Schokoladen-Check: Pestizide in jeder zweiten Tafel

Schokoladen-Check: Pestizide in jeder zweiten Tafel
Schokoladen-Check: Pestizide in jeder zweiten Tafel

Jede zweite von Global 2000 und Südwind getestete Schokoladentafel ist mit Pestiziden belastet.

Der Schokoladen-Check von Südwind und Global 2000 fällt ernüchternd aus: In jeder zweiten Tafel bzw. jedem zweiten Schoko-Osterhasen wurden Rückstände von Pestiziden gefunden. Direkte Risiken für die Gesundheit bestehen zwar nicht, doch Konsumenten sollten die belasteten Produkte vermeiden.

Schoko-Osterhasen haben oft einen "bitteren Beigeschmack": Zwölf von insgesamt 20 getesteten süßen Hasen waren mit einem oder mehreren Pestiziden belastet. Zum Teil wurden sogar vier verschiedene Giftstoffe in einem Produkt nachgewiesen. Nur sieben Schoko-Produkte waren komplett frei von Pestizidrückständen. Dies ergab die Untersuchung der NGOs Global 2000 und Südwind.

Genauer unter die Lupe genommen wurden auch insgesamt 21 Schokoladentafeln. Hier fällt das Ergebnis ebenso schlecht aus: In zwölf Tafeln fanden sich Rückstände von Chemikalien, die beim Anbau von Kakao - der Grundzutat der Schokolade - zum Einsatz kommen. Besonders erschreckend ist, dass acht der gefundenen Pestizide in Europa längst verboten sind, da sie sich negativ auf den Menschen und die Umwelt auswirken. "In der Schokolade würde man eigentlich keine Pestizide erwarten, da sie durch die Verarbeitung und Erhitzung des Kakaos nicht mehr nachweisbar sein sollten", sagt Martin Wildenberg von Global 2000.

Massiver Pestizideinsatz

Deswegen gehen die Experten davon aus, dass in der Kakao-Produktion massiv Pestizide eingesetzt werden. Oft werden die Giftstoffe von den Kakaobauern eingesetzt, ohne dass sie sich den Gefahren der Stoffe bewusst sind. "Nach dem Sprühen von Pestiziden waren akute gesundheitliche Probleme wie etwa Augenreizungen und Magen-Darm-Probleme feststellbar", sagt Mediziner Hans-Peter Hutter. Oft würden auch gefälschte und damit billigere Pestizide aus China angeboten werden. Die ohnehin armen Kakaobauern greifen dann zu diesen Stoffen - falls sie sich diese überhaupt leisten können. Das am häufigsten verwendete Insektizid war nach einer Studie über Kakaobauern in Kamerun Endosulfan. Eine Substanz, die in den meisten Ländern der Welt aufgrund der hohen Giftigkeit bereits verboten ist. Viele der eingesetzten Pestizide würden sich überdies im Boden anreichern.

Dabei kann Kakao ganz ohne den Einsatz von Pestiziden kultiviert werden, wie es etwa bei biologisch angebautem Kakao der Fall ist.

Von 21 getesteten Schokoladentafeln sind zwölf mit Pestiziden belastet.

Für Konsumenten unbedenklich

Direkte Risiken für die Gesundheit würden trotz allem nicht bestehen, da bei jedem festgestellten Pestizid die erlaubten Grenzwerte unterschritten worden sind. "Manche wurden nur im Spurenbereich nachgewiesen", sagt Hutter. Der Verzehr des einzelnen Produktes führt nicht zur Beeinträchtigung der Gesundheit. Da die Konsumenten aber auch andere Lebensmittel mit Pestizidbelastung essen würden, könne sich die Menge an aufgenommenen Giftstoffen häufen, gibt Hutter zu bedenken. Der Mediziner empfiehlt daher, zu Schokoladen und Osterhasen zu greifen, deren Kakao aus biologischem oder fairem Anbau stammt.


"Kein Zusammenhang zwischen Preis und Qualität"

Im Test wurden nur die unabhängigen Gütesiegel Fairtrade, UTZ sowie das EU-Bio-Siegel berücksichtigt. Unternehmenseigene Nachhaltigkeitsprogramme wurden beim Check hingegen ausgeklammert, da sie für den Konsumenten auf der Verpackung nicht ersichtlich seien.

Interessant ist auch, dass teure Schokoladen nicht notwendigerweise sozial und ökologisch unbedenklich sind. "Unsere Testungen zeigen, es gibt keinen direkten Zusammenhang zwischen Preis und Qualität", so Wildenberg. So tragen günstige Eigenmarken-Produkte zum Teil das Fairtrade bzw. Bio-Siegel. Am besten abgeschnitten haben der Schokohase von EZA und die Eigenmarke-Schokolade "Spar Natur*pur".

Foodwatch entdeckte Mineralöle in Schoko-Hasen

Bei einem anderen Test der deutschen Verbraucherschutzorganisation Foodwatch wurden in Schoko-Osterhasen Spuren von Mineralölen festgestellt. In acht von 20 Hasen - die zum Teil auch in Österreich erhältlich sind - fanden sich geringe Konzentrationen von sogenannten gesättigten Mineralölen.

Als Quelle für die Verunreinigung bei Schokolade gilt laut Foodwatch etwa der Transport von Kakao in belasteten Jutesäcken und der Kontakt mit ölenden Maschinen. Auch von Druckfarben auf Kartons aus Altpapier könne eine Belastung ausgehen.

Foodwatch fordert nun erneut, dass umgehend Grenzwerte für Mineralöle in Lebensmitteln festgelegt werden. Für potenziell krebserregende aromatischen Mineralöle wird eine Null-Toleranz-Regel vorgeschlagen.

Die Testergebnisse von Foodwatch gibt es hier zum Download

Bauern schuften für "braunes Gold" Kakao

Kakao, der Rohstoff für die Schokolade, wird oft unter prekären Verhältnissen in Westafrika angebaut. 80 Cent pro Tag verdient ein Kakaobauer in Ghana im Schnitt, im Hauptanbauland Elfenbeinküste sind es lediglich 50 Cent. Die Kakaobauern haben deswegen zu wenig Geld, um Hilfskräfte zu beschäftigen. Das führt dazu, das vermehrt Kinder bei der Arbeit auf den Plantagen eingesetzt werden. Rund zwei Millionen Kinder sollen alleine in Ghana und Kamerun bei der Ernte des Kakaos helfen. "Die Kinder verrichten Arbeiten, die laut ILO-Richtlinien verboten sind", so Caroline Sommeregger von Südwind.

Vor kurzem testeten Global 2000 und Südwind bereits die soziale und ökologische Komponente von Schoko-Osterhasen. Das Ergebnis: Die Zutaten für die Oster-Naschereien stammen nur selten aus biologischer oder Fairtrade-Produktion.

Der Osterhasen-Test zum Download

Der Schokoladen-Test zum Download


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