Radfahren gegen das Corona-Virus

Lieber mit dem Fahrrad statt mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Ehe Österreichs Fahrradhandel am Wochenende schließen musste wurde er noch regelrecht von den Kunden gestürmt. Virologen empfehlen in der Corona-Krise ebenfalls, mit dem Fahrrad zu fahren.

Radfahren gegen das Corona-Virus

Rad fahren, gesund bleiben: Die Infektionsgefahr ist praktisch Null.

Bevor Österreichs Fahrradhändler am Montag wie alle anderen Geschäfte schließen mussten wurden sie von den Kunden noch regelrecht gestürmt. Für viele Händler waren der Freitag, der 13. März und der Samstag der 14. März die umsatzreichsten Tage aller Zeiten. Wegen des großen Andrangs wurden manche Geschäfte sogar am Sonntag noch einmal geöffnet.

„Gekauft wurde alles, quer durch die Bank. Fahrräder, Sporträder, Kinderräder, Bekleidung, Sportnahrung. Der Umsatz war sicher doppelt so hoch wie an einem normalen Wochenende“, sagt Lukas Kucera, Verkauflseiter bei Mountainbiker in Wien.

Die Motive für die Kunden waren dabei vielfältig. „Sicher eine Rolle gespielt hat, dass die Leute jetzt lieber nicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren wollen, um sich nicht mit Corona anzustecken“, sagt Kucera.

Fahrrad statt Öffis

"Man soll Situationen vermeiden, bei denen man weniger als einen Meter Abstand zur nächsten Person hat, und wenn man in der U-Bahn ist, dann hat man keinen Einfluss mehr darauf", sagt der Deutsche Virologe der Charité Berlin, Prof. Christian Drosten, auch im Podcast vom 16. März für das NDR-Radio. "Dann stellt sich die Frage, ob man nicht lieber mit dem Fahrrad fahren soll. In der Stadt wäre das eine gute Überlegung."

Der deutsche Biostatistiker Gerd Antes, ehemaliger Leiter des Cochrane-Zentrums an der Uniklinik in Freiburg, sieht im Fahrradfahren dann auch tatsächlich eine Möglichkeit, die Corona-Infektionskurve abzumildern. Im Gespräch mit dem Spiegel erklärte er: "Die Chance, sich beim Radeln etwas einzufangen, liegt bei Null. Ein perfekter Selbstschutz"

Auch der österreichische Gesundheitsminister Rudolf Anschober empfiehlt in Zeiten von Corona das Fahrrad als Nahverkehrsmittel, bei dem es einfach ist, den Mindestabstand von einem Meter einzuhalten. Ausflüge in Gruppen sind jedoch derzeit dennoch tabu und wer mit dem Rad unterwegs ist, sollte sich, wie auch Vizekanzler Werner Kogler betont, auf keine allzu sportlichen Abenteuer einlassen. Beim Mountainbiken ist die Verletzungsgefahr durchaus erheblich und einen Spitalsaufenthalt sollte man nach Möglichkeit nicht riskieren.

Räder für alle

Beim Wiener Fachhändler Nora Sports war das Wochenende vor der Corona-Sperre jedenfalls ebenfalls ein Rekord-Wochenende. Kunden, die Räder bestellt oder im Service hatten, wurden kontaktiert und informiert, die abzuholen und „wer überlegt hatte, sich ein neues Rad zu kaufen, hat jetzt die Gelegenheit genutzt“, sagt Verkaufschef Oliver Mader, der den Run auf das Sortiment auch direkt auf das Coronavirus zurückführt: „Manche sind jetzt schon freigestellt, haben mehr Zeit und wollen die nutzen, auch mit den Kindern. Zu unseren Kunden gehören aber auch Boten- und Lieferfahrer, die auf Räder angewiesen sind.“

Und dann hätten sicher auch vorgezogene Oster-Einkäufe eine Rolle für den außergewöhnlichen Run auf die Fahrradläden gehabt. "Wir wissen ja nicht, wie lange wir jetzt geschlossen haben müssen", bedauert Mader.

Ein Teil der Branche hätte den Fahrradhandel gerne auch als Teil der kritischen Infrastruktur gesehen, der weiter geöffnet sein darf, da Räder auch repariert und serviciert werden müssen. Zumindest Reparaturen sind nach telefonischer Terminvereinbarung vorerst gestattet, und zum Beispiel bei Mountainbiker in Wien versucht man daher auch, die weiter durchzuführen.

Karl Glantschnig, der im niederösterreichischen Langenlois ein Rad-Fachgeschäft betreibt, sieht das hingegen pragmatisch. „Am letzten Wochenende war das Geschäft wie erwartet außergewöhnlich gut. Dafür steht es jetzt. Jeder weiß und wusste das.“ Nur die Schlauch-Automaten sind noch in Betrieb. Glantschnig: „Hoffen wir, dass das nicht allzu lange so bleibt.“

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