Arbeitsmarkt- und Talentstudie: Gehalt und Freizeit müssen stimmen

Wer glaubt, die junge Arbeitnehmergeneration setzt bei der Wahl des Arbeitgebers nur auf Atmosphäre und Freizeit, liegt falsch. Berufseinsteiger interessieren sich vor allem für ein gutes Startgehalt. Was für Studierende und Berufstätige in Österreich am Arbeitsplatz wichtig ist.

Arbeitsmarkt- und Talentstudie: Gehalt und Freizeit müssen stimmen

Bei der Wahl des neuen Arbeitgebers sind vor allem ein hohes Gurndgehalt und eine gute Work-Life-Balance entscheidend.

Österreicher sind sich einig darin, was einen besonders attraktiven Arbeitgeber ausmacht: Ein wettbewerbsfähiges Grundgehalt toppt alle anderen Kriterien. Dieser Trend hat sich seit letztem Jahr weiter verdeutlicht und zeigt sich nun bei Studierenden und Berufstätigen aller Fachrichtungen, bei Männern wie Frauen.

2015 war das Gehalt bei Studierenden nur auf Platz drei, besonders für weibliche Studierende waren vielseitige Arbeitsaufgaben und ein freundliches Arbeitsumfeld noch wichtiger als ein attraktives Grundgehalt. „Durch die Lohntransparenz in Österreich kennen Studenten und Studentinnen das minimale Gehalt. Dies führt zu einer bewussteren Auseinandersetzung mit dem Lohnthema – auch bei Studentinnen. Dabei rücken andere Faktoren in den Hintergrund“, erklärt Yves Schneuwly, Geschäftsführer von Universum Österreich.

Das sind die beliebtesten Branchen

Betriebswirtschaftler bevorzugen die Branchen Management- und Strategieberatung sowie Banken. Bei Ingenieuren und Informatikern sind Banken jedoch gar nicht hoch im Kurs. Dabei suchen gerade diese verzweifelt nach Tech-Talenten.

Automobilhersteller wie Audi, BMW und Porsche sind weiterhin in den Top 10 der Rankings gut vertreten. Der öffentliche Sektor ist auf der Beliebtheitsskala stark gestiegen: die Finanzmarktaufsicht, das Außenministerium sowie das Bundesrechenzentrum gewinnen an Attraktivität. Diese und weitere spannende Erkenntnisse zeigen die neusten Ergebnisse der Universum größte Arbeitsmarkt- und Talentstudie in Österreichs, welche jährlich vom Beratungsunternehmen Universum durchgeführt wird.

Niedriglohnland Österreich

Ein Vergleich mit anderen westeuropäischen Ländern zeigt, dass der österreichische Lohn tendenziell tief ist. Die Lohndifferenz zwischen Frauen und Männern ist bei jungen Betriebswirtschaftlern am größten. Ein Vergleich zwischen Studienrichtungen zeigt: Beim Einstiegsgehalt (0-2 Jahre Arbeitserfahrung) von Betriebswirtschaftlern beträgt der Lohnunterschied satte 11, 03 Euro/Jahr zwischen Männern (40,84 Euro) und Frauen (29,81 Euro). Beim Anfangsgehalt von Ingenieuren/Informatikern ist die Gehaltsdifferenz mit 4,32 Euro/Jahr zwischen Männern (38,55 Euro) und Frauen (34,25 Euro) tiefer.

Geschlechterunterschiede bei Lohnerwartungen vor Arbeitsbeginn

Stellt man die Gehaltserwartungen von Studierenden dem effektiven Einstiegslohn gegenüber, so fällt auf, dass die Gehaltserwartungen viel tiefer sind.

Weiter interessant ist, dass Frauen mit jeweils tieferen Lohnerwartungen ins Berufsleben einsteigen als Männer. In der Betriebswirtschaft sind dies 34,05 Euro/Jahr bei Männern und 29,64 Euro/Jahr bei Frauen.

Im Bereich Ingenieurswesen/Informatik betragen die Erwartungen 36,57 Euro bei Männern und 30,56 Euro bei Frauen. „Es fällt auf, dass bei Ingenieurinnen und Informatikerinnen die Differenz des erwarteten Gehalts gegenüber dem effektiven Einstiegsgehalt von 3,63 Euro pro Jahr relativ hoch ist. Einerseits weist dies darauf hin, dass österreichische Arbeitgeber nicht von den tiefen Lohnerwartungen der Ingenieurinnen und Informatikerinnen profitieren. Andererseits ist diese Differenz ein Hinweis darauf, dass Frauen im Tech-Bereich sehr gefragt sind“, meint Schneuwly.

Gehalt und Aufstiegsmöglichkeiten entscheiden bei Jobwechsel

Die Wichtigkeit des Lohnes zeigt sich auch bei den Beweggründen eines Stellenwechsels: Um den Job zu wechseln, ist österreichischen Arbeitnehmern in erster Linie ein höheres Gehalt wichtig, das zweitwichtigste Kriterium sind verbesserte Aufstiegsmöglichkeiten.

Das wollen Österreichs Absolventen

Österreichische Studenten sind anspruchsvoll. Neben den kurzfristigen Erwartungen an einen Arbeitgeber, wie ein attraktiven Grundgehalt und die Aussicht auf ein höheres zukünftiges Einkommen, ist ihnen langfristig eine gute Work-Life Balance sehr wichtig. Work-Life Balance ist seit einigen Jahren das Karriere-Ziel Nummer eins. Dazu gehört aber mehr, als zunächst vermutet: Für 46 Prozent der Studierenden ist der Begriff „Work-Life Balance“ stark mit einer positiven Arbeitsatmosphäre verknüpft. Weit weniger Studierende bezeichnen andere Faktoren wie flexible Arbeitsstunden (23 Prozent) oder flexible Arbeitsbedingungen (17 Prozent) als charakteristisch für die Work-Life Balance.

Als zweites Karriereziel kristallisiert sich bei Studierenden intellektuelle Herausforderung deutlich heraus, darauf folgt Stabilität und Sicherheit im Job als Karriereziel Nummer drei. Die Bedürfnisse nach Herausforderungen und Sicherheit schlagen sich auch in den Rankings nieder. Bei Studierende sind Firmen, die gleichzeitig Innovation sowie Sicherheit ausstrahlen in den Top 10 vertreten. Beispiele sind große, stabile und krisenresistente Firmen, welche auch mit finanzieller Sicherheit assoziiert werden wie Red Bull, Google und BMW.

Banken unbeliebt bei Informatikern

„Es fällt auf, dass in der Kategorie Ingenieurwesen/Informatik keine Banken in den oberen Rängen vertreten sind“, spricht Schneuwly das Ranking der Techniker an „Banken werden noch nicht mit Innovation und einem freundlichen Arbeitsumfeld in Verbindung gebracht. Sie müssen lernen, wie diese Faktoren in der Arbeitgeberkommunikation richtig artikuliert werden können".

Auch die letztjährige Bankenstudie von Deloitte zieht den Schluss, dass Banken unter Österreichs Studierenden kein gutes Image haben. Anders bei Betriebswirtschaftlern: 23 Prozent würden gerne in einer Bank arbeiten, etwas mehr noch in der Management- und Strategieberatung (34 Prozent).

Die Top 5 der attraktivsten Arbeitgeber Österreichs 2016

Viele österreichische Firmen in den Top 10

Nach wie vor sind österreichische Firmen wie ORF oder Voestalpine prominent in den Top-Rängen platziert. Auch Unternehmen des öffentlichen Sektors wie das Außenministerium und das Bundesrechenzentrum sind hoch im Kurs.

Stark gestiegen seit letztem Jahr bei Studierenden und Berufstätigen sind die Finanzmarktaufsicht und Voestalpine. Letztere hat sich im Bereich Betriebswirtschaft bei Berufstätigen um sieben Plätze, bei den Studenten um acht Plätze verbessert und hat auch im Bereich Ingenieurwesen/Informatik bei Berufstätigen um vier Plätze dazugewonnen.

Red Bull bleibt die Nummer eins bei den Wirtschaftsstudierenden und -professionals und hält einen beachtlichen Abstand (rund 6 Prozent) zur Nummer zwei Google.

Automobilhersteller wie BMW, Audi oder Porsche bleiben weiterhin bei Studierenden und Berufstätigen sehr gut repräsentiert in den Top 10. Interessant ist, dass sich McKinsey & Company bei den Studierenden zwar um fünf Plätze verschlechtert hat, jedoch gleichzeitig im Ranking der Berufstätigen um elf Plätze in die Höhe geschnellt ist.

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