Österreichische Conwert fürchtet feindliche Übernahme durch Adler

Österreichische Conwert fürchtet feindliche Übernahme durch Adler

Der deutscher Aktionär Adler will drei von vier Verwaltungsräten von Conwert austauschen. Die aktuelle conwert-Führung warnt vor Kontrollübernahme durch Adler. Warnungen kommen indes vom Kleinaktionärsvertreter Rasinger, der darin ein "Vabanque-Spiel" von Adler sieht.

Frankfurt/Wien. Der Machtkampf um den börsenotierten Wiener Immobilienkonzern conwert ist neu aufgeflammt. Am Donnerstag hat die deutsche Adler Real Estate AG als größter Einzelaktionär die Abwahl von drei der vier amtierenden Verwaltungsräte verlangt - die wollen aber nicht klein beigeben und rufen die übrigen Aktionäre auf, eine Kontrollübernahme durch Adler abzuwehren. Conwert will den Austausch der Verwaltungsratsmitglieder durch Adler Real Estate verhindern.

Der Verwaltungsrat und das Management werteten den Antrag als "feindselige Aktion gegen die Conwert-Aktionäre", hieß es in einer am Freitag veröffentlichten Stellungnahme von Conwert. "Die Vorgehensweise von Adler lässt darauf schließen, dass Minderheitsaktionäre die Kontrolle über den Verwaltungsrat anstreben."

Adler - mit 22,37 Prozent der größte Einzelaktionär von conwert - hatte gestern die Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung verlangt, bei der die Verwaltungsräte Barry Gilbertson, Peter Hohlbein und Alexander Proschofsky abgewählt werden sollen.

An ihrer Stelle sollen Dirk Hoffmann und der ehemalige Vorstandschef der Deutschen Annington (heute Vonovia), Wijnand Donkers in den conwert-Verwaltungsrat einziehen. Donkers sei Partner des Conwert-Aktionärs Petrus Advisers, der mit Adler verbündet sei.

Der dritte Nominierte, Hermann Wagner, ist Aufsichtsratschef der Immobilienfirma Demire Deutsche Mittelstand Real Estate, die den gleichen Großaktionär wie Adler hat. Zwei der drei Verwaltungsräte, die Adler nun loswerden will, hatten sich erst im Herbst in ihre Positionen eingeklagt: der aktivistische Investor Alexander Proschofsky und der Berliner Immobilienmanager Peter Hohlbein. Sie hatten den Einfluss des früheren Conwert-Großaktionärs Hans-Peter Haselsteiner begrenzen wollen. Dessen Aktienpaket ist inzwischen auf Umwegen für 285 Millionen Euro bei Adler gelandet.


Sie wollen wohl versuchen, ihre Probleme bei Adler in die conwert hineinzutragen

Sollten Hoffmann, Wagner und Donkers von der Hauptversammlung gewählt werden, würden zwei Minderheitsaktionäre - nämlich Adler und die Investmentfondsgesellschaft Petrus Advisers, die mehr als 6 Prozent der Anteile hält - den Verwaltungsrat und damit das Unternehmen kontrollieren, heißt es.

Das Kartellrecht als Hürde

Da Adler und conwert insbesondere auf dem deutschen Immobilienmarkt Konkurrenten seien, könnte eine solche Beherrschung durch Adler zu massiven Interessenkonflikten führen und kartellrechtswidrig sein. Wie Adler und Petrus Advisers die Kontrollübernahme bei der HV gelingen könnte, ist aber fraglich. Für die Abwahl braucht Adler 75 Prozent der anwesenden Stimmen bei der Hauptversammlung.

"Wir sind guter Dinge, dass wir genügend andere Aktionäre auf unsere Seite bringen können", erklärte ein Adler-Sprecher. Das Aktionärstreffen solle im März stattfinden. "Wir erhoffen uns durch den Wechsel eine schnellere Umsetzung der vom Management erklärten Ziele", hieß es in einer Mitteilung. Dieses will Conwert auf Wohnimmobilien konzentrieren.

Kritik zur "Machtergreifung "

Der Plan des Großaktionärs Adler Real Estate die Verwaltungsräte abwählen zu lassen, stößt auch bei den Anlegern auf Kritik. "Das macht mich sehr besorgt", sagte Kleinaktionärsvertreter Wilhelm Rasinger am Freitag zur APA. Eine Machtergreifung durch Adler wäre "nicht im Interesse der conwert-Aktionäre", warnte Rasinger.

"Das ist ein Vabanque-Spiel, was Adler da vorhat", sagte der Kleinanlegervertreter. Es gehe dabei ja nicht nur um Personen, sondern man müsse sich fragen, welche Strategie hinter dieser Vorgangsweise stehe. Adler sei in den letzten Jahren vor allem durch Akquisitionen stark gewachsen, sei aber bei den wichtigsten Finanzdaten wesentlich schlechter aufgestellt als conwert. "Sie wollen wohl versuchen, ihre Probleme bei Adler in die conwert hineinzutragen." Adler habe in letzter Zeit seine Ergebnisse vor allem durch Höherbewertungen dargestellt, "was nicht unbedingt ein Zeichen von Stärke ist".

"Es ist größte Vorsicht geboten, was diese Herrschaften vorhaben. Ich bin davon ausgegangen, dass jetzt ein unabhängiger und kompetenter Verwaltungsrat tätig ist, jetzt kommt es aber zu einer unnötigen Machtdemonstration, die auf dem Rücken der Streubesitz-Aktionäre ausgetragen wird", meinte Rasinger.

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