Prostatavergrößerung: Neue, innovative Behandlungsmethode

Prostatavergrößerung: Neue, innovative Behandlungsmethode

Die benigne Prostatahyperplasie kann aufgrund belastender Begleiterscheinungen eine medikamentöse oder chirurgische Behandlung nötig machen. Nun gibt es ein neues Verfahren, das für manche Patienten eine Alternative darstellt.

Sie gehört zu den Sexualorganen des Mannes, umgibt den Anfangsteil der Harnröhre, ist kastaniengroß und zeichnet für die Produktion der Samenflüssigkeit mitverantwortlich: die Prostata oder Vorsteherdrüse.

Kleine Veränderung mit enormen Folgen

Nachdem die Prostata unterhalb der Harnblase liegt und bei der Blasenentleerung mitbeteiligt ist, kann jede Normabweichung mitunter schwerwiegende Auswirkungen haben. Zu derartigen Veränderungen zählt die benigne Prostatahyperplasie (BPH), bei der es sich um eine gutartige Vergrößerung der Vorsteherdrüse handelt, die vor allem Männer im mittleren und fortgeschrittenen Alter betrifft. Während manche Patienten mit keinerlei Symptomen konfrontiert sind und nach der Diagnose lediglich regelmäßig untersucht werden sollten, haben andere wiederum mit äußerst unangenehmen Symptomen zu kämpfen. „Treten Miktionsstörungen auf, muss die BPH entsprechend behandelt werden. Nächtliches Wasserlassen oder Blasenentleerungsstörungen beispielsweise können die Lebensqualität massiv einschränken.“, weiß der am Wiener AKH tätige Urologe und Androloge Prof. Dr. Markus Margreiter. Solche Probleme sind meist durch die Einengung der Harnröhre bedingt und bedürfen einer medizinischen Behandlung.

„In Österreich sieht sich jeder dritte Mann über 50 mit der Diagnose benigne Prostatahyperplasie konfrontiert.“, so Markus Margreiter. „Erkrankungen der Prostata zählen nicht nur zu den häufigsten Problemen mit denen ein Mann im Laufe seines Lebens konfrontiert ist, sie treten auch in vielen Fällen in Kombination mit Sexualfunktionsstörungen wie beispielsweise der erektilen Dysfunktion auf. Der Leidensdruck der Männer und der Partnerinnen ist meist hoch, weshalb passende Therapien umso wichtiger sind.“

Behandlung: Konservativ, chirurgisch, minimalinvasiv

Die Prostatavergrößerung bedarf nur dann einer Behandlung, wenn sie Symptome verursacht, wobei sich die Therapiemaßnahmen nach dem Beschwerdegrad richten. Medikamentös kann sie mittels verschiedener Präparate, die oral einzunehmen sind, behandelt werden. Schlagen die Medikamente nicht an, ist die BPH auch chirurgisch mittels Resektion, Enukleation oder Laser behandelbar.

In 2009 kam erstmals ein minimalinvasives Verfahren zum Einsatz, das in Österreich noch weitgehend unbekannt ist: die Prostata-Arterienembolisation (PAE) . Es bedarf einer interdisziplinären Zusammenarbeit von Urologie und Radiologie und wird seit 2014 am AKH Wien durchgeführt. Prof. Margreiter arbeitet dazu eng mit dem auf Interventionelle Radiologie spezialisierten Facharzt für Radiologie, Prof. Dr. Florian Wolf, zusammen, der über einen großen Erfahrungsschatz im Bereich Embolisation verfügt. „Mittels Embolisation lassen sich verschiedenste Erkrankungen gut und schonend behandeln. Ausgewählte BPH-Patienten können von dieser Methode durchaus profitieren, da sie danach nicht mehr auf die lebenslange Einnahme von Medikamenten zur Behandlung ihrer Erkrankung angewiesen sind oder sie ihnen eine Operation erspart.“, macht Dr. Wolf auf die Vorteile aufmerksam. Nicht selten gebe es Patienten, die ein hohes OP-Risiko aufweisen und sich dank der PAE keiner unnötigen Gefahr aussetzen müssten, so der Experte.

Eignet sich ein Patient für eine Embolisation, was beide Mediziner vor der Behandlung eingehend prüfen, wird ihm unter Röntgendurchleuchtung ein Führungskatheter in die Leistenarterie eingeführt. „Danach führe ich diesen in die Arteria iliaca interna vor, die die Beckenorgane und Gesäßmuskulatur versorgt. Nun wird durch den Führungskatheter ein Mikrokatheter bis in die Prostata-versorgenden Arterie vorgeschoben. Der Patient ist während des Verfahrens wach und bekommt bei Bedarf Beruhigungs- und Schmerzmittel verabreicht.“, erklärt Dr. Wolf. „Wenn ich die Prostataarterie erreicht habe bringe ich in diese kleinste Kunststoffpartikel ein, was den Blutfluss unterbricht. In weiterer Folge wird das Organ unterversorgt und schrumpft.“ Dies habe zur Folge, dass die Symptome verschwänden oder sich signifikant verbesserten. Laut Florian Wolf und Markus Margreiter handelt es sich sowohl um eine ergänzende als auch um eine alternative Therapiemaßnahme, die sehr innovativ ist. „Unsere Patienten bleiben eine Nacht zur Beobachtung im Spital und sind innerhalb kürzester Zeit wieder arbeitsfähig.“ Die Embolisation selbst kann bis zu drei Stunden dauern und bedarf höchster Konzentration sowie großer Erfahrung des ausführenden Radiologen. „Sie hat zwar keinerlei Nebenwirkungen, ist aber dennoch ein hochanspruchsvolles Verfahren.“, weiß Dr. Wolf.

Je höher das Alter, desto größer die Wahrscheinlichkeit, eine benigne Prostatahyperplasie zu entwickeln. Macht sie sich irgendwann bemerkbar, ist das sowohl für den Betroffenen als auch für sein Umfeld äußerst belastend. Deshalb sollten Männer, die Symptome wie einen schwachen Harnstrahl oder nächtliches Wasserlassen an sich bemerken, den Gang zum Urologen nicht scheuen. Wer zu lange wartet, riskiert weitere Einschränkungen und noch unangenehmere Folgen.

www.dr-margreiter.at
www.florianwolf.at

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