Mehr Geld für "Gesundheitsförderung & Co." als angenommen

Mehr Geld für "Gesundheitsförderung & Co." als angenommen

Österreich steht laut den OECD-Analysen seit Jahren in einem schlechten Licht, was die Aufwendungen für Gesundheitsförderungen und Prävention angeht. Demnach waren es 2012 nur 1,9 Prozent der öffentlichen Ausgaben für Gesundheit. Eine im Auftrag von Gesundheitsministerium und Hauptverband der Sozialversicherungsträger erstellte Studie zeigt ein anderes Bild: Der Anteil liegt bei 3,1 Prozent.

"Zwischen 2001 und 2012 sind die Gesundheitsausgaben um 60 Prozent gestiegen. Die Ausgaben für Gesundheitsförderung und Prävention haben sich verdoppelt", sagte die Präsidentin des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger, Ulrike Rabmer-Koller, zu der neuen Studie der Gesundheit Österreich GmbH. Die Untersuchung zeige, dass man mehr als angenommen für Gesundheitsförderung und Prävention aufwende als im internationalen Vergleich angenommen. "Fast drei Viertel dieser Aufwendungen kommen von der Sozialversicherung."

Die Sektionsleiterin für öffentliche Gesundheit im Gesundheitsministerium, Pamela Rendi-Wagner, äußerte sich ebenfalls positiv zum Gesamtergebnis: "Auffällig und erfreulich ist, dass doch mehr als drei Prozent der öffentlichen Gesundheitsausgaben für Gesundheitsförderung und Prävention aufgewendet werden. Inklusive der Tertiärprävention (samt Rehabilitation und Kuren; Anm.) sind es gar etwa zwei Milliarden Euro. Faktum ist aber auch, dass noch immer 97 Prozent in den kurativen Bereich fließen." Das erhöhe zwar auch die Lebenserwartung durch die optimale Behandlung bereits bestehender Krankheiten, mache aber die österreichische Bevölkerung nicht wirklich gesünder.

Die OECD erhebt und analysiert die Gesundheitsausgaben mit einem "System of Health Accounts". Das erlaubt zwar einen internationalen Vergleich und das Erkennen von Trends, doch für die kleinräumigeren nationalen Gegebenheiten bleibt da wenig Platz bzw. Detailreichtum. Jedenfalls wies der Durchschnitt für die Ausgaben für Gesundheitsförderung, Prävention & Co. bei den wichtigen OECD-Staaten 2012 eben 3,4 Prozent auf. Für Österreich wurden nur 1,9 Prozent ausgewiesen. Das hat auch immer wieder zu gesundheitspolitischen Debatten geführt.

Andere Erhebung

Laut der ÖBIG-Studie dürfte das deutlich anders zu sehen sein. Die tatsächliche Höhe der Ausgaben für Gesundheitsförderung und Prävention berechneten die Autoren auf Basis einer detailgenauen Erhebung aller Aufwendungen des Bundes (inkl. des Fonds Gesundes Österreich), der Bundesländer, der Gemeinden und der Sozialversicherung. Exklusive der sogenannten Tertiärprävention - dies umfasst die Ausgaben für Kuren und Rehabilitation - wurde für das Jahr 2012 eine Summe von rund 750 Millionen Euro an Ausgaben in diesem Bereich errechnet. Pro Kopf der Bevölkerung waren das damit rund 89 Euro. Führend bei diesen Ausgaben war die Sozialversicherung. Für sie errechneten die Studienautoren 543,6 Millionen Euro oder 72,5 Prozent aller Aufwendungen. Pro Kopf der Bevölkerung waren dies 64,5 Euro. Auf den Bund entfielen 119 Millionen Euro oder 15,9 Prozent, auf die Bundesländer 69,4 Millionen Euro oder 9,3 Prozent und auf die Gemeinden 17,5 Millionen Euro oder 2,3 Prozent.

Zu den ausgabenstärksten Positionen zählten demnach insgesamt die Vorsorgeuntersuchungen mit 91,2 Millionen Euro, die Zahngesundheit mit 83,5 Millionen Euro, der Mutter-Kind-Pass mit 56,5 Millionen Euro, die Prävention von Arbeitsunfällen und berufsbedingten Erkrankungen sowie die Impfungen. Fasst man den Bereich weiter und rechnet man die Ausgaben für Kuren und Rehabilitation ("Tertiärprävention") ein, würde die Gesamtsumme der Ausgaben rund um Prävention, Gesundheitsförderung und langfristige Verbesserung und Verlangsamung chronischer Erkrankungen etwas mehr als zwei Milliarden Euro (2012) ausmachen. Pro Kopf der Bevölkerung bedeutet dies dann einen Aufwand von 240 Euro, der Anteil der Sozialversicherung an diesem Aufwand stiege dann von 72,5 Prozent auf 87,1 Prozent.

Eine Trendwende in Richtung mehr Investitionen in Prävention und Gesundheitsförderung dürfte sich in Österreich bereits vor einigen Jahren abgespielt haben. Exakt verdoppelten sich im Zeitraum zwischen den Jahren 2001 und 2012 diese Ausgaben de facto (plus 96,2 Prozent). Die gesamten öffentlichen Gesundheitsausgaben stiegen im gleichen Zeitraum um 59,4 Prozent, wie die Studie anmerkt. Wesentlich verantwortlich dürften dafür auch die im Jahr 2012 verabschiedeten Rahmen-Gesundheitsziele sowie die Zielsteuerungsregelungen im Rahmen der Gesundheitsreform gewesen sein.

Gesundheitsförderung in allen Lebensbereichen

Die Sektionsleiterin für öffentliche Gesundheit im Ministerium, Pamela Rendi-Wagner, führte bei der Gesundheitsförderung besonders die Ernährung, Bewegung, "Frühe Hilfen" und Interventionen, Kinder- und Jugendgesundheit sowie die betriebliche Gesundheitsförderung als Schwerpunkte an, auf welche die Bemühungen noch stärker fokussiert werden sollen.

"Vor allem geht es darum, die gesunde Lebenserwartung der Österreicher zu steigen", sagte die Sektionsleiterin. Es gehe um die strategische Ausrichtung auf die wichtigsten Aspekte der Gesundheitsförderung. Man arbeite auch an einem ständigen Monitoring-System, um den Effekt der Maßnahmen auf den Gesundheitszustand der österreichischen Bevölkerung zu messen. Damit sollen Rückschlüsse möglich werden, welche der Programme am besten wirken.

Präsidentin des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger, Ulrike Rabmer-Koller, will die Aktivitäten auf diesen Gebieten ebenfalls verstärken und vorhandene Initiativen noch besser vernetzt sehen: "Mein Anliegen ist die Ausarbeitung einer Gesamtstrategie. Beim Thema Prävention und Gesundheitsförderung geht es vor allem auch um die Kinder- und Jugendgesundheit, weil in der Kindheit und in der Jugend ja das Verhalten der Menschen für ihr weiteres Leben geprägt wird." Mit Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) werde es dazu ebenfalls Gespräche geben.

Gesundheit, Medizin & Pharma

Millionenspritze für Zika-Impfstoff aus Wien

Gesundheit, Medizin & Pharma

Superfood: Supernepp mit Chia-Samen, Goji-Beeren & Co

Wirtschaft

Hohe Medikamentenpreise lassen Schweizer Exporte wachsen