Zalando schreit vor Unglück: Mehr Umsatz, weniger Gewinn

Zalando schreit vor Unglück: Mehr Umsatz, weniger Gewinn

Die Gleichung, die der Online-Händler Zalando zur Präsentation seiner Ergebnisse schreibt, sind alles andere als ein "Schrei vor Glück!" - wie das Unternehmen in seinen Werbebotschaften die Welt anschreit. Der Umsatz steigt zwar mit 23,7 Prozent kräftig an. Der Gewinn sinkt gleichfalls kräftig - um satte 30,5 Prozent.

Berlin. Gute Argumente muss das Management von Zalando seinen Aktionären bieten, warum die Geschäfte des Online-Händlers alles andere als rund laufen. Denn die Quartalsergebnisse dürften den Anlegern den Werbeslogan "Schrei vor Glück!" nicht einmal mehr als launigen Spruch über die Lippen kommen. Und langsam könnte den Anlegern das Blut in den Venen einfrieren.

Die jüngste Gleichung des Online-Händler zu den Quartalszahlen zeigt eine verkehrte Optik auf, bei der Proportionen kräftig verdreht werden: Der Umsatz legte zwar um 23,7 Prozent auf 796 Millionen Euro zu. Gleichzeitig geht es aber mit dem Gewinn bergab - steil bergab. Nach 29,1 Millionen Euro konnte im Auftaktquartal 2016 nur noch unterm Strich 20,2 Millionen gutgeschrieben werden - heuer somit satte 30,5 Prozent weniger. Es handelt sich dabei um den sogenannte bereinigten Betriebsgewinn vor Abzug von Zinsen und Steuern (Ebit).

Bei soviel Umsatzzuwachs fragt sich der geneigte Aktionär freilich, was da wohl passiert ist. Umsatzzuwachs, vor allem in dieser Dimension, müsste eigentlich auch ein Profitzuwachs in kaum geringerem Ausmaß quasi synchron zur Folge haben. Hat es aber nicht.

Gespannt beäugen Investoren daher auch die Argumente, die Zalando dafür wohl liefert. Das Unternehmen spielte in der Vergangenheit geradezu die komplette Klaviatur der Kommunikation aus, wenn es darum ging, mit Zahlen zu klotzen und nicht zu kleckern. Wie umfangreich waren doch bisher die unzähligen Daten, die das junge Berliner Online-Handelshaus geradezu ins Netzt geflutet hat.

Und nun das Wetter

Für den Gewinneinbruch war diese Mal das Wetter, vulgo Klima Schuld. Was freilich nachvollziehbar ist. Klimaerwärmung, wie es ja seit Jahren heißt, bringt höherer Temperaturen. So greift Zalando zum Wetterbericht. "Ungewöhnlich warm" war der Winter.

Und daher: Die vielen Modeanbieter, die via Zalando ihre Textilien verkaufen, konnten offenbar die Preis nicht halten. Weil die Konsumenten - wieder das Wetter schuld - zugewartet haben und dicke Pullover, Mäntel und Jacken zunächst nicht, dann mit Verzögerung und wenn überhaupt dann eben erst nur im Abverkauf auf Schnäppchenjagd gingen. Die Modelabels mussten nämlich ihre Ware mit Preisabschlägen verkaufen. So heißt es jedenfalls in der offiziellen E-Mail-Depesche des Berliner Online-Händlers.

Die Gewinnschmelze

Und noch eine Grund gibt es für den schmelzenden Gewinn im warmen Winter. Die Platfform kostet Geld. Auch langristig. Denn Zalandos oberster Vorstand Rubin Ritter erklärt, dass derzeit in eine langfristige Plattformstrategie und Wachstumsplan investiert würde. 200 Millionen Euro lässt sich Zaladno das kosten - alleine heuer, bis Jahresende. "Gleichzeitig wächst unser Kerngeschäft sehr stark und wir gewinnen weiterhin Marktanteile hinzu", stellte Ritter fest. Was sich auch in der Kundenanzahl niedergeschlagen hat. Drei Millionen aktive Kunden hat Zalando alleine seit einem Jahr dazugewonnen. 18,4 Millionen Kunden zählt Zalando heute - die mehr Umsatz bringen, aber pro Kopf dann doch weniger Profit, wie die Ergebnisse bewiesen haben.

Und dennoch: Die Zalando-Oberen halten an der Strategie fest. Angesichts des zuletzt schrumpfenden Gewinns und der hohen Investitionen soll es keine Abkehr von der bestehenden Prognose geben. 20 bis 25 Prozent Umsatz zuwachs - am "oberen Zielkorridor", wie es Zalando meint - stehen im Geschäftsjahr 2016 auf dem Plan.

Und noch eine Botschaft hat Zalando parat: Die Firma Tradebyte Software aus dem bayrischen Ansbach wurde mit seinen 60 Mitarbeitern übernommen. Das Argument für die Investition: Die Warenbestände kann der Online-Händler mit der Hilfe des im Jahr 2009 gegründeten E-Commere-Sotwarehaus nun besser digitalisieren.

Erfreut über die Ergebnisse und Botschaften waren die Anleger nicht. Der "Schrei vor Glück!" bleibt eine Werbebotschaft ohne Zugkraft auf die Börse: Die Zalando-Aktie notiert am heutigen Donnerstag kurz nach Börsenöffnung um über 4,2 Prozent tiefer. Danach ging es weiter auf Talfahrt: bis kurz nach 12 Uhr war das Minus auf 9,27 Prozent angewachsen.

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