Grisham.

Es ist mir geglückt, David Crane für meine Projekte (auch gemeinsam mit dem 16 Jahre lang als Google-CEO agierenden Eric Schmidt) zwischen der amerikanischen und österreichischen Welt als Mentor zu gewinnen. Ein cooler Zufall, dass ich und meine Anwaltskanzlei auch Teile der großen Familie Schwarzenegger in den USA und Österreich rechtlich vertreten. Ich würde meinen, mein Leben ist sehr spannend. Danke, Stanford und Berkeley.

Zur Person

ROBIN LUMSDEN , 40, ist als Wirtschaftsanwalt in Wien, New York und Washington, D.C. zugelassen. Er ist auch Integrationsbotschafter von Sebastian Kurz und Konsul von Jamaika in Österreich.



Der Gastbeitrag ist im trend 21/2018 am 25. Mai 2018 erschienen

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