Handel: Erster Schritt zur Normalität nach dem Shutdown

Vier Wochen nach dem Shutdown durften am 14. April ausgewählte Fachmärkte und Betriebe mit weniger als 400 Quadratmeter Verkaufsfläche wieder öffnen. Langsam lebt der Handel wieder auf. Schutzmasken und Sicherheitsabstand werden allerdings noch länger zum Alltag gehören.

Handel: Erster Schritt zur Normalität nach dem Shutdown

Montag, 14. April 2020: Vier Wochen nachdem Österreichs Handel im Zuge der Maßnahmen zur Bekämpfung der Verbreitung des Corona-Virus behördlich geschlossen wurde, durften ausgewählte Betriebe wieder öffnen.

Während vor den großen Bau- und Gartenmärkten die Menschen mit Einkaufswägen Schlange standen und warteten, eingelassen zu werden, verlief der Tag 1 nach dem Shutdown bei kleineren Händlern wesentlich entspannter. Selbst in der Wiener Mariahilferstraße, der zu Normalzeiten meistfrequentierten Einkaufsmeile der Bundeshauptstadt, war die Kundenfrequenz überschaubar, die Straße selbst kaum belebter als in den Wochen zuvor.

Doch auch wenn es zu keinem Ansturm auf die Verkaufsregale kam war der Dienstag nach Ostern kein Verkaufstag wie jeder andere: Mitarbeiter und Kunden mussten Schutzmasken tragen, peinlich genau wurde auf die Einhaltung der Sicherheitsabstände geachtet und entsprechend der Bestimmung dass sich auf 20 Quadratmeter hochgerechnet Verkaufsfläche nicht mehr als ein Kunde befinden durfte wurden die Kunden beim Eintritt in die Geschäfte gezählt – auch wenn das in den meisten Fällen nicht notwendig war.

Vier harte Wochen

Den Händlern die ihre Läden öffneten war nach der einmonatigen Sperre dennoch die Erleichterung ins Gesicht geschrieben. Für viele von ihnen war angesichts der Corona-Sperre und weiter laufender Kosten schon um das nackte Überleben gegangen. Nur Unterstützungsmaßnahmen und die Möglichkeit, Mitarbeiter in Kurzarbeit zu schicken konnten die Umsatzverluste einigermaßen aufgefangen werden.

„Es ist zu Beginn der Sperre zunächst einmal zu einem kompletten Umsatz-Einbruch gekommen. Es herrschte eine regelrechte Schockstarre“, erzählt der Unternehmer Michael Holzeis, der im niederösterreichischen Pressbaum ein Spezialgeschäft für verschiedenste Produkte zur Verarbeitung und Herstellung von Lebensmitteln und Getränken sowie für Griller und Grillzubehör betreibt.

Holzeis Spezial- und Grill-Store in Pressbaum (NÖ)

Holzeis Spezial- und Grill-Store in Pressbaum (NÖ)

Wie tausende weitere Unternehmer in Österreich hat auch er prompt reagiert und Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt, in einigen Fällen auch einvernehmliche Lösungen gesucht, denn „Corona ist für uns zum schlimmsten Zeitpunkt gekommen“, sagt Holzeis. In den Monaten zuvor hatte er etliche 100.000 Euro in den Ausbau seines Shops, in Seminar- und Schulungsräume und in die Entwicklung von Kursprogrammen gesteckt. Und musste dann die Pläne für die im Frühjahr anberaumte große Eröffnung über Bord werfen.

Krise belohnt Kreativität

Doch eine Krise ist immer nur so schlimm, wie man sie zulässt und bereits nach wenigen Tagen hatte Holzeis neue Ideen. Es machte sich auch bezahlt, dass er in den Jahren davor konsequent auf den Ausbau seines Online-Stores gesetzt hatte. „Wenn man so will sind wir ja eines der ältesten Versandhäuser. Unser Betrieb hat schon vor 90 Jahren Produkte per Post verschickt“, sagt er. Er nutzte die Zeit des Shutdowns auch, um seine Kunden aktiv anzusprechen und auf das Online-Angebot hinzuweisen.

Die Zahl der Online-Kunden des Unternehmens ist in der Folge auch deutlich gestiegen, die Web-Umsätze gleichzeitig um 50 Prozent über das Normal-Niveau. „Wir hoffen daher, den Geschäftsentgang einigermaßen kompensieren zu können, aber ein Minus von 15 bis 20 Prozent wird wohl bleiben“, sagt Holzeis, der noch eine weitere Hoffnung in sich trägt: „Dass die Menschen durch Corona beginnen, noch nachhaltiger und regionaler zu denken. Es beibehalten, Produkte selbst zu machen. Im Moment erleben wir zum Beispiel eine besonders große Nachfrage nach Bierbrau-Sets, mit denen man zuhause sein eigenes Bier brauen kann.“

Und während größere Versandhäuser und Märkte während des Shutdowns mit der Bearbeitung der Bestellungen kaum nachgekommen sind und Online-Kunden mit Hinweisen auf die erhöhte Nachfrage längere Lieferzeiten in Kauf nehmen mussten, war es für Holzeis ein Gebot, so schnell wie nur möglich zu liefern. „Wir haben täglich 60, 70 Pakete verschickt und sogar gratis Hauszustellung angeboten“, sagt er.

Jetzt ist für den Firmenchef aber auch wieder die Zeit gekommen, das Geschäft aufzusperren. „Zum Glück liegt unsere Verkaufsfläche knapp unter 400 Quadratmeter. Wir können daher nach Ostern wieder öffnen“, sagt er. Auch wenn der Schulungsbereich vorerst noch geschlossen bleiben muss und Schutzmasken und diverse weitere Schutzmaßnahmen wie ständiges Desinfizieren nicht wirklich zu der Devise des Geschäfts „selbst fühlen, schmecken, riechen, selbst machen“ passen – es ist alles besser als komplett geschlossen zu haben.

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