Stopp-Corona-App: Technologie, die Freiheit gibt

Ein Plädoyer von Accenture Österreich Chef Michael Zettel für die Stopp Corona App: Warum Technologie unser Verbündeter im Kampf gegen Corona und eine Verpolitisierung kontraproduktiv ist.

Michael Zettel, Country Manager Accenture Österreich

Michael Zettel, Country Manager Accenture Österreich

„Das österreichische App-Wunder“ titelt die deutsche Wirtschaftswoche – das passiert nicht allzu häufig, dass die Welt staunend nach Österreich schaut und eine technologische Innovation bewundert. Ja, wir sind Vorreiter. Österreich hat als eines der ersten Länder weltweit den Nutzen von Technologie für den Kampf gegen Corona erkannt. Nur was passiert in der Heimat? Hier wird vor allem darüber diskutiert: politisch, medial, öffentlich.

Die App ist Hot Topic am Boulevard und im Hohen Haus. Und auch wenn jede kritische Diskussion zu begrüßen ist - diese politische Polarisierung tut der Sache nicht gut. Denn sie lenkt vom eigentlichen Nutzen ab. Die App ist nichts anderes als ein Hilfsmittel, wie all die anderen Apps auf unserem Smartphone, die wir täglich nutzen, zum Parkschein buchen, navigieren, Überweisungen machen, Musik hören, mit Freunden in Kontakt bleiben...

Die Stopp-Corona-App hat genau eine Funktion: Die Ausbreitung des Virus – insbesondere ab dem Wiederhochfahren des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens – einzudämmen. Das funktioniert, indem sie Kontakte speichert, einen Selbsttest anbietet und bei einem Verdachts- oder Infektionsfall die Benachrichtigung dieser Kontakte ermöglicht. Deswegen brauchen wir sie genau jetzt – und nicht übermorgen, in zwei Monaten oder zwei Jahren, wenn wir hoffentlich geimpft oder „herdenimmun“ sind, alles ausdiskutiert und jegliche Bedenken ausgeräumt haben.

Freiheit und Verantwortung

Eine App ersetzt niemals verantwortungsvolles Handeln. Das ist allerdings nichts Neues und Corona- spezifisch. Das gilt schon lange, z. B. für mein Navi im Auto, das mir im Tunnel eine Kehrtwende empfiehlt. Die App bietet den Vorteil, den die digitale Welt gegenüber der analogen Welt hat: zeitnahen Informationsaustausch.

Aktuell läuft das so ab: Der Corona-Patient sitzt nach seinem positiven Testergebnis beim Amtsarzt und muss mühsam nachvollziehen, wen er in den letzten fünf bis zehn Tagen (bis zum Tag vor Auftreten der ersten Symptome) getroffen hat. Die App macht genau für diesen Vorgang der Befragung dasselbe – nur zu einem wesentlich früheren Zeitpunkt, ich kann nämlich meine Kontakte – also in der Regel mein engstes Umfeld - bereits beim ersten Auftreten von Symptomen warnen. Genau dieser Zeitvorsprung kann Leben retten. Es ist absurd, diesen Vorteil zu ignorieren und mehr über vermeintliche Gefahren zu diskutieren.

Die App ist ein Enabler, ein „Ermöglicher“. Die App bietet Freiheit und schränkt uns nicht ein. Sie bietet die Möglichkeit, dass wir uns verantwortungsbewusst mehr bewegen können – und unsere engsten Kontakte warnen, wenn wir erkranken. Die App ist dabei ein Datenschutz-Champion. Das hat unser Datenschutz-Papst Max Schrems selbst bestätigt. Warum gibt es dann so eine geringe Akzeptanz und angebliche datenschutzrechtliche Bedenken in der öffentlichen und politischen Diskussion? Für mich ist die Antwort leider klar: Sie spiegelt die Technologieskepsis unserer Gesellschaft wider. Niemand, wirklich niemand würde leugnen, dass ein Helm beim Radfahren oder der Gurt beim Autofahren die Sicherheit erhöht. Die App macht genau dasselbe. Sie ist nur nicht ein haptischer Gegenstand, sondern ein Tool auf meinem Smartphone.

Mit Technologie gegen den Virus

Technologie ist unser Verbündeter im Kampf gegen Corona. Wir müssen diese Hilfe aber auch annehmen. Ohne Technologie, Digitalisierung und Cloud gäb’s keine Videokonferenzen, kein Home-Schooling, kein Homeoffice und Remote-Arbeiten, keine Online-Shops und Webservices. Noch vor drei bis vier Jahren wären unsere Probleme dramatisch größer gewesen. Unsere Wirtschaft wäre ohne Digitalisierung vollkommen zusammengebrochen.

Österreich ist mit der Stopp-Corona-App Europameister. Wir waren die Ersten. Das ist dem Roten Kreuz und dem visionären Gerry Foitik zu verdanken. Aber wir verspielen gerade diesen Vorsprung – was mehr als schade ist. Darum mein inniger Appell: Liebe Politiker, bitte nicht dagegen arbeiten und erklären, warum ihr die App nicht nutzen wollt. Sondern stolz darauf sein, als erstes Land in Europa die Möglichkeit zu haben, Corona digital unterstützt zu stoppen. Unser neues Ritual: Hände waschen, Maske tragen, digitalen Handshake machen.


Zum App Download

Das Ziel der Stopp-Corona-App ist, die Infektionskette zu unterbrechen. Mit der Smartphone-App des Roten Kreuz lassen sich Begegnungen mit Freunden, der Familie oder Arbeitskollegen einfach und anonymisiert speichern. Sollten Sie sich mit Corona infizieren, können Sie einfach über die App eine Meldung abgeben und Ihre Kontakte aus den letzten 48 Stunden werden anonym benachrichtigt. Das gleiche gilt umgekehrt.


Zur Person

Michael Zettel (43), ist seit seit dem 1. Juni 2016 Country Managing Director von Accenture in Österreich, das für das Rote Kreuz die Stopp-Corona-App entwickelt hat. Zettel studierte Wirtschaftsinformatik an der Technischen Universität Wien und an der Leeds University in England. Er hat bei Accenture 2001 das Geschäftsfeld Health & Public Services aufgebaut und als Geschäftsführer dieses Bereichs bereits zahlreiche richtungsweisende IT- und Transformationsprojekte im öffentlichen Sektor und Gesundheitsbereich verantwortet.

Accenture bietet als Dienstleistungsunternehmen weltweit eine breite Palette von Services und Lösungen in den Bereichen Strategie, Consulting, Digital, Technologie und Operations an.

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