Drück und kauf: Amazons Großangriff auf das traute Heim

Drück und kauf: Amazons Großangriff auf das traute Heim

Ein Tippen auf den sogenannten Dash- Button genügt, um neues Waschpulver zu bestellen - den Preis erfährt der Kunde aber erst im Nachhinein.

Amazon will mit den neuen "Dash"-Buttons das Einkaufen revolutionieren. Mit einem einfachen Knopfdruck sollen Kunden Alltagsprodukte wie Toilettenpapier oder Waschpulver bei Amazon nachkaufen können. Doch damit hat der Konzern noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht: Smarte Geräte sollen selbst Bestellungen tätigen, und der Lautsprecher "Echo" reagiert auf Sprachbefehle. Frei von Kritik sind diese Konzepte freilich nicht.

Der weltgrößte Online-Händler Amazon bringt seine "Dash"-Bestellknöpfe, mit denen Verbrauchsartikel nachgeordert werden können, nach Deutschland und Österreich. Die kleinen Geräte, die wie eine Türklingel mit Marken-Aufkleber aussehen, können in Deutschland seit Mittwoch erworben werden, wie Amazon mitteilte. In Österreich soll der Dienst laut Bericht des "Standard" mit Anfang September starten.

Die Idee ist, dass die Kunden sie an einem passenden Ort in ihrem Haushalt anbringen - zum Beispiel direkt an der Waschmaschine - und dann drücken können, wenn ihnen einzelne Waren des täglichen Bedarfs ausgehen. Die Bestellung wird dabei mit nur einem Knopfdruck ausgelöst.

Amazon möchte wissen, wann das Toilettenpapier aufgebraucht ist. Per Knopfdruck kann es dann nachbestellt werden.

Die "Dash"-Buttons verkauft Amazon für 4,99 Euro - die beim ersten Einkauf mit ihnen gutgeschrieben werden. Außerdem ist es laut Presseaussendung nötig, dass der Kunde eine Mitgliedschaft bei Amazon Prime hat - diese kostet 49 Euro pro Jahr. Zum Start seien "Dutzende" Marken dabei, sagte Amazon-Manager Amir Pelleg. Wie in den USA sind darunter Reinigungsmittel, Kosmetik-Artikel, Futter für Haustiere.

Wenn die Waschmaschine das Pulver selber bestellt...

Außerdem wird laut Amazon in Deutschland nun das Amazon Dash Replenishment Service (DRS) gestartet. DRS ist ein Cloud-basierter Dienst, der es Geräteherstellern ermöglicht, ihre netzwerkfähigen Geräte über simple Schnittstellen so aufzurüsten, dass sie automatisch Waren nachbestellen können. Eine Waschmaschine ist dann beispielsweise in der Lage, Waschmittel selbst zu ordern oder ein Drucker neuen Toner. Amazon hat dabei das gedsamte Backend in der Hand, darunter Authentifikations- und Bezahldienste sowie Kundenservice und Logistiknetzwerk. Zu den Geräteherstellern, die DRS bereits integrieren, gehören laut Amazon Bauknecht, Brother, Bosch und Siemens Hausgeräte, Grundig, Kyocera und Samsung.

Mit der sogenannten "BLIVE-App" von Bauknecht können Nutzer ihre Washcmachine außerdem unterwegs per Smartphone oder Tablet steuern. Auf ähnliche Lösungen setzt auch Grundig: hier ordern die Washcmaschinen automatisch Salz, Klarspüler und Spültabs, wenn sie so konfiguriert werden.

Alle 30 Sekunden eine Bestellung

In den USA führte Amazon die Knöpfe im Frühjahr 2015 ein. In den vergangenen zwei Monaten hätten sich die Order über die "Dash"-Buttons in den USA verdreifacht, sagte Pelleg. "Aktuell sehen wir zwei Bestellungen pro Minute." Die Marken hätten Amazon gedrängt, schneller international zu expandieren. In den USA seien Haushaltsartikel aus Papier, Waschmittel und Getränke unter den am häufigsten bestellten Waren.

Jeder Knopf ist fest für nur ein Produkt programmiert - will ein Nutzer die Marke wechseln, muss er sich einen neuen "Dash"-Button bestellen. Die Knöpfe werden per WLAN verbunden, die Batterie soll fünf bis zehn Jahre halten. In den USA lässt Amazon Nutzer inzwischen auch Artikel per Sprachbefehl über seinen vernetzten Lautsprecher "Echo" bestellen: Dabei handelt es sich im ein Gerät in Zylinderform, das Gespräche in der Wohnung der Menschen belauscht - so kann der Nutzer den Lautsprecher zum Abspielen eines Songs oder zum Einschalten des Lichts auffordern, oder eben Bestellungen bei Amazon per Sprachbefehl tätigen. "Smart Home" lautet hier das Schlagwort, unter Datenschützern sorgt das Gerät freilich für Unbehagen.

Amazon Echo: Lauschangriff im Wohnzimmer.

Knackpunkt Transparenz

Ein weiterer Kritikpunkt am Amazons jüngsten Prokjekten ist aber auch die mangelnde Preistransparenz bei einer Bestellung mit dem Dash-Button. Bei einer Bestellung erhält der Nutzer eine Benachrichtigung auf seinem Smartphone. Da die Knöpfe keinen Display haben, ist das der erste Moment, in dem der Kunde den Preis der aktuellen Order sieht. In den USA hatte es wiederholt Kritik von Nutzern gegeben, dass die Artikel von einer Bestellung zur nächsten zum Teil deutlich teurer geworden seien. "Jedes Mal, wenn der Kunden vom Preis überrascht wird, ist das ein Riesen-Problem für uns", sagte Pelleg. Es gehe um Vertrauen, das leicht zu verlieren sei.

Für Amazon bedeuten die punktuellen Bestellungen auch mehr einzelne Produktlieferungen. Das Unternehmen äußert sich nicht konkret zur Wirtschaftlichkeit des Geschäftsmodells angesichts der Lieferkosten. Es sei die Aufgabe des Konzerns, die Zustellung entsprechend effizient zu gestalten, sagte Pelleg lediglich.

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