Lebensmittelhandel: Kassenkampf um die Kunden

Lebensmittelhandel: Kassenkampf um die Kunden

Der österreichische Lebensmittelhandel ist fest in der Hand einiger weniger Konzerne. Der Präsenz der Rewe-Gruppe und des Handelskonzerns Spar können nur wenige Marktteilnehmer effizient entgegenhalten. Aber die Zeit des expansiven Wachstums scheint allseits vorüber zu sein.

Wer ist die Nummer eins in Österreichs Lebensmittelhandel? Die Frage wird von den Marktteilnehmern unterschiedlich beantwortet. Nach Umsätzen gemessen die Rewe-Gruppe, gefolgt von Spar. Wenn man aber die Rewe-Gruppe in ihre Marken Handelsmarken Billa, Merkur, Penny und Adeg und auch Spar in die Einheiten Spar, Eurospar und Interspar aufteilt, dann sieht sich der Lebensmitteldiskonter Hofer als Nummer eins.

Wie auch immer - Größe ist nicht alles und die vorgelegten Jahresbilanzen 2018 der größten Player in Österreich zeigen, dass sich diese immer näher kommen, dass die Zeit der großen Zugewinne dem Ende zugeht. Und dass man sich der Digitalisierung und ihren Auswirkungen auch im Lebensmittelhandel stellen muss. Obwohl das Online-Geschäft der Händler in Österreich bisher überschaubar ist. Der Billa-Onlineshop machte etwa im Vorjahr einen Umsatz von etwa 35 Millionen Euro. Im stationären Lebensmittelhandel erwirtschaftete der Rewe-Konzern dagegen gleichzeitig 7,68 Milliarden Euro.

Hinter den Online-Aktivitäten steht auch das Kalkül, den Markt zu besetzen und die Kunden an sich zu binden. Möglichst so lange der US-Gigant Amazon sein Lebensmittel-Angebot nicht nach Österreich ausrollt. Was Amazon international übrigens auch schon im physischen Geschäft recht erfolgreich macht: In den USA kommt Amazon inzwischen bereits auf eine Ladenfläche von 1,7 Millionen Quadratmeter und erwirtschaftete dort einen Umsatz von 17,2 Milliarden Dollar. Die Amazon-Läden hatten somit einen Anteil von 7,4 Prozent am Gesamtumsatz des Konzerns und waren mit einem Plus von 197 Prozent das am stärksten wachsende Segment.

Österreichische Rekorde

In Österreich ist es Spar nach eigenen Angaben gelungen im Jahr, ein signifikantes Umsatzwachstum zu erreichen. Der Handelskonzern mit Sitz in Salzburg konnte mit seinen Supermärkten, Einkaufszentren und dem Sporthandel (Marke Hervis) erstmals mehr als 15 Milliarden Euro Umsatz erzielen. Für Konzernchef Gerhard Drexel war 2018 daher auch "ein Rekordjahr bei Umsatz, Marktanteil und Gewinn". In Österreich sind die Brutto-Umsätze in den Spar-Märkten im zum Jahr davor um vier Prozent auf 6,9 Milliarden Euro gestiegen.

Damit rückt Spar bei den Marktanteilen näher an Rewe heran. Nach eigenen Angaben ist der Marktanteil von Spar im österreichischen Lebensmittelhandel im Jahr 2018 um 0,7 Prozentpunkte auf 31,9 Prozent gestiegen

Der Rewe-Konzern wiederum setzte in Summe am österreichischen Markt brutto 8,66 Milliarden Euro um, was ebenfalls ein leichtes Plus von 1,51 Prozent gegenüber dem Jahr davor bedeutet. Im Lebensmittelhandel allein erwirtschaftete der Konzern 7,68 Milliarden Euro, um 1,68 Prozent mehr als 2017. Auch der Lebensmitteleinzelhandel insgesamt wuchs im Vorjahr in dieser Größenordnung.

Die Lebensmittelschienen von Rewe entwickelten sich unterschiedlich: Während die Umsätze der aktuell 1.088 Filialen zählenden Supermarktkette Billa mit 1,21 Prozent schwächer zulegten als 2017 und die Umsätze bei Merkur wie davor um 1,40 Prozent wuchsen, hat der Diskonter Penny "im extrem hart umkämpften österreichischen Diskont-Markt" ein Umsatzplus von 2,42 Prozent erzielt. Bei Adeg stiegen die Umsätze um 3,49 Prozent.

Betreffend der Abgrenzung der Marken innerhalb der Rewe-Gruppe wurden nun auch Fehler eingeräumt. So hätten sich Billa und Merkur zuletzt auch gegenseitig kannibalisiert. Der neue Rewe-Österreich-Chef Marcel Haraszti will das künftig vermeiden und hat deshalb auch schon den Merkur-Onlineshop eingestellt. Im digitalen Geshäft will man nur einmal investieren und hier ganz auf die Marke Billa setzen.

Der Rewe-Konzern steuert von Wiener Neudorf aus auch sein CEE-Geschäft. Billa erzielte in der Region Bruttoumsätze von 3,56 Milliarden Euro, ein wechselkursbereinigtes Plus von 7 Prozent. Im größten Einzelmarkt Tschechien stieg der Umsatz um 9 Prozent, aber auch in der Slowakei (+10,80 Prozent), Russland (+8,70 Prozent), der Ukraine (+4,90 Prozent) und Bulgarien (+ 6 Prozent) gab es Zuwächse. Maßgeblich zum Umsatzplus 2018 beigetragen hat nach Firmenangaben auch die Expansion in Litauen durch die Aufstockung der Minderheitsbeteiligung am Handelsunternehmen ik, wo Haraszti zuvor Vorsitzender der Geschäftsführung war.

Hofer: Potenzial beim Frische-Sortiment

Der dritte Große im Bunde ist Hofer. 2018 ging der Marktanteil von Hofer um 0,3 Prozent leicht zurück, derartige Schwankungen sieht man in dem Unternehmen allerdings als normal im Jahresvergleich. Der Umsatz der Diskontmarke stieg hingegen von 4,1 Milliarden Euro 2017 auf 4,2 Milliarden im Jahr 2018. Hofer hat aktuell über 500 Standorte in Österreich, davon über 100 in Wien. "Unser Fokus liegt verstärkt auf dem Bereich Frische, da wir hier noch Potenzial sehen", erklärt Hofer-Generaldirektor Horst Leitner.

Die von Helmut Hofer 1962 gegründete Diskont-Kette Hofe gehört seit 1968 zur deutschen Supermarktkette Aldi Süd. Aldi Süd ist auf zwei Säulen aufgebaut: Einerseits Aldi Süd in Deutschland mit 30 selbstständigen Regionalgesellschaften und andererseits die Hofer KG in Österreich mit den Auslandstöchtern. Das Geschäft in Österreich und das internationale Geschäft der Unternehmensgruppe Aldi Süd sind unter dem Dach der Hofer KG gebündelt. Internationale Aldi-Tochtergesellschaften gibt es in der Schweiz, Slowenien, Ungarn, Großbritannien, Irland, den USA, Australien und seit 2018 auch in Italien.

Insgesamt hat Österreich europaweit die zweithöchste Supermarktdichte pro 1.000 Einwohner. "Für den Kunden ist das wunderbar, betriebswirtschaftlich ist es eine Herausforderung", meint Spar-Chef Drexel. Eine Herausforderung, für die sich die Supermarkt-Betreiber auch längere Öffnungszeiten wünschen. Rewe-Österreich-Chef Haraszti plädiert etwa für eine Ausdehnung der Öffnungszeiten von aktuell 72 auf 76 Stunden pro Woche. Alles andere sei eine "künstliche Protektion, die der Marktlogik widerspricht".

Handel & Dienstleistung

Sportartikel-Diskonter Decathlon: Österreich, ein harter Zehnkampf

Metro-Großaktionär und EPH-Vorstandschef Daniel Kretinsky

Wirtschaft

Metro-Übernahme: Milliardär Kretinsky droht zu scheitern

Handel & Dienstleistung

RLB OÖ verkaufte Einkaufszentrum Passage Linz

Hofer Generaldirektor Horst Leitner

Handel & Dienstleistung

Onlinehandel für Hofer-CEO Leitner "unumgänglich"