Accounting: Die Angst des CFOs vor dem Elfmeter

Die Rechnungslegung ist die Basis zur Darstellung der Ertrags-, Vermögens- und Finanzlage eines Unternehmens. In diesem zentralen Bereich des Finanzwesens scheint jedoch die Digitalisierung zu stocken. Dabei könnte die digitale Transformation gerade hier zum aufgelegten Elfmeter für die Unternehmensentwicklung werden.

Thema: Management Commentary
Martin Obritzhauser, Senior Project Manager Horváth & Partners

Martin Obritzhauser, Senior Project Manager Horváth & Partners

Das Handelsgesetzbuch gibt die Richtschnur vor. Hauptaufgabe des externen Rechnungswesens ist es, die finanzielle und wirtschaftliche Situation für sich selbst, aber auch alle anderen Interessenten – Finanzamt, Lieferanten und Gläubiger – korrekt abzubilden. Dafür ist in großen Unternehmen oftmals eine Vielzahl von Buchhaltern zuständig, deren Aktivitäten nun durch Automatisierung und künstliche Intelligenz übernommen werden könnten. Das ist nicht nach Jedermanns Geschmack, bedeutet es doch, dass die digitale Disruption ins Herz jedes Unternehmens vorstößt.

Frühzeitige Einbindung wichtig

Aber: niemand kommt um laufende Trends herum. Das sich verändernde Marktumfeld macht Anpassungen und Neuerungen von bestehenden Geschäftsmodellen nötig, die es entsprechend Compliance-gerecht und buchhalterisch korrekt abzubilden gilt. Auf der anderen Seite zwingen immer neuere Technologien und Anwendungen dazu, den Accounting-Bereich weiterzuentwickeln. Egal ob Effizienz, Qualität oder Kostenreduktion – all das kann jedenfalls nur erzielt werden, wenn das Rechnungswesen frühzeitig in die Einführung neuer, digitaler Geschäftsmodelle eingebunden wird.

Damit das Accounting einen positiven Wertbeitrag zur Optimierung leisten kann, ist eine ganzheitliche Sicht im Unternehmen erforderlich. Dazu gehört die Integration der Accounting-Prozesse in funktions- und systemübergreifende End-to-End-Prozesse, notwendige Veränderungen in der Organisation und die Weiterentwicklung mit State-of-the-Art-Systemen und Methoden. Eine aktuelle Horváth-Studie zeigt auf, dass die Digitalisierung zu signifikanten Änderungen in der prozessualen, organisationalen und systemischen Ausgestaltung des externen Rechnungswesens führen wird.

Qualität im Vordergrund

Die Befragung von Top-Finanzverantwortlichen zeigt, dass Qualität und Effektivität für die Automatisierung deutlich wichtiger sind als Kostenreduktion und Effizienzgewinne. Damit die End-to-End-Integration perfekt gelingt, braucht es neben der verbesserten Transparenz und Vereinheitlichung der IT-Landschaft neue Rollenmodelle und klare Verantwortlichkeiten. Gerade bei der Umsetzung von End-to-End-orientierten Arbeitsweisen hapert es aber oftmals: So schlagen Änderungen des Marktumfeldes in der Regel nicht initial im Accounting auf, sondern im Vertrieb oder Einkauf.

Organisation im Fluss

Klar scheint, dass die Digitalisierung gerade im Accounting zu signifikanten Veränderungen der Organisation führen wird. Durch den Wegfall vieler transaktionaler (und manueller) Tätigkeiten entstehen Potenziale für eine deutliche Neuausrichtung der Organisation und Kultur. Gerade die analytischen Aufgabenbereiche benötigen ganz andere, vielleicht noch gar nicht vorhandene Kompetenzen, das heißt eine Anpassung der Mitarbeiterprofile von funktional spezialisierten Experten zu funktionsintegrierenden, rollenbasierten Datenspezialisten. Gleichzeitig wird der Ausbau zentraler Governance-Einheiten als bedeutsam eingestuft.

Datenflut organisiert

Zusätzlich steht das Rechnungswesen vor der wohl unvermeidlichen Aufgabe, die immer größeren Datenberge in seiner künftig immer komplexeren Systemlandschaft effizient zu managen und zu modellieren. Neben der besseren Grundlage für Kosteneinsparungen und Effizienzgewinnen durch erleichterte Automatisierung und Prozessintegration kann dies aber zu einer echten Verbesserung der Aussagekraft von Analysen und Reportings führen, sind sich die befragten CFOs einig.

Es zeigt sich also in allen Bereichen, dass die Digitalisierung die Qualität und den Wertbeitrag des Accountings steigern kann, auch wenn Kosten- und Effizienzdruck gar nicht im Vordergrund stehen. Die Studie verdeutlicht, dass die Unternehmen bereits eine Vielzahl von Maßnahmen ergriffen haben, um dieses Ziel zu erreichen. Dennoch überrascht die Zögerlichkeit der Finanzverantwortlichen, sieht man sich den vergleichsweise geringen Umsetzungsgrad der Maßnahmen an.

Fazit: War die digitale Transformation bisher vor allem ein Thema für Geschäftsmodelle und Prozesse, wird sie nunmehr zum pulsierenden Herzstück jedes Unternehmens. Mit dem Accounting steht und fällt die Organisation von Daten, Prozessen und Ressourcen. Gefragt sind jetzt klare Rollen und Verantwortlichkeiten, neue digitale Kompetenzen und intelligentes Datenmanagement – kurzum perfekte Aussichten für die Zukunft des CFOs. Gute Torjäger unter den Finanzverantwortlichen haben jetzt Chancen zu scoren.


Über den Autor

Martin Obritzhauser ist Senior Project Manager bei der Managementberatung Horváth & Partners in Wien.

Die Accounting-Studie 2020 "Auswirkungen der Digitalisierung auf das externe Rechnungswesen" steht hier Link zum Download bereit.


Die Serie "Management Commentary" ist eine Kooperation von trend.at und der Unternehmensberatung Horváth & Partners. Die bisher erschienen Beiträge finden Sie zusammengefasst im Thema "Management Commentary".


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