Arbeitslosigkeit in Österreich und der EU: Eine aktuelle Übersicht

Arbeitslosigkeit in Österreich und der EU: Eine aktuelle Übersicht

Das milde Wetter hat für Arbeitslosen-Minus am Bau gesorgt.

Um 0,1 Prozentpunkte ist die Arbeitslosigkeit hierzulande gesunken, EU-weit liegt die Quote auf dem niedrigsten Wert seit sechs Jahren. Vor allem das milde Wetter hat sich heuer in Österreich günstig auf das Baugewerbe ausgewirkt.

Die Arbeitslosenrate in der EU und in der Eurozone geht weiter zurück. Im Jänner erreichte sie mit 8,9 Prozent den niedrigsten Stand seit Mai 2009. In der Währungszone sank sie mit 10,3 Prozent auf den tiefsten Wert seit August 2011, geht aus den jüngsten Daten von Eurostat hervor. Österreich lag mit 5,9 Prozent nur mehr auf dem sechstbesten Platz und musste damit im Jahresvergleichdie zweithöchste Steigerung der Arbeitslosigkeit (von 5,5 auf 5,9 Prozent) nach Lettland (von 9,7 auf 10,4 Prozent) hinnehmen. Der dritte EU-Staat mit einem Anstieg ist Finnland (von 9,1 auf 9,4 Prozent). In Estland blieb der Stand mit 6,3 Prozent unverändert, in den restlichen 24 Ländern der Europäischen Union wurden sinkende Werte verbucht.

Leichter Rückgang der Arbeitslosenquote in Österreich

Am österreichischen Arbeitsmarkt ist seit langem die nationale Arbeitslosenquote ohne Schulungsteilnehmer erstmals gesunken, nämlich im Februar um 0,1 Prozentpunkte auf 10,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die Zahl der Schulungsteilnehmer beim AMS erhöhte sich hingegen um 2,3 Prozent auf über 70.000 Personen.

Die absoluten Arbeitslosenzahlen sind im Februar in Österreich weiter gestiegen und verharren damit auf Rekordniveau: Ende Februar waren 475.931 Menschen ohne Job, um 2,1 Prozent mehr als vor einem Jahr. Bereits im Jänner war das Plus mit 4,6 Prozent niedriger ausgefallen als in den Vormonaten. Ende Februar gab es 405.722 vorgemerkte Arbeitslose, das waren um 2,0 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, teilte das Sozialministerium am Dienstag in einer Aussendung mit.

Arbeitslosen-Minus am Bau und bei Männern, starkes Plus bei Frauen

Der kräftige Rückgang der Arbeitslosenzahlen in der Baubranche um 10 Prozent hat die Arbeitslosenzahlen bei Männern im Februar insgesamt um 0,4 Prozent sinken lassen. Per Ende Februar gab es hingegen ein kräftiges Plus bei Frauen (+6,3 Prozent). Das Arbeitslosen-Plus im Handel - unter anderem wegen der Zielpunkt-Pleite - um 4,8 Prozent auf 56.570, wirkte sich vor allem für Frauen negativ aus. Bei Inländern wurde ein Arbeitslosen-Anstieg von 0,4 Prozent auf 293.068 Betroffene und bei ausländischen Arbeitskräften ein Plus von 6,4 Prozent.

Während Unter-25-Jährige und ältere Personen über 50 Jahre mit plus 5,6 bzw. plus 7,1 Prozent eher unterdurchschnittlich betroffen sind, liegt der Anstieg bei Wiedereinsteigerinnen - beispielsweise Frauen, die nach einer Babypause wieder eine Arbeit suchen - über dem Durchschnitt. Diese Gruppe wuchs um 11 Prozent.

"Auch im Februar hat sich der Trend der letzten Monate fortgesetzt, der Anstieg der Arbeitslosigkeit hat sich weiter verlangsamt", kommentierte Sozialminister Alois Stöger (SPÖ) am Dienstag die aktuellen Rekord-Arbeitslosenzahlen in einer Aussendung. "Von einer Erholung kann man aber trotzdem nicht sprechen", betonte Stöger. Der starke Rückgang der Arbeitslosenzahlen am Bau sei auf den "milden Winter" zurückzuführen. Unter dem Schneemangel litt wiederum der Tourismus.

Mehr Arbeitslose im Gesundheits- und Sozialwesen sowie Tourismus

Nach Branchen betrachtet stieg die Arbeitslosigkeit am stärksten im Gesundheits- und Sozialwesen (+9,4 Prozent) und Tourismus (+6,3 Prozent). Ein Arbeitslosen-Rückgang wurde bei der Herstellung von Waren (-1,8 Prozent) und der Arbeitskräfteüberlassung (-1,4 Prozent) verzeichnet.

Die Beschäftigung ist in Österreich im Februar weiter gestiegen. Die Zahl der aktiv unselbstständig Beschäftigten erhöhte sich per Ende Februar laut einer vorläufigen Prognose um 46.000 Personen (+1,4 Prozent) auf 3,416 Millionen. Die Zahl der gemeldeten offenen Stellen ist - wie im Vormonat - stark um 41,4 Prozent auf 35.851 gestiegen.

Die Arbeitsmarktlage entwickelt sich derzeit besser für Junge als für ältere Arbeitskräfte. Die Zahl der älteren vorgemerkten Arbeitslosen ab 50 Jahren stieg per Ende Februar um 5,9 Prozent auf 110.500, sank bei 15- bis 24-Jährigen aber um 3 Prozent auf 50.354. Am Lehrstellenmarkt gab es hingegen mehr Suchende als gemeldete offene Stellen. Die Lehrstellenlücke erhöhte sich um 72 auf 2.384.

Im Februar waren über 22.000 anerkannte Flüchtlinge und subsidiär Schutzberechtigte ohne Job, hieß es vom AMS. Das entspricht einem Plus von 2,6 Prozent gegenüber Jänner und einem Anstieg von 55 Prozent gegenüber Februar 2015.

Bundesländer im Vergleich

Nach Bundesländern betrachtet ist die Lage am Jobmarkt in Westösterreich deutlich besser als in Ostösterreich: Die Arbeitslosenzahlen stiegen in Wien um 7,4 Prozent und sanken in Tirol um 6,1 Prozent. Steiermark (+1 Prozent) und Kärnten (+0,9 Prozent) stieg leicht an, Salzburg (-4 Prozent) und Vorarlberg (-3,5 Prozent) verzeichneten einen Rückgang. Zusätzlich erhöhte sich die Zahl der Schulungsteilnehmer in Wien (+11 Prozent), Vorarlberg (+6,5 Prozent), Oberösterreich (+0,4 Prozent) und verringerte sich in Kärnten (-13,8 Prozent), Steiermark (-6,4 Prozent) und Salzburg (-4 Prozent).

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