Österreichs Kinder werden immer kränker

Österreichs Kinder werden immer kränker

Chronische Krankheiten wie Diabetes sind auch bei Österreichs Kindern und Jugendlichen auf dem Vormarsch.

Die gesundheitliche Situation der österreichischen Kinder und Jugendlichen lässt zu wünschen übrig. 16 Prozent geben an, chronisch krank zu sein. Die Diabetesrate steigt an und Daten zur psychischen Gesundheit liegen kaum vor. Das zeigt der "Österreichischen Kinder- und Jugendgesundheitsbericht" des Gesundheitsministeriums.

"Materielle Lebensbedingungen", Ausbildungsniveau von Eltern und Jugendlichen, Arbeit und Beschäftigung, soziale Beziehungen, Gesundheitsversorgung und Umwelt sind laut den Autoren des Berichts bestimmende Faktoren für die Gesundheit der bis zu 19-Jährigen. Das sind in Österreich (unter 20) 19,6 Prozent der Bevölkerung oder rund 1,7 Millionen Menschen. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung ist seit 1971 von damals um 31,2 Prozent ständig gesunken. Mit einer durchschnittlichen Kinderzahl von 1,44 pro Frau (2013) lag Österreich 2013 knapp unter dem EU 28-Schnitt (1,55; Spitze: Frankreich mit 1,99; am Ende: Portugal mit 1,21).

Über dem europäischen Durchschnitt liegt die Kaiserschnittrate mit 29,8 Prozent im Jahr 2014 (1998: 14,6 Prozent). Im europäischen Vergleich relativ hoch ist mit acht Prozent der Anteil der Frühgeburten. Hier und bei den Mehrlingsgeburten dürfte die In-vitro-Fertilisation der Angelpunkt sein.

"Laut den Ergebnissen der letzten HBSC-Studie (2014 der WHO zur Kinder- und Jugendgesundheit) bezeichnen rund 40 Prozent der Elf-, 13- und 15-jährigen Schüler ihren Gesundheitszustand als ausgezeichnet (Burschen: 45 Prozent, Mädchen: 36 Prozent) (...), heißt es in dem Report. Umgekehrt bezeichneten sich im Rahmen der 2010 durchgeführten HBSC-Befragung 16 Prozent der Mädchen und Burschen als chronisch krank. Während aus der deutschen KiGGS-Untersuchung zum Gesundheitsstatus der Sieben- bis 17-Jährigen hervorgeht, dass 5,4 Prozent der Kinder und Jugendlichen Anzeichen einer depressiven Störung, zehn Prozent an Angstzuständen und 7,6 Prozent eine Störung des Sozialverhaltens zeigen, heißt es in dem Bericht zur österreichischen Situation: "In Österreich gibt es keine mit Deutschland vergleichbaren Daten zu psychischen Erkrankungen bzw. Auffälligkeit von Kindern und Jugendlichen. Regionale Erhebungen aus Kindergärten und Volksschulen geben Hinweise, dass bei rund zehn Prozent der Vier- bis Siebenjährigen Verhaltens- und emotionale Auffälligkeiten vorliegen."

Diabetes Typ-2: Falsche Ernährung und Bewegungsmangel

Übergewicht und mangelnde körperliche Betätigung sowie eine ungesunde Ernährung werden als Ursachen für immer mehr Typ-2-Diabetes-Erkrankungen angesehen. Das gilt offenbar auch für Kinder (bis 14 Jahre): Pro Jahr erkrankten 1999 noch zwölf von Hunderttausend Kindern an Typ-2-Diabetes. 2007 waren es in Österreich bereits 18,4. Der Umstand, dass die "neuesten" Daten zu Diabetes bei Kindern aus dem Jahr 2007 sind, belegt schlagend ein Faktum: Das epidemiologische Monitoring in Österreich ist auf einem kritisch zu beurteilenden Niveau.

Kindersterblichkeit geht zurück, chronische Erkrankungen nehmen zu

Zwar ist die Sterblichkeit im Kindes- und Jugendalter seit vielen Jahren insgesamt rückläufig, aber dafür dürften die chronischen Erkrankungen zunehmen. Die Gewichtsproblematik setzt sich ab dem Jugendalter entsprechend fort: 2012 waren nur noch 67 Prozent der Stellungspflichtigen normalgewichtig, 28 Prozent über- und sechs Prozent untergewichtig.

Bei den Entwicklungsverzögerungen dürften zehn Prozent der Vier-bis Siebenjährigen Sprachprobleme haben, sechs bzw. 15 Prozent der Sechs- bis Zwölfjährigen zeigen Störungen bei schulischen Fertigkeiten. 19 Prozent der elf-, 13- und 15-jährigen Schüler fühlen sich durch die Schule nervlich stark belastet.

Schlechter Lebensstil: Zu wenig Bewegung, Rauchen und Alkohol

Der Lebensstil der österreichischen Kinde rund Jugendlichen ist jedenfalls nicht optimal: 73 Prozent der Burschen (elf bis 15 Jahre) und 85 Prozent der Mädchen "erreichen nicht das für Kinder und Jugendliche empfohlene Bewegungsausmaß von einer Stunde moderater bis intensiver Bewegung täglich, ältere Schüler und Schülerinnen noch seltener (...)." 22 Prozent der Elf- bis 15-Jährigen haben schon geraucht (täglicher Tabakkonsum: zehn Prozent der 15-Jährigen). Und: "Laut HBSC-Studie (2014) trinken rund sieben Prozent der österreichischen Kinder und Jugendlichen (elf, 13 und 15 Jahre; Anm.) regelmäßig Alkohol (mindestens einmal wöchentlich oder öfter). Zehn Prozent der 15-Jährigen haben schon zumindest einmal Konsumerfahrung mit Cannabis gehabt.

Gesundheit hängt stark mit sozialem Status zusammen

Der Gesundheitsstatus aller Menschen hängt ganz eng mit dem sozialen Status und den Einkommensverhältnissen zusammen. "Die Reichsten leben am längsten und sind am gesündesten. Die beinahe so Reichen leben schon nicht mehr so lange und so weiter", sagte der britische Sozialmediziner Sir Michael Marmot im Sommer 2015 bei den Alpbacher Gesundheitsgesprächen.

Auch in Österreich sind die Rahmenbedingungen offenbar sehr unterschiedlich. Der Kinder- und Jugendgesundheitsreport stellt dazu fest: 15 Prozent der österreichischen Bevölkerung waren 2013 armutsgefährdet. Bei den Kindern und Jugendlichen (bis 19 Jahre) lag dieser Anteil gar bei 18 Prozent. Eine dauerhafte Armutsgefährdung lag bei vier Prozent der Kinder und Jugendlichen vor.

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