Mundschutz, Abstand, bargeldlos: Der Neustart des Handels

Seit Dienstag, 14. April sind rund 80 Prozent der österreichischen Handelsbetriebe wieder geöffnet. Rainer Will, Geschäftsführer des Handeslverbands, zieht eine erste Bilanz nach dem Ende des Shutdowns und schätzt die Umsatzverluste im Non-Food-Handel auf rund 6,7 Milliarden Euro.

Mundschutz, Abstand, bargeldlos: Der Neustart des Handels

Aufstehen, Krone richten, weitermachen. Ganz so einfach ist es dieser Tage nicht, wenn Österreichs Non-Food-Handel nach vier Wochen Shutdown wieder die Rollläden nach oben schiebt und öffnet. Einfach dort weitermachen wo man Mitte März aufgehört hat, das können nur die wenigsten, wie eine erste Analyse des Handelsverbands zeigt.

Besonders markant sind die Spuren der Corona-Krise im Mode- und Fashion Business. Die immer noch aufrechten beschränkungen im öffentlichen Leben und weit verbreitete Home-Office-Lösungen machen die Frühjahrskollektionen des Jahres 2020 auch nach dem Ende des Shutdowns zu Ladenhütern. "Den Mode- und Schuhhandel trifft die Corona-Krise besonders hart", resümiert auch Handeslverbands-Chef Rainer Will, "das gesamte Fashion-Segment leidet in Zeiten von Social Distancing und HomeOffice an einer geringeren Nachfrage."

Die Folge: Sowohl in den kleinen Boutiquen als auch im filialisierten Modehandel war nach der Öffnung vergleichsweise wenig los. In A-Lagen wie der Mariahilferstraße in Wien, der zu Normalzeiten umsatzstärksten Einkaufsstraße der Bundeshauptstadt, verzeichnen die Händler Frequenzrückgänge von etwa 40 Prozent, in B- und C-Lagen sogar von 50 bis 90 Prozent im Vergleich zu einer Durchschnittswoche vor Corona.

Die einzigen Textilien, die derzeit wirklich gefragt sind, Kindertextilien - weil Kinder eben auch in Corona-Zeiten aus ihrem Gewand herauswachsen -, Gesichtsmasken aus Stoff und zu einem kleineren Teil noch Sprotbekleidung.

Umsatz halbiert

Konkrete Umsatzdaten liegen noch nicht vor, der Handelsverband geht allerdings für die erste Woche nach dem Shutdown branchenübergreifend von einem Gesamtumsatz aus, der bei nur rund 50 Prozent einer durchschnittlichen Normal-Woche liegen wird.

Einzig auf Bau- und Gartenmärkte kam es nach der Wiedereröffnung zu einem, allerdings auch erwarteten Ansturm. Es gab in vielen Märkten längere Warteschlangen und teilweise Blockabfertigung, um die strengen Sicherheits- und Hygienevorgaben einhalten zu können. Überproportionale Frequenzen und Umsätze gab es auch in Buchhandlungen, in Brillenfachgeschäften, im Sportartikelhandel und in Geschäften mit Papier & Schulwaren.

Mit Elektro- und Elektronikprodukten hatten sich die Österreicher dagegen offenbar vor der Krise oder auch während des Shutdowns über Online-Shops gut versorgt, denn im Elektrofachhandel war der Kundenandtragn noch etwas verhalten.

Teilweise blieben Geschäfte auch noch geschlossen, obwohl eine Öffnung gestattet gewesen wäre. Für manche Geschäfte in Randlagen erschien eine Öffnung offensichtlich noch nicht sinnvoll, weil sie noch auf die großen Frequenzbringer (Flagship-Stores) warten, die bekanntlich erst am 2. Mai aufsperren dürfen.

1 Milliarde Verlust pro Shutdown-Woche

Den gesamten Umsatz-Rückgang des stationären Einzelhandels schätzt der Handelsverband pro Shutdown-Woche auf bis zu einer Milliarde Euro Brutto.

Bei den Non-Food Einzelhändlern, die zumindest bis 14. April vom Corona-Shutdown betroffen waren, lag der tägliche Umsatzverlust laut Berechnungen von Standort + Markt bei mindestens 113 Millionen Euro. Das wahre Schadensausmaß liegt allerdings noch deutlich höher, weil hier die Umsatzverluste aus der Gastronomie und konsumnahen Dienstleistungsbetrieben wie Friseure, Fitnesscenter oder Kosmetiksalons noch nicht eingerechnet sind.

Besonders stark getroffen hat es Branchen wie den Spielwarenhandel und den Sporthandel, denen im Prinzip das komplette Ostergeschäft verloren gegangen ist. Ähnliches gilt für den Modehandel sowie für den Luxusgüterbereich, weil die kaufkräftigen Touristen aus dem Ausland fehlen.

Insgesamt musste der österreichische Handel (Einzelhandel + Großhandel + KFZ-Handel) während des 4-wöchigen Corona-Shutdowns Umsatzeinbrüche von rund 6,7 Milliarden Euro verkraften. Davon werden laut Agenda Austria 5,1 Milliarden Euro (also rund 3/4) von den KonsumentInnen später nicht mehr nachgeholt werden. Mittelfristig wird für den Handel in Österreich natürlich auch entscheidend sein, welche Auswirkungen Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit - verbunden mit Einkommenseinbußen in der Bevölkerung - auf das Konsumverhalten haben werden.

Onlinehandel kann Verluste nur zu einem kleinen Teil ausgleichen

Viele der vom Corona-Shutdown betroffenen Unternehmen – mit immerhin 490.000 Beschäftigen – haben natürlich versucht, den Internethandel zu forcieren. Einen Teil der Umsatzverluste kann man damit schon auffangen, allerdings rechnet der Handelsverband hier maximal von einem Volumen von 50 Millionen Euro.

Generell verzeichnet der heimische Onlinehandel aktuell zwei- bis dreistellige Umsatzsteigerungen bei Haushalts- und Sportgeräten, sowie bei Spielekonsolen, Drucker, Wandfarben und Spielzeug. Sortimentsbereiche wie Mode und Schuhe schwächeln hingegen.

Als positiv wird bewertet, dass auch im Onlinehandel das Interesse an regionalen Angeboten deutlich gestiegen ist. So hat sich etwa der Umsatz auf der heimischen eCommerce-Plattform shöpping.at seit dem Start der Corona-bedingten Schutzmaßnahmen der Bundesregierung mehr als vervierfacht. Auch auf das Webshop-Verzeichnis eCommerce Austria (www.ecommerceaustria.at) gab es in den letzten Tagen des Shutdowns jeweils deutlich über 20.000 Zugriffe.

Amazon & Co in die Pflicht nehmen

Handelsverband-Chef Will appelliert daher auch an alle Konsumenten, möglichst regional einzukaufen: "Kaufen Sie bei heimischen Onlineshops ein und nicht bei den großen Steuervermeidern aus Drittstaaten."

Gleichzeitig, so Will, appellieren wir an die Politik, auch die eCommerce-Plattformen aus Drittstaaten endlich in die Pflicht zu nehmen. Am besten durch Einführung einer Plattformhaftung auf Produktfälschungen, auf die Entrichtung der Mehrwertsteuer sowie auf die Entrichtung der Abfallentsorgungsgebühren.

Will: "Wer in Österreich Gewinne erwirtschaftet, sollte auch hierzulande in die Gesundheits- und Sozialtöpfe einzahlen. Nachdem die Bundesregierung jetzt fast täglich neue Verordnung erlässt, erwartet sich der österreichische Handel, dass dies im Sinne der Fairness auch bei der Plattformhaftung passiert."

Zugeständnis an den Handel: Einkaufs-Sonntag am 19.12.

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