Starker Franken trifft Uhrenindustrie mit voller Wucht

Starker Franken trifft Uhrenindustrie mit voller Wucht

Beim Schweizer Uhrenkonzern Swatch, mit Marken wie Omega oder Glashütte, schrumpfte 2015 der Gewinn dramatisch, auch die Kauflust ging zurück. Die Analysten hatten, wegen des starken Frankens, ohnehin mit mageren Ergebnissen gerechnet - und wurden dennoch enttäuscht.

Zur Swatch-Gruppe zählen klingende Marken wie Omega, Breguet, Blancpain, Glashütte Original, Longines, Rado, Union Glashütte, Tissot, Certina, Mido und Calvin Klein Uhren und Schmuck.
Der starke Franken und die Zinssituation an den Märkten hinterlassen tiefe Spuren im Ergebnis des weltgrößten Uhrenkonzerns Swatch. Der Umsatz ging um 3 Prozent auf 8,451 Mrd. Franken (7,6 Mrd. Euro) zurück. Der Gewinn schrumpfte gar um 21 Prozent auf 1,119 Mrd. Franken.
Das Geschäftsjahr 2015 sei durch den Frankenschock geprägt gewesen, den die Schweizerische Nationalbank (SNB) mit der Aufgabe des Euro-Mindestkurses am 15. Jänner 2015 ausgelöst habe, teilte Swatch in einer Aussendung vom Mittwoch mit. Als Konsequenz sei es zu signifikanten Verschiebungen in den Absatzmärkten gekommen, sowie zu einer markanten Verzerrung des internationalen Preisgefüges der Produkte.

Teure Währung frisst 185 Millionen Franken Umsatz weg

Der starke Franken habe 185 Mio. Franken Umsatz weggefressen. Der Umsatz des Konzerns schrumpfte auch wenn von konstanten Wechselkursen ausgegangen wird, und zwar um 0,9 Prozent.
Der Betriebsgewinn sank um 17,2 Prozent auf 1,451 Mrd. Franken. Schuld seien die signifikanten Verschiebungen in den Absatzmärkten, die markanten Verzerrung des internationalen Preisgefüges der Produkte sowie die Politik von Swatch, Preisanpassungen nur sehr vorsichtig vorzunehmen.
Mit diesen Zahlen hat die Swatch-Gruppe die Erwartungen der Finanzgemeinde verfehlt. Analysten hatten im Schnitt mit einem Gewinn von 1,195 Mrd. und einem Umsatz von 8,66 Mrd. Franken gerechnet. An der Schweizer Börse brach die Aktie in den ersten Handelsminuten um 4,3 Prozent ein. Bis Handelsschluss betrug das Minus noch 1,4 Prozent.

Im wichtigsten Segment Uhren und Schmuck erzielte Swatch einen Umsatz von 8,177 Mrd. Franken. Dies sind 3 Prozent weniger als im Vorjahr. Derweil sind per Ende Dezember die Exporte von Armbanduhren der gesamten schweizerischen Uhrenindustrie um 3,6 Prozent gesunken.

Die Touristenströme hätten sich im vergangenen Jahr sehr schnell und ständig verändert. Die Gründe seien die Währungsverschiebungen, ansteckende Krankheiten wie Mers in Südkorea, Neuerungen von Reise-und Aufenthaltsvorschriften für Touristen, lokale Unruhen oder Unsicherheiten in verschiedenen Ländern. Die Swatch-Gruppe verkauft einen Großteil ihrer Uhren und ihres Schmucks an Touristen.
Grundsätzlich habe sich der Konsum nicht verändert und sei weiterhin sehr gut. Die Verkäufe hätten sich in Lokalwährungen sehr positiv entwickelt, hieß es in der Mitteilung weiter. Zwar ist der Umsatz mit Uhren und Schmuck in der Schweiz wegen der Frankenstärke leicht zurückgegangen, dafür habe jedoch der Euroraum zweistellig zugelegt.

Ein sehr starkes Wachstum hätten auch die Verkäufe in Japan gezeigt. Auch die Verkäufe in Festland-China seien positiv gewesen, ganz im Gegensatz zu Hongkong.
Das Geschäft in den eigenen Läden sei stark gewachsen. Zweistellige Wachstumsraten zwischen 20 und 40 Prozent gab es nicht nur in Europa, sondern auch in vielen asiatischen Ländern. Im vergangenen Jahr hat die Swatch-Gruppe über 100 neue eigene Läden an guten und bestfrequentierten Lagen eröffnet, der größte Teil davon in Asien.
Im kleinen Segment elektronische Systeme sank der Umsatz um 1,4 Prozent auf 292 Mio. Franken. 2015 wurden wieder um knapp 700 neue Arbeitsstellen geschaffen vor allem für die neuen Läden. Auch im Inland hat die Swatch-Gruppe, trotz der sehr schwierigen Situation des Produktionsstandortes Schweiz, etwas mehr Personal eingestellt. Somit kletterte der Personalbestand auf über 36.000 Mitarbeiter.

Trotz des anhaltend anspruchsvollen Umfelds in den verschiedenen Regionen erwartet die Swatch-Gruppe mit ihrer breiten Markenpalette eine positive Umsatzentwicklung in Lokalwährungen, wie es weiter hieß.
Es werde ein Wachstum für 2016 von klar über fünf Prozent in Lokalwährungen erwartet. Der Jänner bestätige, dass vor allem in China der Verkauf von Uhren gegenüber dem Vorjahr stark angezogen habe. Auch die im August startenden Olympischen Spiele in Rio de Janeiro würden der Marke Omega, die offizieller Zeitmesser der Spiele sei, weiteren Auftrieb verleihen, schrieb der Konzern.
Die Aktionäre sollen wie im Vorjahr eine Dividende von 7,50 Franken je Inhaberaktie erhalten. Zudem will mit Swatch bis 2019 eigene Aktien bis zu maximal eine Milliarde Franken zurückkaufen.

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