Amazon geht offline: Mehr Pop-up-Stores für 2017 geplant

Amazon geht offline: Mehr Pop-up-Stores für 2017 geplant

Das "Fire TV" von Amazon: Hat der kunde es einmal gekauft, so kann Amazon Serien direkt auf seinen Fernseher beamen - gegen Bezahlung, versteht sich.

Manche Produkte möchte der Kunde anfassen, bevor er sie kauft. Um dieses Bedürfnis zu befriedigen, eröffnet der US-Internetriese Amazon sogenannte "Pop-up-Stores", in denen die Ware kurzfristig hergezeigt wird. Der Wiener Hipster-Community ist dieses Konzept längst bekannt.

In Wiens Hipster-Community hat der Begriff des "Pop-up-Stores" einen ebenso verspielten wie rebellischen Touch. Bei diesem Retail-Konzept eröffnet der Shop-Betreiber ein Geschäft an einem ungewöhnlichen Standort - etwa in einer leerstehenden Wohnung oder in einem Bau-Container am Donaukanal -, verkauft dort für kurze Zeit seine Ware und bricht dann seine Zelte wieder ab. Bei den verkauften Produkten handelt es sich meist um Kunsthandwerk, ausgefallene Mode oder Schmuck, der von lokalen Designern hergestellt wurde. Auch die Arche Noah, ein Fachhandel für Bio-Obst und -Gemüse, betreibt einen Pop-up-Store. Szene-Blogs wie Viennainside.at informieren über die aktuellen Projekte, auf Websites wie gopopup.at können sich Verkäufer nach einem passenden Verkaufsraum umsehen.

Nun allerdings bekommt die hippe Welt der Pop-up-Stores einen weiteren Player, der deutlich mehr Schlagkraft hat als jeder Bobo-Designer aus Neubau: Ausgerechnet Amazon, die Nemesis des stationären Handels, will stärker auf dieses Konzept setzen. Das berichtet zumindest das US-Onlinemedium Business Insider mit Bezug auf informierte Personen.

Vom digitalen in den physischen Raum

Dem Bericht zufolge möchte Amazon bereits 2017 rund 100 Pop-up-Stores in US-amerikanischen Shoppingzentren betreiben. Dort sollen vor allem die Hardware-Produkte des Konzerns verkauft werden, also etwa der E-Reader Kindle, der interaktive Lautsprecher Echo, die smarten Buttons namens Amazon Dash und die Streaming-Geräte Fire TV. Viele dieser Geräte sind so neuartig, dass sie dem Kunden erklärt werden müssen - etwa der Lautsprecher Echo, der auf Befehle seines Eigentümer reagiert -, beziehungsweise wollen viele Kunden die Produkte vor dem Kauf selbst in der Hand halten. Für diese Anforderungen - also persönliche Beratung und individuelle Tests - ist das Web als Vertriebskanal eher ungeeignet, Pop-up-Stores hingegen sind optimal.

Nach dem Verkauf der Hardware verfügt Amazon dann über einen neuen Verkaufskanal im Haushalt des Kunden: Denn für den Kindle kann Amazon E-Books verkaufen, der Dash-Button bestellt neues Waschmittel auf Knopfdruck - natürlich bei Amazon.

Was plant Amazon mit Produkten wie "Dash" und "Echo"? Klicken Sie auf das Bild, um mehr über den Angriff des Internetriesen auf den Haushalt des Kunden zu erfahren.

Schon jetzt setzt Amazon auf das Konzept der Pop-up-Stores. Für Kunden in den USA wurde eine eigene Website eingerichtet, die alle bestehenden Standorte auflistet - derzeit sind es 22 Shops. Von einer Einführung dieses Konzepts in Deutschland oder Österreich ist derzeit allerdings noch nichts bekannt. Letztes Jahr hatte Amazon auch ein physisches Buchgeschäft in Seattle - dem Hauptsitz des Konzerns - eröffnet.

Aktie im Höhenflug

Amazons Aktie (US0231351067) eilte in den vergangenen Jahren von Höhepunkt zu Höhepunkt - erst Anfang 2016 wurde mit 788,87 Dollar ein neues Allzeithoch erreicht. Allein im heurigen Jahr hat die Amazon-Aktie 13,88 Prozent an Wert gewonnen, die Marktkapitalisierung liegt inzwischen bei 364,89 Milliarden Dollar - zum Vergleich: Konkurrent eBay ist an der Börse bloß 36,11 Milliarden Dollar wert. Mit dem Höhenflug soll nach Ansicht von Experten aber noch lange nicht Schluss sein: Laut einem Artikel im Finanzmedium "Der Aktionär" liegt der Amazon-Zielkurs bei 800 Euro.

Derart gewaltige Zahlen mögen so manchen Designer einschüchtern, der bisher seine Produkte in einem kleinen Container am Donaukanal verkaufte. Doch keine
Sorge: In seiner kleinen, aber feinen Nische werden Bio-Tomaten und lokales Kunsthandwerk wohl immer nachgefragt werden. Warm anziehen sollten sich hingegen all jene, deren Produktportfolio sich mit jenem des Internetriesen überschneidet - denn Amazons CEO Jeff Bezos ist bekanntermaßen nicht zimperlich damit, durch innovative Konzepte kleinere lokale Konkurrenten auszustechen.

Der Höhenflug der Amazon-Aktie seit Anfang 2012.

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