Handelskonzepte der Zukunft: Wie der Neustart der Stadtzentren gelingt

Mit innovativen und integrierten Kooperationskonzepten können innerstädtische Bereiche neu belebt werden. Der stationäre Handel spielt dabei eine essenzielle Rolle. Für die neue Verkaufsbühne sind aber neue Konzepte nötig.

Thema: Management Commentary
Michael Buttkus, Retail-Experte Managementberatung Horváth

Michael Buttkus, Retail-Experte Managementberatung Horváth

Während der Online-Handel boomt, veröden viele Innenstädte. Für diese Entwicklung hat die Corona-Pandemie geradezu wie ein Brandbeschleuniger gewirkt. Doch der bevorstehende Wandel im Mobilitäts- und Konsumverhalten ebenso wie in der Städteplanung könnte einen neuen Trend auslösen – die Rückbesinnung auf den stationären (lokalen) Handel.

Laut einer neuen Horváth-Studie wird sich der Grad an Kundennähe künftig zum entscheidenden Erfolgsfaktor für die innerstädtische Geschäftswelt entwickeln. Die Differenzierung von Kundenbedürfnissen „Convenience“ (effizientes, möglichst kontaktarmes Shopping) und „Experience“ (erlebnisreiches Shopping mit Fokus auf Interaktion und Emotion) ist dabei inzwischen wichtiger als das Produkt selbst.

Der Handel wird also nicht mehr bloß mit Einzelangeboten funktionieren. Dagegen wird es auf das Zusammenspiel zwischen Bequemlichkeit und Beratung ankommen, bei dem der Kunde im Vordergrund steht. Dies entspricht einem Paradigmenwechsel für die gesamte Branche. Anbieter und Akteure können diese Gradwanderung nur mit kooperativen Konzepten meistern – und idealerweise datengetrieben.

Online und Analog verschwimmen

Die Zukunft ist so vorhersehbar: Innenstädte mit ihren Verkaufsflächen, öffentlichen Plätzen, Mobilitätsangeboten und ihrer logistischen Infrastruktur bilden die neue Projektionsfläche – oder besser Verkaufsbühne, auf der sich Handel, Gastronomie und Kultur mit vernetzten Konzepten kundenadäquat präsentieren können. Dass hier nicht nur die Stadterwaltungen selbst, sondern auch die Besitzer der angrenzenden Immobilien und Geschäftsflächen mitspielen müssen, ist wohl unverzichtbar.

Stationäre Händler sollten sich jedenfalls umgehend nach geeigneten Partnern umsehen – branchenübergreifend ebenso wie bei der Konkurrenz. Alles, was für den Kunden unsichtbar im Hintergrund optimiert werden kann, ist gut fürs Geschäft. Die Grenze zwischen Online und stationärem Handel wird dadurch verschwimmen, die Hoheit über fragmentierte Kundendaten an Relevanz verlieren, da sie nur in kundenübergreifender Sicht von wirklich echtem Nutzen sind.

Die Innenstadt als Verkaufsbühne

Mit innovativen und integrierten Kooperationskonzepten kann die Lebensqualität der ortsansässigen Bevölkerung immens gesteigert werden, aber auch die Attraktivität der Innenstadt als kultureller bzw. touristischer Hotspot für Besucherinnen und Besucher. Die Pandemie hat dazu beigetragen, dass die kommerzielle Nutzung öffentlicher Straßen und Plätze nicht mehr (so wie früher) verpönt ist.

Viele Städte haben ihre Außenflächen bereits für Kunst und Kultur, Handel und Gastronomie zugänglich gemacht, oft sogar Fußgängerzonen gegen den Willen des alteingesessenen Handels durchgesetzt. Dadurch wird die Stadt heute wieder mehr zur Kommunikationsdrehscheibe und als notwendige neutrale und sichere Verkaufsplattform etabliert. Daran gilt es jetzt, anzuknüpfen.

Fazit: Patentrezepte dafür, welche Akteure sich zusammenschließen sollen, um die Innenstädte wieder zu beleben, gibt es nicht. Aber dass an neuen Kooperationen und bisher kaum vorstellbaren Öffnungsschritten kein Weg vorbei führt, ist klar. Jede Stadt und jede Marktgemeinde sollte mit betroffenen Bürgern wie Anrainern eine schonungslose Analyse der aktuellen Situation und darauf aufbauend ein klares Zielbild innerhalb des gewünschtes Wertschöpfungsnetzwerks erstellen.


Der Autor


Die Serie "Management Commentary" ist eine Kooperation von trend.at und der Unternehmensberatung Horváth & Partners. Die bisher erschienen Beiträge finden Sie zusammengefasst im Thema "Management Commentary".


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