FACC-Chef Stephan muss sofort abtreten

FACC-Chef Stephan muss sofort abtreten

Der Aufsichtsrat des Luftfahrtzulieferer FACC hat überraschend den langjährigen Chef und einstigen Gründer von FACC Walter Stephan gefeuert. Er habe "seine Pflichten schwerwiegend verletzt". Der Schaden hat dem Unternehmen einen Verlust eingebrockt. Vor dem FACC-Chef musste bereits die Finanzchefin gehen.

Wien/Ried im Innkreis Plötzlicher Chefwechsel beim oberösterreichischen Luftfahrtzulieferer FACC mit Sitz in Ried im Innkreis: Der langjährige CEO Walter Stephan ist "mit sofortiger Wirkung aus wichtigem Grund abberufen worden", wie das Unternehmen heute, Mittwoch, ad hoc mitteilte. Interimistisch wurde Robert Machtlinger an die Firmenspitze gesetzt.

Der Aufsichtsrat ist laut Aussendung zu dem Schluss gekommen, dass Stephan "seine Pflichten schwerwiegend verletzt hat, insbesondere im Zusammenhang mit dem 'Fake President'-Vorfall". Kurz vor zwei Uhr in der Nacht gab der Aufsichtsrat seine Entscheidung bekannt, wie die APA am Mittwoch erfahren hat. Der Schock bei den Mitarbeitern sitzt tief.

Stephan war früher bei der Fischer-Skisport-Gruppe Entwicklungsleiter und hat aus dieser heraus den Luftfahrtkonzern FACC gegegründet - das war vor rund 30 Jahren. "Die FACC war sein Baby. Er hat die Firma aufgebaut und großgemacht", so einer seiner engsten Mitarbeiter zur APA.

Vor einem halben Jahr hatte FACC durch Cyberbetrug einen Schaden in der Höhe von 50 Millionen Euro erlitten. Per fingierter E-Mail wurde der Vorstand aufgefordert das Geld auf Konten etwa in Asien und in die Slowakei zu überweisen. Betrüger dürften einer FACC-Mitarbeiterin aus dem Finanzbereich eine gefälschte Email mit der Bitte um millionenschwere Überweisungen geschickt haben. Die Mail habe so ausgesehen, als ob sie von einem firmeninternen Absender kommt. "Beim Fake-President-Betrug werden gefakte Emails an Mitarbeiter geschickt und diese werden ersucht, Handlungen zu setzen", erklärte FACC-Investor-Relations-Chef Manuel Taverne der APA. "Bei uns war die gewünschte Handlung die Überweisung von mehreren Millionen Euro - unter Vortäuschung eines Geschäftsfalls."

Die Mitarbeiterin aus der FACC-Finanzabteilung, die auf die Mails hereingefallen ist, sei ja jedenfalls "entfernt" worden, ebenso ihre Vorgesetzte, die Finanzvorständin Minfen Gu.

"Dank unmittelbar eingeleiteter Maßnahmen" habe ein Betrag von 10,9 Mio. Euro auf Empfängerkonten in Asien und der Slowakei einer Sperre unterzogen werden können. "Wir arbeiten fieberhaft an der Rückführung", sagte der Investor-Relations-Chef. In dem Fall ermittelt auch die Wiener Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA), FACC-Organe seien aber nicht beschuldigt, heißt es.

Dieser Betrag ist laut FACC als "sonstige Forderung" bilanziert. Es sei davon auszugehen, dass "die auf den Empfängerkonten gesperrten Beträge mittelfristig rückfließen werden". Letztendlich hat dieser Betrugsfall aber das Ergebnis im Geschäftsjahr 2015/16 verhaut und somit den der Hauptgrund für den Rausschmiss von CEO Stephan geliefert. Der operative Verlust hatte sich infolgedessen auf 23,4 Millionen Euro erhöht und damit gegenüber dem Vorjahreszeitraum vervierfacht, wie FACC mitteilte. Die Cyberattacke drückte mit einem Einmaleffekt von 41,9 Millionen Euro auf das Ergebnis.

Ohne diesen Schadensfall ("Fake President Incident") hätte die FACC einen Betriebsgewinn von 18,6 Mio. Euro erzielt. Der Umsatz stieg um 11,1 Prozent auf 587,5 Mio. Euro.

Für das neue Geschäftsjahr 2016/17 erwartet das Unternehmen erneut einen Anstieg der Verkaufserlöse im zweistelligen Prozentbereich. Die Umsätze aus Entwicklungsleistungen würden aus heutiger Sicht in naher Zukunft das Niveau der Jahre 2012 und 2013 nicht mehr erreichen - Airbus und Boeing brächten kurzfristig keine neuen Großprojekte auf den Markt.

Die mehr als 3.000 Mitarbeiter des Konzerns (davon arbeiten über 2.700 in Oberösterreich) wurden am Mittwoch in der Früh von ihren Vorgesetzten über die Lage informiert. Die für 10.30 Uhr in Wien anberaumte Bilanz-Pressekonferenz, die der Nicht-mehr-CEO Stephan hätte leiten sollen, wurde kurzfristig abgesagt.

Die FACC ist mehrheitlich in chinesischer Hand, dies schon seit 2009. Damals hat die staatliche chinesische Luftfahrt- und Militärindustrie AVIC - über ihren kommerziellen Arm - die Firma aus Oberösterreich fast zur Gänze übernommen. 2014 schickten die Chinesen die FACC dann an die Börse, heute halten sie 55 Prozent am Unternehmen. Knapp 5 Prozent hält der Erste-Group-Konzern (über Töchter), 39,6 Prozent sind im Streubesitz. Dem Aufsichtsrat der FACC stehen Chinesen vor.

Die Aktie der FACC hat am Mittwochvormittag zugelegt - um 3,9 Prozent auf 4,83 Euro. Zum Vergleich: der erste Börsenkurs Mitte 2014 war bei 9,50 Euro gelegen.

Die für heute, Mittwoch, um 10.30 Uhr geplante Bilanzpressekonferenz der FACC über "Ergebnis Geschäftsjahr 2015/16 - Ausblick" mit Vorstandschef Stephan, Technik-Vorstand Machtlinger und Dir. Taverne von der Wiener Börse) wurde kurzfristig abgesagt.

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