Anklage gegen Schlecker und seine Familie

Anklage gegen Schlecker und seine Familie
Anklage gegen Schlecker und seine Familie

Schlecker, Europas größte Drogeriemarktkette, ging 2012 Pleite.

Gegen Anton Schlecker, Gründer und Ex-Chef der Pleite gegangenen Drogeriemarktkette, und seine Familie wird ermittelt. Und auch die Wirtschaftsprüfer von EY sollen auf die Anklagebank. Auch das Lager im niederösterreichischen Pöchlarn ist Teil der deutschen Erhebungen. Aus Schlecker wurde in Österreich Dayli, das ebenfalls furios in die Pleite schlitterte und die Justiz beschäftigt. Den sechs Angeklagten drohen bis zu zehn Jahren Haft.

Pucking. Vier Jahre nach der Pleite seiner Drogeriekette soll sich der ehemalige deutsche Milliardär Anton Schlecker nach den Vorstellungen der Staatsanwaltschaft dafür vor Gericht verantworten.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart erhob am Donnerstag gegen den 71-jährigen Anton Schlecker Anklage wegen Bankrotts. Auch seine Frau Christa und seine beiden Kinder Lars und Meike sollen sich vor Gericht verantworten.

Die Anklage wirft dem ehemaligen Milliardär vor, vor der Insolvenz vor vier Jahren in 36 Fällen Vermögenswerte beiseite geschafft zu haben, obwohl ihm klar gewesen sei, dass die einst größte deutschen Drogeriekette vor der Zahlungsunfähigkeit stehe. Insgesamt geht es nach Angaben der Staatsanwaltschaft um mehrere Millionen Euro. Seine Frau und die Kinder sollen ihm dabei geholfen haben.

Über seinen Anwalt Norbert Scharf weht sich Schlecker gegen eine Vorverurteilung: "Voreilige Festlegungen verbieten sich angesichts des Stands und des Inhalts des Verfahrens", sagte Scharf. "Die mit der Anklage aufgeworfenen Fragen betreffen einen umfangreichen, komplexen und rechtlich schwer einzuordnenden Sachverhalt aus der Historie der Firma Schlecker", erklärte der Strafverteidiger zur Begründung. Zu den Vorwürfen im einzelnen werde er sich gegenüber dem Landgericht Stuttgart äußern, bei dem die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben hat. Das Gericht muss nun entscheiden, ob es die Anklage zulässt und damit den Prozess eröffnet.

Wirtschaftsprüfer von EY auf die Anklagebank

Auf der Anklagebank wollen die Staatsanwälte auch zwei Wirtschaftsprüfer der Stuttgarter Prüfungsgesellschaft EY (Ernst & Young) sehen. Sie sollen Bilanzen für 2009 und 2010 testiert haben, obwohl sie erkannt hätten, dass Schlecker diese manipuliert habe.

Anton Schlecker selbst habe im Zusammenhang damit auch vor dem Insolvenzgericht gelogen. EY wollte sich dazu am Donnerstag nicht äußern. Ob das Verfahren eröffnet wird, muss nun die Große Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Stuttgart entscheiden. Das dürfte mehrere Wochen dauern.

Die Vorwürfe:

BANKROTT: Der Straftatbestand (Paragraf 283 Strafgesetzbuch) hängt eng mit einer Insolvenz zusammen, denn "wer bei Überschuldung oder bei drohender oder eingetretener Zahlungsunfähigkeit" beispielsweise Werte für die mögliche Insolvenzmasse zur Bedienung der Gläubiger verheimlicht oder verschwinden lässt, dem drohen bis zu fünf Jahre Haft oder Geldstrafe. Besonders schwere Fälle werden mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft. Das liegt in der Regel dann vor, wenn der Täter aus Gewinnsucht handelt. Auch der Versuch ist strafbar.

INSOLVENZVERSCHLEPPUNG: Dieser Straftatbestand (Paragraf 15a der Insolvenzordnung) besagt im Kern, dass im Falle einer Firmenpleite Geld- oder Freiheitsstrafen drohen, wenn die Insolvenz "nicht, nicht richtig oder nicht rechtzeitig" bei Gericht angezeigt wird. Es gibt jedoch eine Einschränkung: Anders als etwa bei einer GmbH oder einer Aktiengesellschaft greift das Gesetz nicht für den eingetragenen Kaufmann (e.K.), weil der nämlich keine juristische Person ist. Beim Dachunternehmen Anton Schlecker e.K. ergibt sich somit keine Handhabe - wohl aber gegen seine Kinder als faktisches Geschäftsführer eines Logistikunternehmens. Insolvenzverschleppung wird mit bis zu drei Jahren Haft oder Geldstrafe bestraft.

Der Bankrott

Wenn eine Insolvenz droht oder kurz bevorsteht, darf ein Eigentümer seinem Unternehmen keine Finanzmittel mehr entziehen, damit die Gläubiger nicht geschädigt werden. Tut er es doch, wird das juristisch als Bankrott bezeichnet. In 13 der 36 Fälle, die die Staatsanwaltschaft ermittelt haben will, geht es um Bankrott in einem besonders schweren Fall. Darauf steht in jedem Fall eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zehn Jahren.

Schlecker hatte seinen Milliarden-Konzern in Ehingen bei Ulm als "eingetragener Kaufmann" geführt, Privat- und Firmenvermögen waren damit nicht getrennt. In den Jahren vor der Pleite hatte er Immobilien und andere Firmenteile an seine Kinder und an seine Ehefrau verkauft oder verschenkt. Bei Schlecker war es zum Zeitpunkt der Insolvenz bereits seit Jahren abwärts gegangen.

Die Logistiktochter, die die einst 3000 Filialen mit Waren belieferte, wurde von Schleckers Kindern geführt. Die Ermittler werfen ihnen vor, noch mehrere Millionen Euro angeblichen Gewinn herausgezogen zu haben, als das Unternehmen längst überschuldet war. Auch Schleckers Ehefrau habe Geld bekommen, das ihr nicht zustand. Ein Logistikzentrum in Österreich hatte Schlecker nur sechs Tage vor Anmeldung der Insolvenz für 2,5 Millionen Euro an die Kinder verkauft.

Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz hatte die Vermögensübertragungen bereits 2013 erfolgreich angefochten. Nach dem Insolvenzrecht müssen solche Geschäfte in der Regel rückgängig gemacht werden, wenn sie innerhalb von vier Jahren vor der Insolvenz über die Bühne gehen. Schleckers zahlten 10,1 Millionen Euro, die an die Gläubiger flossen. Im Gegenzug durfte die Familie unter anderem ihr luxuriöses Anwesen in Ehingen behalten.

Schlecker war auch in Österreich sehr aktiv, als auch hierzulande die Rollbalken runtergingen, übernahm die Filialen die neu gegründete Firma dayli, die nach kurzer Zeit furios scheiterte. Von den vollmundigen Ankündigungen von dayli-Chef Rudolf Haberleitner blieb nichts übrig, gegen ihn ermittelt die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA).

Die beiden Stuttgarter Zeitungen berichteten am Mittwoch vorab, es gehe dabei um insgesamt 20 Millionen Euro. Laut dem "Handelsblatt" werfen ihm die Ermittler auch falsche Angaben in den Bilanzen vor. Schleckers Anwälte hätten sich dazu nicht äußern wollen.

Wenn die Insolvenz droht oder kurz bevorsteht, darf ein Eigentümer dem Unternehmen keine Finanzmittel mehr entziehen. Schlecker hatte seinen Milliarden-Konzern in Ehingen bei Ulm als "eingetragener Kaufmann" geführt, Privat- und Firmenvermögen waren damit nicht getrennt.

Schlecker hatte in den Jahren vor der Pleite Immobilien und andere Firmenteile an seine Kinder Lars und Meike und an seine Ehefrau verkauft oder verschenkt. Ein Logistikzentrum im österreichischen Pöchlarn (NÖ) war nur sechs Tage vor Anmeldung der Insolvenz Ende Jänner 2012 für 2,5 Mio. Euro an die Kinder verkauft worden.

Nach dem Insolvenzrecht müssen solche Geschäfte in der Regel rückgängig gemacht werden, wenn sie innerhalb von vier Jahren vor der Insolvenz über die Bühne gehen. Schleckers hatten auf Betreiben von Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz 2013 10,1 Millionen Euro gezahlt, die an die Gläubiger flossen. Im Gegenzug durfte die Familie unter anderem ihr luxuriöses Anwesen in Ehingen behalten.

Gegen Ex-Drogeriekettenbesitzer und einstigen Milliardär Anton Schlecker wird ermittelt: Er soll kurz vor der Pleite Millionen beiseite geschaft haben (Archivbild vom 25.02.1999).

Der Fall des Drogeriekönigs


In der früheren Schlecker-Zentrale in Ehingen bei Ulm ging Anton Schlecker noch lange ein und aus, nachdem sein Lebenswerk längst zusammen gebrochen war. Europas größte Drogeriemarktkette ging 2012 in die Knie. Doch erst im vergangenen Jahr verschwanden die Schlecker-Buchstaben vor dem gläsernen Koloss an der Talstraße.

Ihr Erbauer ist unterdessen an einem weiteren Tiefpunkt angelangt: Die Staatsanwaltschaft Stuttgart klagt den 71-Jährigen an, wegen vorsätzlichen Bankrotts. Schlecker soll vor der Pleite Vermögen beiseite geschafft haben.

Der Metzgermeister aus Ulm hatte 1975 den ersten Schlecker-Drogeriemarkt eröffnet. Er machte einen Konzern daraus, der in seinen Glanzzeiten mehr als 55 000 Menschen beschäftigte.

Die Pleite machte den Unternehmer "privatinsolvent". "Damals brach eine Welt für ihn zusammen", verriet ein Insider einmal. "Er war der festen Überzeugung: "Ich kriege das schon noch hin." Doch er bekam es nicht hin, 25.000 Mitarbeiter verloren ihren Job. Das Unternehmen Schlecker samt Aufstieg und Fall des Patriarchen wurde Stoff für Filme.

Schon zu den guten Zeiten scheute Schlecker öffentliche Auftritte. Andere Leute mitreden lassen bei seinem Lebenswerk - das kam nicht in Frage, wie Gewerkschafter vermuten.

Der Vorwurf schlechter Arbeitsbedingungen ist mit dem Bild des Schwaben mindestens genauso verbunden wie der Nimbus des Selfmade-Manns, der es zu einem Milliardenvermögen brachte. Und wieder verlor. Einen Blick auf den Chef erhaschen konnten einzig die Mitarbeiter, in deren Filialen Schlecker bei seinen samstäglichen Kontrollbesuchen Station machte.

Dass Anton Schlecker sogar zu Glanzzeiten seines Unternehmens eher einem Phantom glich, hat einen traurigen Hintergrund. 1987 wurden die Schleckers überfallen und beide Kinder entführt. Selbst in dieser dunklen Stunde zeigte Schlecker allerdings schwäbischen Geschäftssinn - und handelte die Lösegeld-Forderung herunter. Beobachter erzählen aber von einem engen Zusammenhalt in der Familie, auch während der Insolvenz.

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