WMF von Moulinex-Eigentümer SEB geschluckt

WMF von Moulinex-Eigentümer SEB geschluckt

Das französische Haushaltsgeräteunternehmen SEB übernimmt das deutsche Traditionsunternehmen Württembergische Metallwarenfabrik (WMF). 1,6 Milliarden Euro zahlt SEB an den Finanzinvestor KKR. Der österreichische Investor Andreas Weißenbacher (BWT), einst Anteilhaber bei WMF, profitiert ebenso vom Verkauf.

Frankfurt. Der deutsche Besteck-, Kochtopf- und Kaffeemaschinenhersteller WMF wird französisch. Die für Küchengerätemarken wie Moulinex, Tefal, Rowenta und Krups bekannte Groupe SEB aus Lyon zahlt für die Übernahme von WMF fast 1,6 Mrd. Euro.

Das Traditionsunternehmen aus Frankreich hat es vor allem auf das Geschäft von WMF mit Kaffeeautomaten für Restaurants und Bäckereien abgesehen, in dem das schwäbische Unternehmen unangefochtener Weltmarktführer ist. Aber auch das Filialgeschäft mit den 200 WMF-Läden sowie das traditionelle Geschäft von WMF mit Töpfen, Pfannen, Besteck und Kleingeräten (Schaerer, Silit) hat die Begehrlichkeiten von SEB geweckt. SEB habe "hohen Respekt für dieses großartige Unternehmen", mit dem es Kultur und Werte teile, sagte Konzern-Chef Thierry de La Tour d'Artaise.

Zwei Tradtionsunternehmen

SEB war nicht der einzige Interessent. Auch chinesische Bieter und die schwedische Electrolux hatten Insidern zufolge um WMF gebuhlt. Der US-Finanzinvestor KKR hatte die Firma vier Jahren nach dem Einstieg wieder zum Verkauf gestellt. Für ihn entpuppte sich WMF als sehr lukratives Geschäft. Finanzinvestor KKR hatte in den vergangenen Jahren allerdings massiv den Rotstift gezückt. Selbst langjährige Mitarbeiter wurden vorzeitig in Ruhestand versetzt.
Am Unternehmenssitz im schwäbischen Geislingen wurde über die vergangenen Jahre hinweg massiv Personal abgebaut und Teile der Produktion nach China ausgelagert.

WMF zählt zu den Traditionsunternehmen Deutschlands. Das 1853 gegründete Unternehmen beschäftigt rund 5.700 Mitarbeiter. Im abgelaufenen Jahr hatten die Eigentümer rund 400 Mitarbeiter abgebaut. Mit der Übernahme von WMF wollen die Franzosen nach eigenen Angaben unter anderem Weltmarktführer bei gewerblichen Kaffeemaschinen werden.

WMF hat den Umsatz im vergangenen Jahr um 4,3 Prozent auf 1,1 Mrd. Euro gesteigert, der operative Gewinn (Ebitda) lag bereinigt um Sondereffekte bei 118 Mio. Euro. 2016 soll er auf 140 Mio. Euro steigen. Das Kaffee-Geschäft trägt nur 37 Prozent zum Umsatz bei, steht aber für den Löwenanteil des Gewinns. Zwei Drittel des Umsatz erzielt WMF aber noch immer mit Töpfen, Pfannen, Besteck, Messer und sonstigen Haushaltsgeräten.

SEB wurde 1925 als Societe d'Emboutissage de Bourgogne gegründet. Unter dem Dach des Konzerns sind verschiedene Haushaltsgerätemarken wie Krups, Moulinex, Tefal und Rowenta. Mit dem Zukauf von WMF auf 5,8 Mrd. Euro Umsatz und ein Ebitda von 651 Mio. Euro. Weil die Schwaben eine höhere Umsatzrendite erwirtschaften, rechnen die Franzosen mit einem Schub für ihren Gewinn je Aktie. Von 2020 an sei mit Einspar- und Umsatzeffekten von 40 Mio. Euro zu rechnen. Finanziert wird die Übernahme auf Kredit. SEB zahlt 1,02 Mrd. Euro und übernimmt 565 Mio. Euro Schulden von WMF.

Und seit der Vorwoche hat SEB einen weiteren Neuzugang zu verzeichnen. Die Franzosen hatten erst in der Vorwoche den Thermoskannen-Hersteller Emsa aus Emsdetten in Nordrhein-Westfalen geschluckt.

An der Pariser Börse wird das Unternehmen derzeit mit rund 4,8 Milliarden Euro bewertet. Seit Februar hat der Kurs um knapp ein Fünftel zugelegt. Und am heutigen Tag haben die SEB-Aktien um bis zu 15 Prozent zulegen können.

US-Finanzinvestor KKR habe seinen Kapitaleinsatz seit der Komplettübernahme im Jahr 2012 mehr als verdreifacht, hieß es in Finanzkreisen. Als KKR 2012 bei WMF einstieg, wurde das Unternehmen erst mit 600 Millione nEuro bewertet. An die Kleinaktionäre und den schweizerischen Großaktionär CapVis zahlte KKR zusammen 470 Mio. Euro. Der zweite Großaktionär, der österreichische Unternehmer Andreas Weißenbacher (BWT), ließ sich später in Anteilen an der Holding abfinden, über die KKR die WMF hält. Im Juli 2012 hatte Weißenbacher noch 37 Prozent der WMF-Aktien gehalten bevor die Anteile nach heftigen Auseinandersetzungen auf Seiten der Aktionäre von KKR übernommen wurden. Weißenbacher soll nun auch vom Weiterverkauf noch profitieren.

Für KKR wäre der Verkauf in jedem Fall ein lukratives Geschäft. Als der Finanzinvestor 2012 einstieg, wurde WMF gerade mit rund 600 Mio. Euro bewertet. An die Kleinaktionäre und den schweizerischen Großaktionär CapVis zahlte KKR zusammen 470 Mio. Euro.

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