Europäische Konzerne verdienen 2015 um14 Prozent weniger

Europäische Konzerne verdienen 2015 um14 Prozent weniger

Der Preisverfall bei Öl- und Rohstoffen machte Großunternehmen zu schaffen. Die US-Konzerne sind dennoch deutlich profitabler als europäische Top-Unternehmen. Das sei vor allem auf "strukturelle Probleme" laut Erhebung des Beratungsunternehmens EY zurückzuführen.

Wien. Im vergangenen Jahr gingen die Umsätze und Gewinne der jeweils 300 größten Unternehmen sowohl in Europa als auch den USA zurück. Die amerikanischen Firmen kamen dabei besser davon als ihre europäischen Konkurrenten, wie eine Studie des Wirtschaftsprüfers EY zeigt. Die Top-Unternehmen jenseits des Atlantiks seien auch um einiges profitabler.

Demnach mussten die europäischen Unternehmen Gewinneinbußen von 14 Prozent hinnehmen, die Umsätze gingen um 4 Prozent zurück. In den USA hätten die Konzerne nur um 3 Prozent weniger verdient, die Umsätze sanken ebenfalls um 3 Prozent.

Die US-Konzerne sind laut EY auch deutlich profitabler als die europäische Wirtschaft: der Umsatz der europäischen Top-Konzerne lag bei 7.000 Mrd.. Euro mit einem Gewinn von 536 Mrd. Euro. Die US-Konzerne kamen umgerechnet auf 8.700 Mrd. Euro Umsatz und 1.000 Mrd. Euro Gewinn. Die schwachen Margen seien auch auf strukturelle Probleme zurückzuführen. "Es gibt nach wie vor in Europa ein massives Übergewicht der sogenannten Old Economy", meint Gerhard Schwartz, Partner und Leiter des Assurance-Bereichs bei EY Österreich.

Besonders der Verfall der Öl- und Rohstoffpreise machte den Konzernen 2015 zu schaffen: Die europäische Öl- und Gasbranche machte deutlich weniger Geschäft, die Umsätze gingen um 28 Prozent zurück. Noch größer waren die Rückgänge in den USA, hier brachen die Umsätze um 34,6 Prozent ein. Das Gleiche ist auch im Bergbau zu beobachten, das Umsatzminus lag in Europa bei 14,8 Prozent, in den USA bei 17,5 Prozent.

Gegenteilige Entwicklungen gab es bei den übrigen europäischen Konzernen in den anderen Branchen: "Für die Mehrzahl der europäischen Großunternehmen ging es bei Umsatz und Gewinn aufwärts. Sie profitierten zum einen von der anziehenden Konjunktur in Teilen Europas und der wiedererstarkten US-amerikanischen Wirtschaft, vor allem aber vom schwachen Euro", führt Schwartz aus. In der Medienbranche setzen die größten Konzerne um 31,5 Prozent mehr um. Auch im Groß- und Einzelhandel (Non-Food, +16,8 Prozent) und in der Automobilindustrie (+10,8 Prozent) gab es Zuwächse.

Unter den 300 umsatzstärksten Unternehmen Europas finden sich mit OMV, voestalpine und Andritz auch drei Vertreter aus Österreich. Während der Öl- und Gaskonzern OMV (Platz 83) und das Stahlunternehmen voestalpine (169) im Vergleich zu 2014 Plätze einbüßten, machte der Maschinenbauer Andritz drei Plätze gut und landete auf Rang 270. Europaweit liegen der Ölriese Royal Dutch Shell, der Autobauer VW und BP auf den ersten drei Plätzen.

In Europa wies Daimler mit 13,2 Milliarden Euro den höchsten Gewinn aus und bleibt damit weit hinter dem internationalen Spitzenreiter, dem iPhone-Hersteller Apple, der umgerechnet 65,6 Mrd. Euro verdiente.

2016 dürfte nach Einschätzung der Wirtschaftsprüfer ein mageres Jahr werden. "In diesem Jahr fällt der schwache Euro als Umsatzturbo aus. Hinzu kommen eine schwächelnde Weltkonjunktur und steigende wirtschaftliche und politische Risiken: Ein Brexit würde Schockwellen durch Europa senden, die US-Präsidentschaftswahl wirft ihre Schatten voraus und Europa kämpft weiter mit der Flüchtlings-und der Staatsschuldenkrise", so Schwartz.

Gewerbe & Industrie

Weniger Pfusch in Österreich - aber immer noch Milliardengeschäft

Wirtschaft

Milliardenzug: BAT zieht sich den Rest von Camel rein

Fiat-Chrysler CEO: "Wer uns mit VW vergleicht, hat was geraucht"

Auto & Mobilität

Fiat-Chrysler CEO: "Wer uns mit VW vergleicht, hat was geraucht"

Auto & Mobilität

Tesla Österreich-Chef Hammerl: "Wir sind ja schon ein bisserl provokant"