Corona: Alternative Online-Lebensmittelhandel stockt

Der Lebensmittelhandel ist angesichts der Groß- und Vorratseinkäufe vieler Österreicher gefordert wie noch nie. Die Supermärkte sind überfüllt, die Regalbetreuer und die zumeist weiblichen Mitarbeiterinnen den Kassen überfordert und verängstigt. Bei der Alternative Online-Handel mit Hauszustellung fehlen Kapazitäten.

Corona: Alternative Online-Lebensmittelhandel stockt

Um fünf Millionen Euro hat Billa das frühere Zielpunkt Zentrallager in Wien Liesing als Basis für Online-Bestellungen aus Wien umgebaut.

Am Freitag, den 13. März und am Samstag, den 14. März waren Österreichs Supermärkte und Lebensmittelgeschäfte so überlaufen wie das sonst höchstens an den letzten Tagen vor Weihnachten der Fall ist, wenn die Österreicher in großem Stil für die Fest- und Feiertage einkaufen. Mit dem Unterschied, dass der Grund für den Andrang nicht zum Feiern war. Das Coronavirus und die Sorge vor einer möglichen längeren Quarantäne, bei der man die eigene Wohnung oder das Haus nicht mehr verlassen darf, trieben die Österreicher in Scharen in die Geschäfte.

In besonders großen Mengen wurden länger haltbare Produkte und Hygiene-Artikel gekauft. Ein spezieller Run entwickelte sich auf Nudeln und Toilettenpapier. Einkaufswägen vollbeladen WC-Papier wurden aus den Märkten gerollt - als ob es kein morgen gäbe.

Auch wenn die Zentrallager der Handelsketten bestens gefüllt sind, wie Spar-Unternehmenssprecherin Nicole Berkmann im trend-Interview betont. ("Es gibt dermaßen hohe Reserven, dass die Grundversorgung gesichert ist.") Inden einzelnen Filialen sieht es anders aus. Regalbetreuer und die zumeist weiblichen Mitarbeiterinnen den Kassen überfordert und verängstigt. "Alle Geschäfte sperren zu, aber wir müssen weiter hier arbeiten und die Kunden sind sehr gereizt", beklagte sich eine Mitarbeiterin an einer Billa-Kassa, vor der sich eine Schlange mit wartenden Kunden durch das ganze Geschäft ausdehnte.

Wie die die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in den Supermärkten dennoch ihre Contenance bewahren ist bewundernswert. Und ihre Sorge ist verständlich, denn "Ellbogentaktik" ist noch eine Untertreibung für das Verhalten vieler Kunden. Und der in Zeiten von Corona eigentlich obligatorische Mindestabstand von einem Meter wird weder unter den Kunden noch an der Kassa wirklich eingehalten.

Online-Handel erst im Aufbau

Der Lebensmittel-Online-Handel, bei dem die Kunden ihre Waren im Internet bestellen und in der Folge nach Hause geliefert bekommen, wäre in dieser Situation eine sehr probate Alternative. Die Kunden müssten nicht mehr selbst in die Geschäfte kommen, die Mitarbeiter müssten keine Sorge vor einer Infektion haben.

Das Billa Online-Logistikzentrum in Wien-Liesing (Außenaufnahme).

Der Backshop: Hier wird Brot und Gebäck fertig gestellt.

Der Haken ist allerdings, dass der Online-Handel im Lebensmittelbereich erst im Aufbau ist und bisher von den Kunden nur so wenig genutzt wurde, dass die großen Handelsketten - allen voran Rewe International mit den Märkten Billa, Merkur und Adeg sowie Spar - trotz aller Marketing- und Werbekampagnen bisher nur einen kleinen Teil ihres Umsatzes online erwirtschaften konnten. Und dementsprechend die dafür aufgebauten Strukturen im ersten Krisenfall komplett überlastet sind.

Ein mögliches Krisenszenario wäre, dass auch Lebensmittelgeschäfte geschlossen werden, nur noch die Mitarbeiter hinein dürfen, Bestellungen der Kunden annehmen, vorbereiten und in der Folge auch die Zustellung bis zur Wohnungs- oder Haustür übernehmen. Dafür fehlt allerdings auch die Liefer-Infrastruktur. Theoretisch wird in ganz Österreich ein Zustellservice angeboten, doch die Termine dafür sind wegen der Corona-Krise ausgebucht.

Erste Beschränkungen

Auf der Website des Billa Online Shop war am Sonntag, den 15. März zu lesen: "Derzeit möchten viele Kundinnen und Kunden diesen Service nutzen und wir verstehen die Dringlichkeit Ihrer Einkäufe. Leider können wir aufgrund der hohen Nachfrage nicht alles sofort erledigen und bitten um Ihr Verständnis, dass wir unseren Service wie nachfolgend bis auf Weiteres anpassen müssen."

Billa hat Bestellungen für bestimmte Artikel - darunter WC-Papier - eine Beschränkung auf übliche Haushaltsmengen sowie eine Gewichtsbeschränkung von maximal 100 Kilo pro Bestellung eingezogen. Der Abhol-Service Click-&-Collect wurde eingestellt und unter Quarantäne gestellte Gebiete werden nicht beliefert. Bezahlt werden kann außerdem nur noch mit Kredit- oder Bankomatkarte. Die Zusteller nehmen kein Bargeld mehr an.

Interspar beliefert aus dem Webshop derzeit Wien, Salzburg Stadt und Umgebung sowie Teile von Niederösterreich und Burgenland. Allerdings müssen die Kunden lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Für Salzburg ist derzeit der nächste Liefertermin am 25. März, für neue Bestellungen in Wien gibt es vorerst keine Liefertermine. "Wir können die Zustellfenster für die Online-Bestellungen leider nicht so einfach erweitern. Das geht organisatorisch nicht", erklärt Spar dazu.

Warteschlangen vor den Supermarktkassen, überforderte Regalbetreuer und der Verzweiflung nahe Mitarbeiterinnen an der Kassa werden daher noch länger zum Corona-Krisenszenario gehören.

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